Finanzen : Anleger-Fragean Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen der Berliner Sparkasse

Der Dollar hat gegenüber dem Euro weiter an Wert eingebüßt. Können europäische Anleger davon profitieren? Lohnt ein Einstieg in US-amerikanische Werte, obwohl der Dow Jones die 10 000-Punkte-Marke schon wieder überschritten hatte?

an Claus-Günther Richardt

Mit Blick auf den schwachen US-Dollar werden Investments im Dollarraum oder direkt in die Währung natürlich attraktiver. Seit Anfang März hat der Greenback rund 19 Prozent gegenüber dem Euro verloren. Momentan hat sich der Euro in einem Bereich zwischen 1,46 bis 1,50 Dollar eingependelt. Den Amerikanern selbst kommt das gar nicht ungelegen. Denn vor allem die Exportindustrie profitiert vom schwachen Dollar. Ihre Produkte erfahren dadurch an den Weltmärkten einen nicht zu unterschätzenden Preisvorteil und die Gewinne der Unternehmen steigen. Daher wird es im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld wohl allenfalls zu einer leichten und vorübergehenden Festigung des Dollar kommen. Auf Sicht der nächsten zwölf Monate sollte der Euro bei etwa 1,45 Dollar liegen.

Doch auch wenn die Gelegenheit günstig erscheint: Konservativen Kunden, die Wert auf die Sicherheit ihrer Anlagen legen, rate ich von Währungsinvestments ab oder empfehle lediglich eine geringe Beimischung ins Portfolio.

Für renditeorientierte Anleger, die Kursschwankungen in Kauf nehmen, stellt sich die Frage, mit welchem Investment man von der Schwäche des Greenback profitieren kann.

Bei längerem Anlagehorizont finde ich eine Investition in den US-Aktienmarkt überlegenswert. Denn ich glaube nicht, dass der zyklische Aufwärtstrend an den US-Börsen schon zu Ende ist. Getrieben von Liquidität und guten Konjunktur- und Quartalszahlen aus Europa haben die Aktienkurse an der Wall Street unlängst weiter deutlich zugelegt. Der Dow-Jones-Index kletterte auf ein neues 52-Wochen- Hoch. Nach dem sehr schnellen Kursanstieg seit März, der eine kräftige Erholung der Firmengewinne vorweggenommen hat, steigt aber die Gefahr von Rückschlägen. Ich schließe daher nicht aus, dass der Dow Jones wieder bis auf 9000 Punkte zurückgeht. Dafür spricht neben der noch immer unsicheren Wirtschaftsentwicklung und der hohen Aktienbewertungen auch die überkaufte Markttechnik.

Per Saldo bietet der US-Aktienmarkt interessante Perspektiven. Deshalb können schwächere Kurse für Käufe genutzt werden. Dabei sind allerdings wie bereits beschrieben exportorientierte Titel eindeutig zu bevorzugen. Für Privatanleger ist hierbei die Fondsanlage unter dem Aspekt der Risikostreuung die erste Wahl. Gute Fonds zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich über längere Zeiträume besser entwickeln als ihr Vergleichsindex.

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