Finanzkrise : Ärger über Boni für Banker

Millionen an Bonuszahlungen für Banker beschäftigen weiter die Gemüter. Aktueller Auslöser sind die Investmentbanker der Dresdner Kleinwort, die insgesamt 400 Millionen Euro an Boni für 2008 fordern.

Alfons Frese,Stefan Kaiser
Dresdner_Bank Foto: ddp
Die Commerzbank will nach der Übernahme der Dresdner Bank deren Zentrale offenbar verkaufen. -Foto: ddp

Berlin - Die Dresdner Kleinwort gehörte als Teil der Dresdner Bank zum Allianz-Konzern. Zu Jahresbeginn hatte die Commerzbank die Dresdner Bank übernommen und – auch wegen der Belastungen aus der Übernahme – Milliardenhilfe vom Staat in Anspruch nehmen müssen. Der Bund ist inzwischen mit 25 Prozent plus einer Aktie Anteilseigner bei der Commerzbank. Deren Vorstandschef Martin Blessing, der wegen der öffentlichen Hilfen nur noch ein Jahresgehalt von 500 000 Euro bekommt, hat sich häufiger kritisch über millionenschwere Bonuszahlungen geäußert. Womöglich muss er aber zahlen, weil die Investmentbanker darauf einen Rechtsanspruch haben.

Commerzbank-Sprecher Reiner Roßmann sagte am Mittwoch auf Anfrage, die Problematik werde geprüft, es handle sich aber um eine „ganz komplexe Situation“. Es habe mit den Bankern Vereinbarungen über Ziele gegeben. Falls diese erreicht worden seien, ergäbe sich daraus auch ein Anspruch auf eine Bonuszahlung. Unterschieden werden muss dabei etwa zwischen Bankern, die neu eingestellt wurden und im ersten Jahr einen Garantiebonus bekommen, und den Altbeschäftigten, deren Bonus allein vom persönlichen Erfolg und vom Erfolg der Bank insgesamt abhängt. Investmentbanker haben mit einer Klage gedroht, falls sie die Boni nicht bekommen.

Aktionärsschützer zeigten sich empört. „Es kann nicht sein, dass sie in einer solchen Situation auf ihren Boni bestehen“, sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Das Investmentbanking der Dresdner Bank hat seit Beginn der Finanzkrise mehrere Milliarden Euro Verlust eingefahren.

Boni sind bei Banken traditionell Teil der Bezahlung. Vor allem die erfolgsverwöhnten Investmentbanker hatten in den vergangenen Jahren große Teile ihres Gehalt über sogenannte variable Bestandteile bezogen – Zahlungen, die zum Beispiel von der Entwicklung des Aktienkurses, dem Gewinn der Bank oder der eigenen Leistung abhängen. Insgesamt müssen die Investmentbanker nun wegen der Finanzkrise mit deutlich geringenen Boni rechnen. Gänzlich gestrichen werden sie aber selten. Bei der Deutschen Bank werden die Bonuszahlungen für 2008 in diesen Tagen ausgezahlt. Konzernchef Josef Ackermann deutete in der vergangenen Woche an, dass es deutlich weniger Geld gebe. Ackermann selbst verzichtet für 2008 auf seine Boni und bezieht lediglich sein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro.

In den USA sorgen unterdessen Milliardenzahlungen an führende Mitglieder der Investmentbank Merrill Lynch für Empörung. Nach Angaben des Justizministers des US-Staates New York und dortigen Staatsanwaltschaft gab es für die Banker im vergangenen September, kurz vor der Übernahme durch die Bank of America, noch 3,6 Milliarden Dollar – mehr oder weniger heimlich. Nach Angaben des Justizministers seien niemals zuvor Prämien oder Boni vor dem vierten Quartal ausgezahlt worden. Da diese Zahlungen nach dem Notverkauf der Pleitebank an die Bank of America kaum noch möglich gewesen wären, hätten das die Verantwortlichen von Merrill Lynch einfach vorgezogen. Am Mittwoch mussten im US-Repräsentantenhaus die Chefs der größten US-Banken die Verwendung staatlicher Rettungsgelder rechtfertigen. Die Mittel seien durchaus zur Kreditvergabe eingesetzt worden, erklärten die Manager. Die Abgeordneten ließen die Banker den Volkzorn spüren. Sie sollten endlich mit dem Staat kooperieren, anstatt nur widerwillig das Minimum zu tun, hieß es.

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