Finanzkrise : Banken haben vele Milliarden verbrannt

Ein Ränking der DSW zeigt, wo die Aktionäre das meiste Geld verloren haben: Banken gehören zu den größten Geldvernichtern. Das sei typisch für die Finanzmarktkrise.

BerlinUnternehmen aus fast allen Branchen finden sich in diesem Jahr auf der „Watchlist 2009“, der Liste der 50 größten Kapitalvernichter, die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Das Ranking zeigt, wo Aktionäre am meisten Geld verloren haben. Mit der IKB, der Hypo Real Estate, der Aareal Bank und der Commerzbank sind nach der Studie vier Banken unter den größten Wertvernichtern. Damit seien erstmals seit 2004 Banken wieder groß in der Liste vertreten, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Das sei typisch für die Finanzmarktkrise.

Erstmals seit vielen Jahren sind außerdem zwei Dax-Werte dabei: Infineon landete auf Platz 9 und die Commerzbank auf Platz 48. Weitere bekannte Namen sind der Spielzeughersteller Zapf, der Erotik-Konzern Beate Uhse, das Medienunternehmen ProSiebenSat1 oder die Musikfirma 313 Music JWP, früher Jack White Productions.

„Gerade in diesem Jahr zeigt unsere Watchlist, dass die Risiken am deutschen Aktienmarkt massiv gestiegen sind“, sagt Hocker. So negativ sei das Fazit der Untersuchung schon seit Jahren nicht mehr gewesen. Insgesamt haben mehr als drei Viertel der untersuchten Unternehmen Wert vernichtet. So schlecht fiel die Gesamtbilanz zuletzt 2003 aus. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 30,2 Prozent.

Den ersten Platz des Rankings belegt das Technologieunternehmen Tria IT aus München. Schon vor zwei Jahren führte das Unternehmen die Negativ- Liste der DSW an. „Gelernt hat das Management seitdem wohl nichts“, sagt Hocker. Das bekommen vor allem die Aktionäre zu spüren: Wer vor fünf Jahren Aktien im Wert von 10 000 Euro gekauft hat, dem bleibt heute nur noch ein Kapital von 80,28 Euro. Das Internet-Reiseportal Travel24.com schneidet auf dem zweiten Platz kaum besser ab. „Seit dem Börsengang wurde das Kapital der Aktionäre fast vollständig vernichtet, das Unternehmen schrieb beständig Verluste“, kritisiert Hocker.

Seit den 90er Jahren veröffentlicht die DSW die Liste der 50 größten Kapitalvernichter. Analysiert werden alle Firmen, die im streng regulierten Börsensegment Prime Standard seit mindestens fünf Jahren gelistet sind. In diesem Jahr waren das insgesamt 297 Unternehmen. Firmen, die lediglich im unteren Segment, dem General Standard oder im Freiverkehr des Entry Standard aktiv sind, werden nicht in die Untersuchung einbezogen. „Diese Firmen erfüllen die erhöhten Transparenzanforderungen nicht und sind damit gerade für Privatanleger nicht geeignet“, sagt Hocker.

Über die Aufnahme in die Liste entscheidet die Kursperformance der Aktien über ein, drei und über fünf Jahre. Dividenden und andere Sonderzahlungen werden nicht berücksichtigt. Nach einem festgelegten System gibt es Punkte für Kursgewinne oder -verluste. Längere Zeiträume werden dabei höher gewichtet, so dass Unternehmen einen einmaligen Ausrutscher bei ansonsten intaktem Geschäftsmodell ausgleichen können. Die Gesamtpunktzahl entscheidet dann über den Listenplatz. Im schlimmsten Fall kann ein Unternehmen bis zu 1000 Minuspunkte erreichen. emw

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