Finanzkrise : Bausparen erlebt einen Boom

Was früher als verzopft und altmodisch galt, erlebt in der Finanzkrise eine Renaissance: das Bausparen. 1,5 Millionen neue Verträge etwa schlossen die Deutschen 2008 bei den zehn Landesbausparkassen ab – das war ein Plus von mehr als 12 Prozent.

Veronika Csizi
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Solide Anlage. Statt in riskante Finanzpapiere kann man sein Geld auch in ein eigenes Heim stecken. -Foto: dpa

 Auch die 15 privaten Bausparkassen haben ihr Neugeschäft 2008 deutlich gesteigert. Gerade in wirtschaftlich labilen Zeiten wird das Bausparen attraktiv: Rund 30 Millionen Verträge liegen in den Schubladen der Deutschen, Tendenz steigend.

Hauptargument für die meisten Bausparer dürfte der Sicherheitsaspekt sein: Schon bei Vertragsabschluss weiß der Bankkunde, welchen Zins er für sein späteres Darlehen zahlen wird und welche monatliche Belastung er in der Rückzahlungsphase schultern muss. Vielen Menschen gilt dies vor allem seit Beginn der Finanzkrise als Vorteil, denn die steigende Verschuldung könnte die Inflation und damit die Zinsen bald wieder deutlich steigen lassen.

Dafür muss sich der Bausparer in der Sparphase, also meist sieben Jahre lang, mit sehr mickrigen Zinsen von einem Prozent zufrieden geben. Doch das derzeit niedrige Zinsniveau wiegt diesen Nachteil in den Augen der meisten Kunden auf. Als attraktiv gilt vielen Bausparern zudem, dass die Kassen die Gelder der Kunden laut Gesetz nur in Bundeswertpapiere oder Länderanleihen und Pfandbriefe anlegen dürfen. „Das Sicherheitsbewusstsein der Menschen ist deutlich gestiegen, sie legen Wert auf 100-prozentig sichere Geldanlagen mit bestem Rating“, sagt Siegfried Bauer, Sprecher von Schwäbisch Hall. Der Baufinanzierer verzeichnete 2008 das erfolgreichste Jahr seiner Unternehmensgeschichte.

BAUSPAREN LOHNT SICH NICHT IMMER

Doch nicht für jeden zahlt sich das Bausparen aus. Zwar sei ein Bausparvertrag in diesen Zeiten „gar nicht so schlecht“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Allerdings gelte dies nicht grundsätzlich: Studien zufolge plant nahezu die Hälfte der Bausparer keine spätere Anschaffung einer Immobilie, sondern steigt nach wenigen Jahren wieder aus dem Vertrag aus. „In den meisten Fällen war der Bauvertrag dann sicherlich die falsche Entscheidung“, sagt Herbst. Denn wer einen Vertrag abschließt, muss zunächst eine Abschlussgebühr in Höhe von 1,0 bis 1,6 Prozent der Vertragssumme zahlen.

So geht das Konto bei einer Bausparsumme von 30 000 Euro erst einmal mindestens 300 Euro ins Minus. Das drückt die Rendite. So rechnet beispielsweise Wüstenrot vor: Wer ab 1. Mai jeden Monat 200 Euro auf einen Bausparvertrag in Höhe von 33 600 Euro eine Rate von 200 Euro einzahlt, kommt nach sieben Jahren bei einem Prozent Verzinsung auf ein Guthaben von 16 970 Euro, wovon jedoch nur 170 Euro Zinsen sind. 360 Euro wurden gleich zu Beginn als Gebühren abgezogen. Mit einem normalen siebenjährigen Banksparplan, der gegenwärtig bei den besten Anbietern (zum Beispiel dem ADAC Zielsparen oder dem Vorsorgesparen der Berliner Sparkasse) zwischen 3,0 und 3,5 Prozent abwirft, wären maximal 19 025 Euro erreichbar, wobei der Zinsgewinn 2225 Euro beträgt. Damit stünde mehr Eigenkapital zur Verfügung, so dass beim Bauen der Kreditbedarf niedriger wäre. Damit könnten die Zinsen eines normalen Hypothekendarlehens höher liegen, ohne die monatliche Belastung unter dem Strich zu steigern, betonen Verbraucherschützer. Und: Seit diesem Jahr obliegen auch die Zinsen aus Bausparverträgen der Abgeltungssteuer.

