Deutsche Bank : Wieder im Geschäft

Freude bei Josef Ackermann: Die Deutsche Bank verdient 1,1 Milliarden Euro in drei Monaten – und versechsfacht die Risikovorsorge.

Rolf Obertreis
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Marktführer. Die Investmentbanker verdienen glänzend mit Anleihen und Aktien. Foto: dpadpa

Frankfurt am Main - Josef Ackermann gab sich bei der Beschreibung der Gegenwart optimistisch. Die weltweiten Finanzmärkte hätten sich weiter stabilisiert, teilte der Chef der Deutschen Bank am Dienstag bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen mit. Die größte deutsche Bank werde ihre Kunden in einem schwierigen Kreditumfeld wie bisher unterstützen. Das Volumen der Mittelstandskredite sei um drei Milliarden Euro höher als vor der Finanzkrise im Herbst 2007.

Beim Blick in die Zukunft fielen Ackermanns Worte vorsichtiger aus. Für die kommenden sechs Monate gab er keine genaue Prognose ab. „Der Ausblick für das verbleibende Jahr 2009 hängt stark davon ab, wie es mit der Entwicklung der globalen Wirtschaft weitergeht“, erklärte der Banker. Die Deutsche Bank hat die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft deutlich von 250 Millionen im ersten Halbjahr 2008 auf 1,5 Milliarden Euro erhöht. Die Börse reagierte negativ: Die Aktie fiel um 11,4 Prozent.

Unbeeindruckt zeigte sich der Markt vom Beschluss des Aufsichtsrates, Ackermanns Gegenspieler, Aufsichtsratschef Clemens Börsig, das Vertrauen auszusprechen. Der umstrittene Chef des Kontrollgremiums, der sich im Frühjahr selbst an die Spitze der Bank hieven wollte und über dessen Verstrickung in die Datenaffäre zuletzt spekuliert worden war, bleibt im Amt. Über eine Absetzung des Aufsichtsratschefs wurde dem Vernehmen nach nicht diskutiert. „Wir hoffen, dass bei diesem Thema jetzt Ruhe einkehrt“, hieß es nach der Sitzung.

In den vergangenen Monaten hat die Deutsche Bank unter dem Strich 1,1 Milliarden Euro verdient – fast 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr summierte sich der Überschuss auf 2,3 Milliarden Euro, nach 504 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2008. Bei einem Vorsteuergewinn von 3,1 Milliarden Euro erreichte die Bank eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent. Ackermann strebt 25 Prozent an.

Getragen wurde das Geschäft wie schon im ersten Quartal vom Investmentbanking und hier vor allem vom Boom an den Anleihemärkten. Im Aktienhandel verbuchte die Bank so hohe Erträge wie seit sechs Quartalen nicht mehr. Die Investmentbank erreichte im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von 828 Millionen Euro. Im Vorjahr war sie mit 311 Millionen Euro ins Minus gerutscht. 2008 hatte vor allem diese Sparte für den Verlust von 3,9 Milliarden Euro gesorgt. Das Geschäft in den Filialen und mit Firmenkunden warf zwischen März und Juni nur einen Gewinn von 55 Millionen Euro ab – nach 203 Millionen im ersten Quartal.

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