Finanzkrise : Banken nutzen Hilfe des Staates

Die ersten deutschen Banken wollen von staatlichen Bürgschaften Gebrauch machen und Anleihen mit Ausfallgarantien auflegen. Wie am Dienstag aus Finanzkreisen verlautete, planen sowohl die Commerzbank als auch die Landesbanken HSH Nordbank und BayernLB solche Anleihen.

Stefan Kaiser
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Es klemmt. Die Commerzbank braucht offenbar neue Hilfen für die Übernahme der Dresdner Bank. Foto: ddp

BerlinKeines der Institute wollte dies jedoch offiziell bestätigen. Eine Sprecherin der Commerzbank betonte, es sei noch nicht entschieden, ob, wann und in welchem Volumen eine Anleihe emittiert werde. International hinkt Deutschland hinterher. In anderen Ländern wurden seit Oktober bereits Anleihen mit Staatsgarantien über umgerechnet180 Milliarden Euro ausgegeben.

Mit der Ausgabe der Wertpapiere wollen sich die angeschlagenen Banken frisches Geld bei Anlegern beschaffen. Diese Methode ist bei großen Unternehmen durchaus üblich, war den Banken wegen der schwierigen Situation auf den Finanzmärkten aber seit Monaten unmöglich. Investoren wollten den Banken entweder gar kein Geld leihen oder verlangten sehr hohe Risikoaufschläge bei den Zinsen. Der Rettungsfonds der Bundesregierung (Soffin) gewährt den Instituten deshalb Garantien, um Anleihen abzusichern. Insgesamt stehen dafür 400 Milliarden Euro bereit. 15 deutsche Banken sollen bereits Hilfe beantragt haben, darunter sind neben Commerzbank HSH Nordbank und BayernLB auch die Hypo Real Estate und die VW-Bank.

Spannend dürfte vor allem sein, zu welchen Konditionen die Anleihen platziert werden können. Sollte der Zinssatz deutlich über dem von Bundesanleihen liegen, sehen Experten auch gute Chancen für Privatanleger: "Anleihen sind ohnehin relativ sichere Produkte", sagt Peter Lischke, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Berlin. Nur wenn ein Unternehmen pleitegehe, drohe ein Ausfall des Papiers. Mit der Staatsgarantie werde nun auch dieses Risiko minimiert. Lischke rät Privatanlegern jedoch, genau auf Verzinsung und Laufzeit zu schauen.

Mit dem Geld sollen Löcher gestopft werden

Die Bayern LB will mit der Anleihe Finanzkreisen zufolge bis zu drei Milliarden Euro einnehmen. Wann das Papier auf den Markt kommen soll, sei noch offen, hieß es. Die HSH Nordbank plant bereits für die nächste Woche eine Anleihe über mindestens eine Milliarde Euro. Ursprünglich hatte sie einen solchen Schritt schon im Dezember geplant, ihn aber angesichts der verschärften Finanzkrise auf Anfang 2009 verschoben. In der Branche hofft man nun, dass die Commerzbank noch vor den Landesbanken mit einer Anleihe auf den Markt kommt. "Wenn ein großes Institut vorprescht, ist das sicher gut", heißt es in Finanzkreisen.

Die Commerzbank kann bisher auf Staatsgarantien von insgesamt 15 Milliarden Euro zurückgreifen. Die geplante Anleihe soll nach Angaben der "Financial Times Deutschland" ein Volumen von ein bis zwei Milliarden Euro haben. Mit dem frischen Geld sollen offenbar neue Löcher gestopft werden, die bei der Dresdner Bank aufgetaucht sind. Die Commerzbank will die Dresdner noch im Januar komplett von der Allianz übernehmen. Die Dresdner ist jedoch in einem schlechten Zustand und schreibt seit Jahren Verluste. Analysten erwarten, dass sich die Lage in den vergangenen Monaten noch einmal verschärft hat. Deshalb verhandelt die künftige Muttergesellschaft Commerzbank bereits mit dem Alteigentümer Allianz und dem Rettungsfonds Soffin über Hilfen für die Dresdner Bank. Nach Angaben aus Finanzkreisen geht es dabei sowohl um die Übernahme von riskanten Wertpapieren als auch um Kapitalhilfen. Die Commerzbank hatte neben den staatlichen Garantien bereits 8,2 Milliarden Euro frisches Kapital vom Soffin erhalten. "Diese Hilfen könnten nun für die Zeit nach dem Dresdner-Kauf nicht mehr ausreichen", sagte ein Insider der Agentur Reuters.

Eine Sprecherin des Soffin wollte sich nicht zu möglichen Verhandlungen mit Commerzbank und Dresdner Bank äußern. Auch die Banken gaben keinen Kommentar ab. Eine Commerzbank-Sprecherin versicherte jedoch, die Übernahme werde wie geplant im Januar abgeschlossen. An der Börse gehörten die Aktien von Allianz und Commerzbank mit Verlusten von 4,9 beziehungsweise 2,4 Prozent am Dienstag zu den Verlierern.

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