Finanzen : Kreditkrise weitet sich aus - Analysten warnen

Die vom US-Hypothekenmarkt ausgehende Kreditkrise ist nach Einschätzung der US-Investmentbank Merrill Lynch nicht überwunden. Im Gegenteil: Sie springt sogar auf andere Bereiche über.

ParisMerrill Lynchs neuer Konzernchef John Thain äußerte sich pessimistisch zur Entwicklung der Kreditkrise: "Ausgehend von den schlecht benoteten Immobiliendarlehen hat sie sich auf die Autokredite, die Gemeindekredite und ganz allgemein den Markt für Handelskredite ausgebreitet." Immer mehr Darlehen würden in den USA nicht bedient. Die Folge sei eine "sehr ausgeprägte Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit".

Als Ursache der Kreditkrise nannte Thain eine "Liquiditätsblase", weil eine lange Phase niedriger Zinsen zur exzessiven Kreditvergabe verleitet habe. "Alle sind dafür mitverantwortlich: die Anbieter von Immobilienkrediten, die Institutionen, die diese Kredite an andere weiterverkauft haben, die Benotungsagenturen, die sie bewertet haben, und die Investoren, die sie gekauft haben."

Vor seinem Wechsel zu Merrill Lynch vor drei Monaten hatte Thain als Chef der New Yorker Börse NYSE die Fusion mit der europäischen Börsengesellschaft Euronext betrieben. Merrill Lynch hat wegen der Kreditkrise 11,5 Milliarden Dollar abgeschrieben und 8,6 Milliarden Dollar Verlust ausgewiesen. Zudem nahm die Bank 12,8 Milliarden Dollar auf, unter anderem bei Singapur, Kuwait und Südkorea. Die staatlichen Investoren säßen nicht in der Konzernführung und hätten nicht mehr als zehn Prozent der Anteile, versicherte Thain. Weitere Kapitalaufnahmen seien nicht nötig. (feh/dpa)

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