Festgeld : Fünf… vier… drei Prozent

Autobanken reduzieren ihre Festgeldangebote; gute Alternativen werden rar. Im Ausland gibt es die höchsten Zinsen - aber Island macht Angst.

Stefan Kaiser

Für Zinssparer waren es paradiesische Zeiten – und die liegen nur wenige Wochen zurück. Mit 5,4 Prozent Zinsen lockte die Mercedes-Bank diejenigen, die ihr Geld für ein Jahr fest anlegen wollten. Und das, obwohl der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) mit zwei Prozent derzeit gleich mehrere Etagen tiefer liegt. Die Anleger liefen Sturm. Von November 2008 bis Januar 2009 verzehnfachten sich die Anträge auf Kontoeröffnung.

Doch seit der vergangenen Woche sind diese Zeiten vorbei. Weil sie den großen Andrang nicht mehr bewältigen konnte, nahm die Mercedes-Bank ihre Angebote für Festgeld und Tagesgeld kurzerhand vom Markt. Wer bis 3. Februar einen Antrag auf Kontoeröffnung gestellt hat, werde noch bedient, teilte die Bank mit. Doch die Bearbeitungszeit könne bis zu fünf Wochen dauern. Wann und zu welchen Konditionen das Angebot wieder eröffnet wird, ist unklar.

Die Mercedes-Bank ist kein Einzelfall. Bei der Konkurrenz lief es ähnlich. Die BMW-Bank machte schon Mitte Januar ihr Festgeld-Angebot dicht. Bis dahin hatte sie 5,3 Prozent für Beträge zwischen 5000 und 25 000 Euro geboten, die für ein Jahr angelegt wurden. Nun sollen die vielen Anträge abgearbeitet und das Angebot zum 16. Februar wiedereröffnet werden – allerdings zu deutlich schlechteren Konditionen. Statt 5,30 gibt es künftig nur noch 3,55 Prozent.

„Die Banken haben festgestellt, dass die Zinsen eigentlich zu hoch gewählt waren“, sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Nun passten sie den Zinssatz ihren Kapazitäten an. Der Konkurrent VW, der mit der Audi-Bank und der VW-Bank gleich zwei Anbieter im Rennen hat, sei da cleverer vorgegangen und habe die Festgeldzinsen frühzeitig runtergefahren, sagt Herbst. Sei 1. Februar liegt der Zinssatz hier nur noch bei 3,5 Prozent. Man habe zwar auch einen großen Kundenandrang, betont ein Sprecher der VW-Bank, sei aber weit davon entfernt, Produkte vom Markt zu nehmen.

Der Zinstrend nach unten trifft den gesamten Markt. Schon seit Monaten sind die Festgeld-Zinsen im freien Fall. Gab es im Oktober im Schnitt fast fünf Prozent und mehr auf Einjahresgelder, so sind es heute laut Daten von FMH nur noch knapp drei Prozent. „Wer heute noch hohe Zinsen bekommt, kann sich freuen“, sagt Herbst. Er erwartet, dass das Zinsniveau auch in den kommenden Monaten weiter sinken wird. „Wir werden Zeiten bekommen, in denen der Durchschnittszins unter zwei Prozent fällt“, sagt Herbst voraus. So tief lag der Satz vor rund fünf Jahren schon einmal.

BMW-Bank und Mercedes-Bank gehörten zu den letzten Instituten, die noch Zinsen von mehr als fünf Prozent aufs Festgeld boten. Sie brauchten das Geld der Kunden, um die Kredite für Autokäufer gegenzufinanzieren, und mussten sie daher mit hohen Zinsen locken.

Mittlerweile sind solche Konditionen aber nur noch von ausländischen Instituten zu bekommen. Ganz oben liegt die NIBC Bank aus den Niederlanden, die noch immer 5,25 Prozent für ein Jahr bietet. Die ebenfalls holländische Credit Europe Bank und die türkische Akbank zahlen fünf Prozent. Einen Haken haben die Angebote jedoch. Die Institute haben keinen Sitz in Deutschland und sind damit auch nicht Mitglied im deutschen Einlagensicherungssystem. Experten streiten darüber, wie sicher das Geld bei diesen Banken ist. Die einen sehen kein Problem, weil auch andere Staaten Einlagensicherungssyteme haben. Die Niederlande zum Beispiel garantieren für Beträge bis 100 000 Euro pro Kunde. „20 000 bis 40 000 Euro kann man in jedem Fall in Holland anlegen“, sagt Finanzberater Max Herbst. Die Zeitschrift „Finanztest“ ist skeptischer. Ihre Experten empfehlen, bei Banken in den Niederlanden, in Österreich oder Luxemburg höchstens 20 000 Euro anzulegen. Das Beispiel Island zeige, dass selbst eine staatliche Garantie manchmal nichts nutze. So warten die gut 30 000 deutschen Kunden der insolventen isländischen Kaupthing-Bank noch immer auf ihr Geld.

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