Europäische Zentralbank : Trichet: Preisstabilität erst wieder 2010

Steigende Inflation, kaum noch Wachstum – die Wirtschaft in der Eurozone lahmt zusehends. Das hat auch die Europäische Zentralbank erkannt. An ihrer zurückhaltenden Zinspolitik hält sie dennoch fest.

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Hohe Inflation, kaum Wachstum: EZB-Chef Jean-Claude Trichet beschreibt die Konjunkturlage in der Eurozone. -Foto: dpa

Frankfurt/MainTrotz der anhaltend hohen Inflation belässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent. Der Zentralbankrat habe einstimmig für diesen Entschluss gestimmt, sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt am Main. Für das Gesamtjahr sei mit einer Inflation zwischen rund 3,4 und 3,6 Prozent zu rechnen. Im Laufe des Jahres 2010 könne in der Eurozone jedoch wieder ein Kostenanstieg von unter zwei Prozent erreicht werden und damit die von der EZB angestrebte Preisstabilität, sagte Trichet.

Bereits im kommenden Jahr zeichne sich eine Abschwächung des Preisauftriebs in den 15 Euro-Ländern ab, sagte Trichet weiter. 2009 werde die Inflation ersten Berechnungen zufolge voraussichtlich zwischen 2,3 und 2,9 Prozent liegen. Mit den aktuellen Daten habe die Zentralbank ihre Inflationserwartungen für 2008 und 2009 jedoch leicht angehoben, sagte Trichet. Grund dafür sei vor allem der starke Anstieg der Energiepreise. Zu einem geringeren Teil trügen auch die gestiegenen Kosten für Lebensmittel und Dienstleistungen dazu bei, sagte der Zentralbank-Chef.

Wachstumsprognosen nach unten korrigiert

Die neuesten Wirtschaftsdaten aus der Eurozone bestärkten die Einschätzung der EZB aus den vergangenen Monaten, dass sich das Wachstum im zweiten und dritten Quartal abschwäche, sagte Trichet. Für das Gesamtjahr sei jedoch mit einem leichten Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zwischen 1,1 und 1,7 Prozent zu rechnen. 2009 liege das Wirtschaftswachstum dann voraussichtlich zwischen 0,6 und 1,8 Prozent. Damit habe die EZB ihre Wachstumsprognosen leicht nach unten korrigiert, sagte Trichet.

Die derzeit fallenden Ölpreise könnten der europäischen Wirtschaft Auftrieb geben, sagte Trichet weiter. Voraussetzung sei jedoch, dass es nicht zu einem neuen Anstieg wie in den vergangenen Monaten komme. Durch den Preisrückgang beim Öl erhöhe sich für die Haushalte in der Eurozone der finanzielle Spielraum, wodurch die Nachfrage jetzt wieder gekräftigt werde, sagte Trichet. Zudem sei die Beschäftigung in der Eurozone derzeit auf einem historischen Hoch, wovon der Konsum ebenfalls profitieren könne.

Kritik an Gewerkschaften

Angesichts hoher Tarifabschlüsse in den vergangenen Monaten warnte der EZB-Chef deutlicher als sonst vor einer Lohn-Preis-Spirale. Hohe Lohnforderungen könnten die Inflation in der Eurozone zusätzlich anheizen, sagte Trichet. Der Zentralbankrat sei besorgt, dass Gewerkschaften sich bei ihren Lohnforderungen stark am Anstieg der Verbraucherpreise orientierten.

Die Unternehmen würden gestiegene Personalkosten letztlich über die Preise für ihre Produkte und Dienstleistungen wieder an die Verbraucher weitergeben. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seien gefordert, sich angesichts der hohen Inflation verantwortlich zu verhalten, sagte Trichet. (iba/AFP)

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