Finanzkrise : Bankenverband will eigene zentrale "Bad Bank"

In der Diskussion um Wege aus der Finanzkrise haben die deutschen Privatbanken der Bundesregierung die Einrichtung einer zentralen Sammelstelle für faule Wertpapiere vorgeschlagen. Von der Politik wird die Idee offenbar mit großem Interesse aufgenommen.

MünchenEin sogenannter "Mobilisierungsfonds" solle beim Bankenrettungsfonds Soffin eingerichtet werden und den Banken die risikoreichen Papiere abnehmen, wie aus einem inoffiziellen Arbeitspapier des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) hervorgeht. Der Vorschlag zur Schaffung des Fonds kommt im Kern der Errichtung einer "Bad Bank" gleich, die in den vergangenen Wochen viel diskutiert wurde.

Das Konzept des BdB sieht demnach vor, dass bei dem Mobilisierungsfonds für jedes Geldhaus ein eigenes Konto eingerichtet wird. Dadurch sollen die Papiere jederzeit einer bestimmten Bank zugeordnet werden können. Die Kreditinstitute können der Bad Bank dem Konzept zufolge ihre Problempapiere zu dem Wert verkaufen, den sie zum 31. Dezember 2008 hatten. Als spätester Zeitpunkt für die Ablieferung ist demnach der 30. Juni 2009 vorgesehen. Einen Teil der Geldanlagen sollten die Banken jedoch selbst behalten, um sie dazu zu bewegen, "potenzielle Verluste zu minimieren", heißt es in dem Konzept.

BdB: Nur eine Ideenskizze

Mit seinem Vorschlag kommt der BdB der Position von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) entgegen. Steinbrück hatte sich in den vergangenen Wochen gegen die Einrichtung einer zentralen staatlichen Bad Bank ausgesprochen und stattdessen die Schaffung vieler einzelner Sammelstellen bei den Instituten angeregt, die von der Finanzkrise gebeutelt werden. In der Bundestagsfraktion der Union stößt das Konzept des Bankenverbands der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag zufolge auf großes Interesse.

Für den BdB stellt das Arbeitspapier eine Grundlage für Gespräche mit der Bundesregierung dar. "Wir betrachten das Papier als eine Ideenskizze, es ist nicht alles in Stein gemeißelt", sagte ein BdB-Sprecher.

Über die Schaffung von einer oder mehreren Bad Banks als ein möglicher Weg aus der Finanzkrise wird seit Wochen diskutiert. Durch die Einrichtung solcher Sammelstellen für faule Wertpapiere könnten die Bilanzen der Banken entlastet werden. Derzeit sorgen die Papiere von Quartal zu Quartal immer wieder für Abschreibungen - teils in Milliardenhöhe. Die internationalen Bilanzregeln zwingen die Banken dazu, die Papiere in ihren vierteljährlichen Berichten nach ihrem jeweiligen Zeitwert auszuweisen. Wegen der Finanzkrise haben die Papiere ihren Wert praktisch komplett verloren. (imo/AFP)

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