Energieverbrauch : Deutschland spart sich die Energie

Teures Öl drückt Verbrauch so stark wie in keinem anderen Land - aber die Preise dürften weiter steigen.

Kathrin Drehkopf

BerlinIn Deutschland ist der Energieverbrauch im Jahr 2007 so stark zurückgegangen wie in keinem anderen Land. Das geht aus dem Weltenergiebericht des britischen Ölkonzerns BP hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Demnach verbrauchten Wirtschaft und Konsumenten vor allem wegen des hohen Ölpreises 5,6 Prozent weniger Primärenergie, also Energie aus Rohöl, Gas, Kohle sowie Wasser- und Atomkraft. Weltweit legte der Verbrauch solcher Energiequellen dagegen um 2,4 Prozent zu – vor allem wegen des großen Bedarfs in China, dessen Verbrauch um 7,7 Prozent zulegte. Damit gingen im Jahr 2007 rund 50 Prozent des gesamten zusätzlichen Energieverbrauchs auf China zurück, ein Drittel entfiel auf Indien. Insgesamt war der Anstieg geringer als im Vorjahr.

Laut BP stieg der weltweite Ölverbrauch 2007 zwar mit 1,1 Prozent nur mäßig. In den aufstrebenden Ländern China und in Indien wuchs der Verbrauch dagegen kräftig. Die Energieeffizienz ist in Schwellenländern jedoch laut Bericht im Vergleich zu den Industrienationen gering. So benötigten Schwellenländer dreimal so viel Öl wie Industriestaaten, um 1000 Dollar Bruttoinlandsprodukt zu erwirtschaften.

Auch Kohle gewinnt bei der Energieerzeugung wieder mehr an Bedeutung. Mit 4,5 Prozent war Kohle der weltweit wachstumsstärkste Brennstoff. Wieder ist es China, wo der Kohleverbrauch mit knapp acht Prozent am meisten anstieg.

Zur Zeit macht sich weltweit bei Unternehmen große Sorge breit wegen der rasant steigenden Ölpreise. Dass Öl sich stetig verteuert hat, geht nach BP-Analysen allerdings nicht darauf zurück, dass Spekulanten die Preise treiben. „Wir glauben nicht, dass der hohe Ölpreis und die Spekulationen an den Börsen zusammenhängen“, sagte BP-Chefökonom Christof Rühl. Vielmehr beeinflussten strategische Entscheidungen die Preise am Ölmarkt, etwa Bestimmungen des Ölförderkartells Opec. Die Länder hatten Ende 2006 und Anfang 2007 aufgrund eines Preisrückgangs die Ölförderung gedrosselt. Während die Nachfrage in den folgenden Monaten gestiegen war, blieb das Angebot dann aber unverändert.

Dem widerspricht Eugen Weinberg, Chefanalyst für Rohstoffmärkte bei der Commerzbank. „Es steht fest, dass Anleger die Hauptrolle beim Anstieg des Ölpreises gespielt haben“, sagte er dem Tagesspiegel. Der schwache Dollar sowie die zur Zeit wenig gewinnträchtigen Aktienmärkte würden Investoren dazu verleiten, in die Rohstoffmärkte zu investieren. Kurzfristig könnte Öl deshalb noch teuer werden: „Ich denke, dass der Preis auf 150 Dollar schießt, sich langfristig aber bei 100 Dollar einpendeln wird“, prognostizierte Weinberg. Am Mittwoch kostete ein Fass (159 Liter) Öl in New York gut 132 Dollar. Laut Daten der BP ist der Ölpreis seit sechs Jahren in Folge im Aufwärtstrend. Das ist die längste Preissteigerungsphase der Geschichte.

Ab heute beraten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf einem Gipfeltreffen in Brüssel über Maßnahmen gegen den hohen Ölpreis. Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewissenschaftlichen Instituts (EWI) an der Universität Köln, forderte, die Politik müsse „die Nerven behalten“ und dürfe nicht in den Ölpreis eingreifen. „Besser ist es, steuerliche Anreize für neue Investitionen zu bieten“, sagte Bettzüge.

Die weltweiten Ölreserven werden laut BP-Bericht bei dem gegenwärtigen Produktionsniveau noch etwas mehr als 40 Jahre reichen. Claudia Kemfert, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) in Berlin bezweifelt das. „Das ist utopisch, denn der Energieverbrauch wird weiter ansteigen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Denn das Wachstum in Schwellenländern wie Indien oder China werde anhalten. Deshalb müsse langfristig die Ölnachfrage eingedämmt werden, indem die Staaten in alternative Energieträger investierten. „Das hat die Politik hierzulande jahrelang versäumt“, bemängelte Kemfert.

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