Finanzkrise : Bankenverband hilft Düsseldorfer Hyp

Im Zuge der Finanzkrise ist erneut eine deutsche Bank in Schwierigkeiten geraten - die auf Pfandbriefe spezialisierte Düsseldorfer Hypothekenbank. Eine "Schieflage" streitet die Bank aber energisch ab.

Düsseldorf/BerlinDas übernommene Institut sei nicht in Insolvenzgefahr und voll geschäftsfähig. "Es gibt keine Schieflage", sagte der Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Heiner Herkenhoff, am Dienstag in Berlin. Die Düsseldorfer Hyp hatte auch wegen der weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten einen heftigen Gewinneinbruch erlitten. Hinter dem ungewöhnlichen Schritt des Verbands, ein Institut zu übernehmen, steckt die Absicht, den guten Ruf des deutschen Markts für Pfandbriefe zu schützen.

Die Bank sei vorübergehend vom Verband übernommen worden, um im sensiblen Geschäft mit Pfandbriefen ein Signal zu setzen, "dass alles stabil ist", sagte Herkenhoff. Es habe verhindert werden sollen, dass deutsche Pfandbriefe ins Gerede kommen. Die seit über 100 Jahren gehandelten Papiere gelten auch international als sichere Anlage mit einer sehr geringen Ausfallwahrscheinlichkeit. Der Bankenverband erklärte, dass jetzt nach Käufern für die Düsseldorfer Hyp gesucht werde. Die Kunden müssten sich keine Sorgen machen. Die Bedienung und Einlösung der Pfandbriefe sei sichergestellt.

Hampel: "Wir haben keine Liquiditätsprobleme"

Vor rund zwei Wochen hatte die Finanzaufsicht Bafin die viel kleinere Weserbank in Bremerhaven geschlossen. Die Weserbank war jedoch wegen Überschuldung dichtgemacht worden. Das Vorstandsmitglied der Düsseldorfer Hyp, Wolfgang Hampel, sagte laut "Financial Times Deutschland": "Wir haben keine Liquiditätsprobleme und schreiben in den ersten Monaten dieses Jahres auch weiter schwarze Zahlen."

Zu den Kunden der Düsseldorfer Hyp, die eine Bilanzsumme von rund 27 Milliarden Euro hat, zählen Staaten, Kommunen und öffentlich-rechtliche Banken. Die bisherigen Eigentümer, die Unternehmerfamilie Schuppli, hatten eingewilligt, das Institut auf den Einlagensicherungsfonds des BdB zu übertragen. Die Schuppli-Gruppe hatte erst im Februar das Eigenkapital der Bank um 100 Millionen Euro erhöht und weitere 50 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Die weltweite Finanzmarktkrise war durch Spekulationen mit zweitklassigen US-Immobilienkrediten ("Subprime") ausgelöst worden. Die Düsseldorfer Hyp hatte in der Vorwoche mitgeteilt, dass sie "weder direkt noch indirekt in den amerikanischen Subprime-Märkten investiert" sei. Die Bank habe sich dennoch den Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht entziehen können. Der Jahresüberschuss der Bank war 2007 auf nur noch 100.000 Euro eingebrochen. 2006 lag er noch bei rund 22 Millionen Euro.

Bafin: Übernahme durch den Einlagensicherungsfonds kein Novum

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die Bundesbank und das Bundesfinanzministerium waren über die Transaktion bei der Düsseldorfer Hyp informiert. Ein Bafin-Sprecher sagte am Dienstag, auf die Lösung habe die Behörde aber keinen Einfluss gehabt. Die Übernahme einer Bank durch den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken, so der Sprecher weiter, sei zwar kein normaler Fall, aber auch kein Novum in der Branche. Vor einigen Jahren war bei der Nürnberger Schmidt-Bank auch mit Hilfe des Einlagensicherungsfonds der Privatbanken ein Rettungspaket organisiert worden.

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) begrüßt die Übernahme der Düsseldorfer Hypothekenbank. "Dieses umsichtige Vorgehen aller Beteiligten unterstreicht die große Bedeutung des Pfandbriefs für den Finanzplatz Deutschland", sagte Hauptgeschäftsführer Louis Hagen. Durch das Pfandbriefgesetz sei die hohe Qualität des Pfandbriefs auch in unsicheren Zeiten am Kapitalmarkt geschützt. (imo/dpa)

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