Finanzbetrug : Madoffs langer Schatten

Um insgesamt 65 Milliarden US-Dollar hat der amerikanische Fondsmanager Bernard Madoff seine Kunden geprellt, bis er vor fast genau einem Jahr aufflog. Es war der größte Finanzbetrug aller Zeiten.

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Milliarden-Betrüger Bernard Madoff im März vor dem New Yorker Bundesgericht, das ihn zu 150 Jahren Haft verurteilte. Im Gefängnis...

New York, London - Seine Söhne hatten die Polizei gerufen, nachdem er ihnen gestanden hatte, dass die Familienfirma ein Jahrzehnte altes Schneeballsystem sei. Der 11. Dezember 2008 – das Datum seiner Festnahme – war ein schwarzer Tag nicht nur für Madoffs Familie, sondern für hunderte Anleger, für die gesamte Wall Street und für die amerikanische Börsenaufsicht SEC.

Viele unter den Geprellten kämpfen bis heute vergeblich um Rückzahlung ihrer Ersparnisse. Der Insolvenzverwalter der Madoff-Firma, Irving Picard, konnte bislang nur 1,4 Milliarden Dollar wiederbeschaffen. Da hilft es den Opfern auch nicht, dass Madoff im Sommer zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Am Mittwoch werden Opfer und ihre Anwälte bei einer Parlamentsanhörung Entschädigung durch den Sicherungsfonds der Branche, die SIPC, fordern. Bislang sträubt sich die SIPC gegen das Ansinnen, denn rechtlich sind viele Madoff-Anleger gar nicht durch den Sicherungsfonds abgedeckt. Anwälte wollen nun die Wall Street und die von ihr finanzierte SIPC auf politischem Weg zum Einlenken bewegen. SIPC-Chef Stephen Harbeck wehrt sich: „Wir sind keine Versicherung“, sagte er. Die Statuten regelten die Entschädigungsleistungen eindeutig.

Während die Opfer um ihre finanzielle Zukunft kämpfen, ringt die für Madoff zuständige Aufsichtsbehörde SEC um ihren Ruf. Sie war dem Betrüger trotz der Hinweise des Privatdetektivs Harry Markopolos erst auf die Schliche gekommen, als er sich selbst stellte. Zuletzt musste sich die SEC sogar von Madoff selbst verhöhnen lassen. „Ein paar Mal habe ich gedacht, sie haben mich“, sagte er kürzlich. Die Ermittler seien „Idioten“ gewesen.

Für altgediente New Yorker Banker ist das Scheitern der SEC keine Überraschung. „Madoff kann jederzeit wieder passieren“, sagt Joseph Perella, der Chef der Investmentbank Perella Weinberg. „Bei der SEC findet man einen Haufen Leute, die direkt von der Uni kommen und denen es einfach an Erfahrung fehlt.“

Die SEC versucht nun, Zähne zu zeigen. Durch verstärkte Ermittlungen konnte sie in jüngster Zeit eine Vielzahl kleiner und großer „Madoffs“ dingfest machen. Zudem kämpft die Behörde darum, dass Anlageberater demnächst per Gesetz bei Verlusten ihrer Kunden viel schneller schadenersatzpflichtig werden. Die Aufseher hoffen, dass Broker dann angesichts enormer Schadenersatzsummen, die in den USA an der Tagesordnung sind, viel vorsichtiger arbeiten. HB

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