Finanzkrise : Commerzbank gibt Garantien zurück

Die teilverstaatlichte Commerzbank will die Staatshilfe schneller als erwartet zurückzahlen. Analysten erwarten allerdings für das Gesamtjahr ein Minus von rund vier Milliarden Euro.

Rolf Obertreis
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Warnzeichen. Die Bank fürchtet massive Kreditausfälle in der zweiten Jahreshälfte. Foto: dpadpa

Frankfurt am Main - Die Commerzbank steckt nach wie vor tief in den roten Zahlen und wird wahrscheinlich auch im gesamten Geschäftsjahr 2009 keinen Gewinn erwirtschaften. Bei der Vorlage des Halbjahresberichts wagten weder Vorstandschef Martin Blessing noch Finanzvorstand Eric Strutz eine konkrete Prognose. Die Bank sei zwar auf dem richtigen Weg, das Jahr bleibe aber angesichts des schwierigen Umfeldes herausfordernd. So fürchtet Blessing für das zweite Halbjahr den massiven Ausfall von Krediten, wenn Kunden ihre Darlehen wegen der Wirtschaftskrise nicht mehr zurückzahlen können. „Wir gehen davon aus, dass die Kreditnachfrage im zweiten Halbjahr konjunkturell bedingt sinken wird.“ Für faule Kredite legte die zweitgrößte deutsche Bank daher fast eine Milliarde Euro zurück.

Positiv wurde an der Börse aufgenommen, dass die teilverstaatlichte Commerzbank schneller als gedacht, Staatshilfe zurückzahlen will. Die Commerzbank-Aktie stieg um bis zu 5,3 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Institut sechs Milliarden Euro Verlust verbucht und musste mit Garantien und Staatshilfe in Höhe von 18,2 Milliarden Euro gestützt werden. Als Auflage muss sich die Commerzbank unter anderem von ihrer Immobilientochter Eurohypo trennen.

Im zweiten Quartal konnte das nach der Übernahme der Dresdner Bank neu formierte Institut das Minus zwar verringern. Im Halbjahr bleibt aber noch ein hoher Nachsteuerverlust von 1,65 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten erwarten für das Gesamtjahr ein Minus von rund vier Milliarden Euro.

Damit dürfte die Commerzbank auch keine Zinsen auf die Einlage des Bundes an den Finanzminister überweisen. Eigentlich sind dafür pro Jahr 1,5 Milliarden Euro fällig. Aufgrund der Auflagen der EU darf sie das Geld nicht aus den Rücklagen nehmen. Immerhin aber gibt die Commerzbank fünf Milliarden der insgesamt 15 Milliarden Euro Garantien zurück, die der Bund der Bank für Anleihen gewährt. Dies spart dem Institut pro Jahr Gebühren in Höhe von rund 5,3 Millionen Euro.

Insgesamt liefen im ersten Halbjahr nur die Geschäfte mit dem Mittelstand und mit Privatkunden rentabel. Die Mittelstandsbank konnte den Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr leicht von 449 auf 456 Millionen Euro steigern, im Privatkundengeschäft gab es allerdings einen herben Einbruch von 270 auf nur noch vier Millionen Euro. Nach wie vor sitzt die Commerzbank auf kritischen Wertpapieren aus Verbriefungsaktionen im Volumen von 26 Milliarden Euro. Allerdings werden sie sukzessive abgebaut. „Wir sind auf dem richtigen Weg, unsere Maßnahmen greifen“, sagt Strutz.

Trotz der Probleme steht die Bank nach den Worten von Strutz aber zu ihren Firmenkunden. Seit Jahresanfang habe man mehr als drei Milliarden Euro an neuen Investitionskrediten bereitgestellt. Insgesamt wurde die Rekordsumme von 134 Milliarden Euro ausgereicht. Mit der Integration der Dresdner Bank kommt die Commerzbank laut Strutz voran. 1800 Stellen seien abgebaut. Insgesamt sollen 9000 Stellen gestrichen werden, 6500 davon in Deutschland. Rolf Obertreis

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