DEUTSCHE BANKEN : Stark unter Schwachen

Der Marktführer glänzt – die Konkurrenz tut sich schwer: An seinem 60. Geburtstag präsentiert Deutsche-Bank-Chef Ackermann einen Rekordgewinn – und bleibt für 2008 optimistisch.

Stefan Kaiser

Frankfurt am Main - Josef Ackermann strahlt in die Kameras. Er sei heute „etwas emotionaler als sonst“, lässt er die rund 200 Journalisten wissen, die aus allen Teilen Europas angereist sind. Sie sind gekommen, um zu sehen, ob Ackermann Wort halten wird. Und er enttäuscht sie nicht. An seinem 60. Geburtstag durfte der Chef der Deutschen Bank zeigen, wie gut sein Haus die internationale Finanzkrise bisher weggesteckt hat. Während die Konkurrenz für das vierte Quartal 2007 Milliardensummen abschreiben und zum Teil deutliche Verluste verbuchen musste, konnte die Deutsche Bank glänzen – zumindest den Umständen entsprechend.

Knapp eine Milliarde Euro hat Deutschlands größtes Geldhaus zwischen Oktober und Dezember verdient. Das sind zwar 47 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2007 springt aber immer noch ein Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro heraus – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Ackermann sprach am Donnerstag von einem „Spitzenjahr für die Deutsche Bank“.

Zu den Abschreibungen von 2,2 Milliarden Euro aus dem dritten Quartal kommt kaum noch etwas hinzu – „weniger als 50 Millionen Euro“, wie die Bank mitteilte. Das Investmentbanking, das im dritten Quartal noch in die Verlustzone gerutscht war, erholte sich wieder etwas und trug rund 450 Millionen Euro zum Quartalsgewinn bei. Noch besser hätte das Ergebnis werden können, wenn die Bank nicht wegen eines einzelnen wackligen Kredits die Risikovorsorge auf 329 Millionen Euro hätte erhöhen müssen. Bei dem Geschäft soll es sich allerdings nicht um den Milliardenkredit für den Immobilieninvestor Harry Macklowe handeln, über den Medien in den vergangenen Tagen mehrfach berichtet hatten. Das fragliche Geschäft habe nichts mit Immobilien zu tun, sagte Ackermann.

Das Lächeln des Jubilars strahlte besonders hell, wenn er das passable Abschneiden des eigenen Haus mit den Problemen der Konkurrenz kontrastieren konnte. Die Deutsche Bank habe sich frühzeitig von Wertpapieren getrennt, die durch die US-Hypothekenkrise belastet waren, erklärte Ackermann. „Als im Juli und August die Märkte schwierig wurden, haben wir gesagt, wir gehen runter und raus.“ Andere hätten dagegen ihre Positionen sogar noch vergrößert. Ihnen drohten deshalb weitere Abschreibungen. In der Branche wird berichtet, die Deutsche Bank habe ihre Entscheidung vor allem dem Geschick einiger weniger Fachleute zu verdanken. Allen voran ihrem Kreditexperten Eugene Xu, der frühzeitig vor einem Einbruch des US-Immobilienmarkts gewarnt haben soll.

Ganz ausschließen wollte Ackermann neue Belastungen jedoch für die Deutsche Bank nicht. Er verwies auf die „schweren Verwerfungen“ an den Finanzmärkten, von denen auch die Bank betroffen sein könnte. Aber er hielt am Ziel fest, 2008 einen Gewinn von 8,4 Milliarden Euro vor Steuern zu erreichen, nach 8,7 Milliarden in 2007. Das beruhigte zwar zunächst die Anleger und ließ die Aktie zeitweise um drei Prozent steigen. Ackermann selbst bezeichnete die Prognose angesichts eines unsicheren Ausblicks jedoch als „mutigen Schritt“, der im Jahresverlauf wieder zurückgenommen werden könnte. Erst einmal ist aber Optimismus angesagt: „Wenn das Wasser bis zum Hals steht, ist es falsch, den Kopf hängen zu lassen.“

Mit der Konkurrenz ging Ackermann hart ins Gericht. „In der Finanzbranche ist einiges schief gelaufen“, sagte er und forderte mehr Transparenz. Für die kommenden Monate zeichnete der Bankchef ein gemischtes Bild. „Die Spannungen an den Finanzmärkten werden noch einige Zeit anhalten und die Auswirkungen werden auch in der Realwirtschaft spürbar werden.“ Allerdings werde Deutschland nicht in eine Rezession rutschen, sondern „auf dem Wachstumspfad bleiben“. Die Deutsche Bank werde auch die Chancen der Krise nutzen.

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