Viele Bausparkassen haben mittlerweile ein Bonussystem eingeführt: Wer auf ein Bau-Darlehen verzichtet und nur zur Vorsorge spart, erhält häufig rückwirkend einen höheren Zins. Im Beispiel von Wüstenrot wären es 17 571 Euro, da der Zins auf zwei Prozent klettert. Andere Tarife und andere Bausparkassen bieten noch höhere Boni, zwischen 3,5 und gut vier Prozent darf der Kunde da erwarten, etwa bei der Debeka oder der Quelle-Bausparkasse. Beide fallen dafür bei den Darlehensbedingungen zurück. Und: Die Boni fließen nur, wenn der Vertrag bis zum Ende durchgehalten wird.

SONDERPRÄMIE FÜR JUNGE SPARER

Zudem schmälert auch die Abschlussgebühr die Rendite, denn bei einem normalen Banksparplan fällt keine Gebühr an. „Wer schon bei Vertragsbeginn weiß, dass er nicht bauen oder kaufen will“, räumt auch Schwäbisch-Hall-Sprecher Bauer ein, „ist bei einer Bausparkasse meist nicht optimal aufgehoben.“

Mit einer Ausnahme: Ist der Bausparer zwischen 16 und 25 Jahre alt und verdient er bis 25 600 Euro brutto, dann schießt der Staat maximal 45,06 Euro Wohnungsbauprämie pro Jahr zu – und zwar auch dann, wenn der Bausparvertrag nicht zum Bau oder Kauf einer Immobilie genutzt wird. „Wer nicht bauen will, den Zinsbonus und die staatliche Prämie erhält, kommt auf eine Jahresrendite von bis zu fünf Prozent“, rechnet Herbst vor. Dies sei „ein gutes Ergebnis in diesen zinsschwachen Zeiten.“ Ab 16 kann auch die staatliche Prämie schon fließen – und zwar unabhängig vom Einkommen der Eltern. Bausparer über 25 erhalten den staatlichen Zuschuss seit Jahresbeginn jedoch nur, wenn sie tatsächlich bauen.

Auch ältere Sparer können allerdings seit 2008 „Wohn-Riester“ beziehen: Die staatliche Riester-Vorsorge darf seitdem auch in Bausparverträge fließen und damit sowohl in der Spar- als auch in der Tilgungsphase die Belastung senken.

HOHE RENDITE ODER NIEDRIGE ZINSLAST

In einer Grundsatzfrage sollten sich Bausparer vorab entscheiden: Ist mir eine gute Rendite in der Sparphase wichtiger oder sichere, niedrige Zinsen in der Zeit der Rückzahlung? Hier gilt die Regel: Je niedriger der Kreditzins, desto länger muss der Bausparer meist auf die Zuteilung warten und desto schneller muss er das Darlehen tilgen, was die monatliche Belastung in die Höhe treibt. Schnäppchenangebote mit einem (nominalen!) Kreditzins von 1,9 Prozent verlangen so häufig eine Rückzahlung binnen fünf bis sieben Jahren. So zahlt der Kunde bei den Landesbausparkassen gerade mal 2,28 Prozent effektiv für sein Darlehen, wenn er binnen sechs Jahren und neun Monaten komplett tilgt. Will er sich zehn Jahre Zeit lassen, kostet dies 4,04 Prozent.

Insgesamt, sagt Bauer, eignen sich Bausparverträge daher am besten als Finanzierungsbaustein oder als Polster für spätere Renovierungen. Die LBS etwa stellen folgende „goldene Finanzierungsregel“ auf: Beim Immobilienerwerb sollten jeweils 20 bis 30 Prozent aus dem Eigenkapital und aus Bausparverträgen stammen, 50 bis 60 Prozent jedoch aus einer normalen Bank-Hypothek.

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