Dividende : Substanz zahlt sich aus

Hohe Dividenden trotz Krise – wo Anleger mehr für ihr Geld bekommen.

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Rendite
Rechnen lohnt sich. Einige Unternehmen bieten ihren Aktionären eine höhere Rendite als anderen Anleihezeichnern. -Foto: dpa

Bei der Dividende wird nicht geknausert: 3,4 Milliarden Euro lässt es sich die Deutsche Telekom in diesem Jahr kosten, die Aktionäre bei Laune zu halten. Das ist fast zehn Mal mehr als das Unternehmen im vergangenen Jahr verdient hat. Am 5. Mai wird der Konzern 78 Cent für jede der 4,34 Milliarden dividendenberechtigten Aktien überweisen. Wer Telekom-Aktien hält, darf sich also über eine Rendite von 8,2 Prozent freuen.

Zwar ist die Telekom damit der Star unter den 30 Dax-Konzernen. Doch auch andere Standardwerte locken aktuell mit Dividendenrenditen, die deutlich über den Zinsen von Tages- und Festgeldern, aber auch jenen von Anleihen liegen (siehe Tabelle). Im europäischen Ausland, wo traditionell höhere Dividenden gezahlt werden, ist die Auswahl noch größer: Im Euro-Stoxx 50 etwa schüttet rund die Hälfte der Firmen Gewinnbeteiligungen aus, die gemessen am aktuellen Kurs der Aktien, zu Renditen von über vier Prozent führen: Am spendabelsten sind hier vor allem Telekomfirmen wie die spanische Telefónica oder die France Télécom (rund acht Prozent), Versorger wie Enel, Eni, GDF oder Vivendi und Finanzkonzerne wie Axa oder Banco Santander. Verblüffend dabei: Nicht wenige Konzerne zahlen ihren Anteilseignern derzeit eine höhere Verzinsung als jenen Anlegern, von denen sie über Anleihen Geld geliehen haben.

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Viele Aktienexperten glauben deshalb, dass in diesem Jahr – anders als 2009 – Dividendenstars verstärkt im Fokus stehen könnten. „Es ist große Unsicherheit im Markt, da wäre es eine nur natürliche Reaktion von privaten wie institutionellen Anlegern, sich defensiver zu positionieren“, sagt Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Denn die Dividendenstars seien häufig Substanzwerte, die in unsicheren Zeiten gekauft würden. Vorsichtige Anleger, die in Anleihen statt in Aktien eines Unternehmens investiert seien, könnten zudem Umschichtungen überlegen. Grundsätzlich hält die DSW „Dividendenstars für Kerninvestments“. Die Zahlung einer guten Dividende, sagt Cabras, solle für den Anleger ein Hauptargument bei der Auswahl einer Aktie sein. Denn die kontinuierliche Zahlung einer Ausschüttung sei ein Beleg dafür, dass das Management über Krisen hinweg erfolgreich arbeite. Mit der Dividende erhalte der Anleger überdies einen Sicherheitspuffer, denn der Aktienkurs könne um den Prozentsatz der Dividendenrendite fallen, ohne dass der Anleger ins Minus rutsche. 2009 allerdings lohnte sich der Blick auf die Dividendenstrategie nicht: Aktien mit hohen Ausschüttungen rangieren bei der Wertentwicklung eher hinten. Während die Telekom auf Jahressicht nur 1,8 Prozent im Plus notiert, griffen die Anleger vor allem bei Firmen zu, die keine oder nur eine geringe Dividende ausschütten – etwa bei Infineon, der Commerzbank oder Daimler.

Nach Meinung der Fondsgesellschaft DWS könnte sich dieser Trend zum Risiko nun umkehren: Da 2010 keine so rasante Kursentwicklung mehr zu erwarten sei, rücke nun die Dividendenrendite in den Fokus. Die Fondstochter der Deutschen Bank hält die Dividendenstrategie in diesem Jahr offenbar für so erfolgversprechend, dass eigens ein neuer Fonds auf den Markt gebracht wurde, der „DWS Dividende direkt 2014“. Wie der vier Milliarden Euro schwere „DWS Top Dividende“ zählt er Aktien wie Novartis, RWE, Merck, France Télécom , KPN und Altria zu seinen größten Positionen. Mit einem Plus von knapp 40 Prozent liegt die Wertentwicklung des älteren „Top Dividende“ allerdings leicht hinter dem „Dividenden Strategie Euroland“ der Landesbank Baden-Württemberg mit einem Plus von gut 42 Prozent. Man achte strikt darauf, nur Aktien mit nachhaltiger Dividendenentwicklung in den Fonds zu holen, sagt Fondsmanager Jochen Wolf. Firmen wie Enel, ein italienischer Versorger mit rund neun Prozent Dividendenrendite, aber „schlechter Bilanz“, sei nicht dabei, ebenso wenig wie die Deutsche Telekom, die ihre Dividende nicht aus dem Reingewinn zahlen kann, damit bei schrumpfendem Eigenkapital an die Substanz geht. Wolf: „Es macht keinen Sinn, nur auf die Höhe der Dividende zu achten.“

Insgesamt sind die Dividenden im Dax in diesem Jahr in der Summe gesunken, was auch damit zu tun hat, dass nun erst das Krisenjahr 2009 bilanziert wird. Elf der 30 Dax-Firmen haben die Dividende gekürzt, wobei K+S, MAN, Merck, Thyssen-Krupp und VW am kräftigsten den Rotstift angesetzt, Daimler und Lufthansa die Ausschüttung sogar komplett gestrichen haben. Umgekehrt zahlen Fresenius, FMC, die Munich Re, die Allianz und die Deutsche Bank dieses Jahr mehr aus. Nach Berechnungen der Commerzbank schütten die 30 größten deutschen Firmen mit knapp 20 Milliarden Euro 14 Prozent weniger aus als im Vorjahr und fast 30 Prozent weniger als 2007. Weltweit sieht die Lage offenbar etwas anders aus: Die Fondsgesellschaft der ING rechnet damit, dass die Ausschüttungen 2010 insgesamt um zehn Prozent höher ausfallen könnten.

Wer sich die weltweit besten Dividendenpapiere nicht selbst aussuchen möchte, kann auch einen Exchange Traded Fund (ETF) wählen – einen Fonds, der passiv in Dividendenperlen investiert und kein kostspieliges Management benötigt. Die Deutsche Bank etwa macht mit dem ETF „DJ Global Select Dividend“, der die 100 besten Dividendenwerte in Europa, Amerika und Asien kauft, ihren eigenen Dividendenfonds Konkurrenz: Mit einem Plus von fast 70 Prozent binnen eines Jahres lag das Papier deutlich über dem „Top Dividende“.

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