Dynamitpreis : Alan Greenspan zum Sprengmeister der Weltwirtschaft gekürt

Hat Alan Greenspan die Weltwirtschaft in die Luft gejagt? Die Leser einer Ökonomie-Fachzeitschrift geben dem ehemaligen US-Notenbankchef zumindest eine Mitschuld - er erhält den Dynamitpreis in Wirtschaftswissenschaften.

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Greenspan
Ex-Notenbank-Chef Alan Greenspan. -Foto: ddp

Zweifelhafte Ehrung für den früheren US-Notenbankchef Alan Greenspan: Für seine Verantwortung an der internationalen Finanzkrise wurde er mit dem Dynamitpreis für Ökonomen ausgezeichnet. Der zweite Platz ging an den 2006 verstorbenen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman, die Bronzemedaille bekam der ehemalige US-Finanzminister und heutige Präsidentenberater Larry Summers.

Vergeben wurde die Auszeichnung von der alternativen Fachzeitschrift für Wirtschaftswissenschaften "Real World Economic Review". Laut Aussage der Initiatoren soll der Preis eine Antwort auf die Versuche der Ökonomen sein, ihre Verantwortung für die Krise zu verschleiern, indem sie sie als unvorhersehbar bezeichnen. Tatsächlich hätten ihre ökonomischen Theorien und Politikempfehlungen die Krise mit hervorgerufen.

Alan Greenspan wird vorgeworfen, mit seiner Geldpolitik als US-Notenbankpräsident maßgeblich am Entstehen der Kapital- und Kreditblase mitgewirkt zu haben. Außerdem habe er die Ansicht vertreten, dass Finanzmärkte von Natur aus effizient seien und eine Politik der Deregulierung vertreten. "Er habe offensichtlich die Fähigkeit des Marktes überschätzt, sich selbst zu regulieren", sagte Greenspan später in einer Anhörung im US-Kongress. Der 84-Jährige war von 1987 bis 2006 Vorsitzender der amerikanischen Notenbank Fed und wurde für seine Niedrigzinspolitik von vielen Akteuren an den Finanzmärkten gelobt und verehrt.

Der zweitplatzierte Milton Friedman wird für die Verbreitung falscher ökonomischer Modelle von Geld, Finanzmärkten und Wirtschaft kritisiert. Diese haben zur Entwicklung fantasiebasierter Theorien beigetragen, die den globalen Finanzkollaps befördert hätten. Friedmans Lehre betont die Vorteile eines freien Marktes und die Nachteile staatlicher Eingriffe. Bekannt wurde er auch als Mentor einer Gruppe von Ökonomen, den sogenannten Chicago-Boys, die unter der Militär-Diktatur Pinochets marktradikale Reformen in Chile durchführten.

Platz drei geht an Larry Summers, dem nationalen Wirtschaftsberater der US-Regierung. Summers arbeitete erfolgreich an der Aufhebung des Glass-Steagall-Gesetzes, mit dem nach dem großen Chrash von 1929 eine Trennung des Investment-Bankings vom klassischen Einlagengeschäft vorgeschrieben wurde. Zusammen mit Greenspan verhinderte Summers zudem eine Regulierung von Derivaten. Derivate sind Finanzinstrumente, deren Preise sich nach den Kursschwankungen oder den Preiserwartungen anderer Wertpapiere richten.
 
Insgesamt 7500 Leser der britischen Fachzeitschrift, zumeist Ökonomen, haben sich an der Abstimmung über die "Sprengmeister der Weltwirtschaft" beteiligt. Der Herausgeber der "Real World Economic Review", Edward Fullbrook, sieht mit den Preisträgern drei der Hauptverantwortlichen für die Krise benannt. Aber es gäbe eben auch Wissenschaftler, die abseits des ökonomischen Mainstreams frühzeitig vor der Krise gewarnt hätten, so Fullbrook. Diese sollen nun ebenfalls mit einem Preis geehrt werden. 

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