EZB-Ratssitzung : Leitzins bleibt unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Euro-Zone erneut nicht angetastet. Damit bleibt der zentrale Satz für Refinanzierungsgeschäfte bei vier Prozent. Ökonomen rechnen mit einer Senkung bis Jahresende.

Trotz der wirtschaftlichen Eintrübung bleibt der Leitzins im Euro-Raum vorerst unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ am Donnerstag ungeachtet der Sorge um die Konjunktur und des starken Euro den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bei 4,0 Prozent. Das teilte die EZB nach ihrer auswärtigen Sitzung in Athen mit. Seit Juni 2007 ist der Leitzins konstant.

Die Folgen der Finanzmarktkrise und der starke Euro belasten die europäische Wirtschaft und sprechen für Zinssenkungen, die Kredite für Unternehmen und Verbraucher verbilligen. Die anhaltend hohe Inflation steht aber sinkenden Zinsen entgegen. Die Teuerungsrate in den 15 Euro-Ländern hatte sich im April zwar etwas von 3,6 auf 3,3 Prozent abgeschwächt, liegt aber weiterhin über dem Zielniveau von knapp 2,0 Prozent, bei dem die EZB Preisstabilität als gewahrt ansieht.

Das Gros der Volkswirte rechnet inzwischen erst gegen Jahresende mit niedrigeren Zinsen, wenn die Folgen der Finanzmarktkrise die Wirtschaft in Europa bremsen und die Inflation zurückgehen dürften.

Gründe für den Beschluss

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte zuletzt immer wieder betont, der gegenwärtige geldpolitische Kurs sei richtig, um mittelfristig stabile Preise zu garantieren. Am Nachmittag wird er auf einer Pressekonferenz in Athen Hinweise auf den weiteren Kurs der Notenbank geben. Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank senkte die US-Notenbank Fed den Leitzins wegen der Konjunkturschwäche infolge der US-Immobilienkrise von 5,25 drastisch auf inzwischen 2,0 Prozent. Die Bank of England ließ ihren Leitzins am Donnerstag ebenfalls unverändert bei 5,0 Prozent.

Der EZB-Rat trifft sich zweimal im Jahr nicht am Stammsitz der Notenbank in Frankfurt, sondern in einer europäischen Hauptstadt. Im Spätherbst ist Brüssel an der Reihe, im kommenden Frühjahr findet die Sitzung dann in Rom statt. (sgo/dpa/AFP)

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