Finanzdesaster : Bankenaufseher der Sachsen LB sieht sich von Vorstand belogen

Im Aufsichtsgremium der Sachsen LB sind schwere Vorwürfe laut geworden: Der Bankenvorstand habe Informationen "schlicht verweigert" und erst "nach massiven Kämpfen‘‘ nur zur Einsicht freigegeben.

DresdenBei der angeschlagenen Landesbank Sachsen LB soll es "gravierende Probleme mit der internen Informationspolitik" von Seiten des Vorstands gegenüber dem Aufsichtsgremium gegeben haben, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Mitglieder des 20-köpfigen Verwaltungsrates erklärten danach, ihnen seien absichtlich und bewusst brisante Informationen "schlicht verweigert" und Auskünfte, unter anderem über ein Gutachten der Finanzaufsicht Bafin, vorenthalten worden.

Auch Sachsens Finanzminister Horst Metz (CDU) steht wegen seiner Rolle als Chef des Verwaltungsrates der Sachsen LB in diesem Zusammenhang heftig in der Kritik. "Es ist eine billige Legende, wenn der Minister sich jetzt als von den Vorständen nicht ausreichend unterrichtet bezeichnet", kritisierte der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle.

Staatsanwaltschaft ermittelt

"Wenn diese Berichte zutreffen, dann wird Herr Metz noch ganz andere Probleme bekommen", sagte Nolle. "Hier wird wohl die Staatsanwaltschaft von Amts wegen gegen den Minister ermitteln müssen." Das Ministerium war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig prüft derzeit, ob sie wegen der Vorgänge bei der Sachsen LB tätig werden muss.

Die Bank war im Strudel der US-Hypothekenkrise unter anderem durch eine Dubliner Tochter in eine dramatische Schieflage geraten und am vergangenen Wochenende an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft worden. Die LBBW überwies kurzfristig 250 Millionen Euro zur Sicherung des Eigenkapitals der Sachsen LB. Der endgültige Kaufpreis, für den eine Untergrenze von 300 Millionen Euro vereinbart worden war, soll zum Ende des Jahres festgelegt werden. (imo/dpa)

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