Finanzkrise : Der Nächste, bitte!

Auch der Immobilienfinanzierer Aareal will Geld vom Staat. Dabei schreibt das Institut schwarze Zahlen.

Frank Drost[Robert Landgraf],Yasmin Osman
Aareal
Die Aareal gehört zu den führenden internationalen Immobilienbanken. -Foto: ddp

Frankfurt am Main - Mit dem Immobilienfinanzierer Aareal Bank schlüpft ein weiteres deutsches Kreditinstitut unter den Banken-Rettungsschirm der Bundesregierung. Als zweiter Finanzdienstleister neben der Commerzbank erhalten die Wiesbadener vom Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) eine Eigenkapitalspritze über 525 Millionen Euro in Form einer unbefristeten stillen Beteiligung, die mit neun Prozent verzinst werden muss. Stille Einlagen gewähren dem Staat kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Außerdem garantiert der Rettungsfonds Aareal-Anleihen von bis zu vier Milliarden Euro. Die Bank schreibt schwarze Zahlen und betonte am Sonntag ausdrücklich, dass sie nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt.

Die Aareal Bank sah sich zu dem Schritt gezwungen, weil Investoren höhere Ansprüche an die Kapitalausstattung von Banken stellen. In Branchenkreisen gilt eine Eigenkapitalquote von mindestens zehn Prozent als notwendig. Von der Finanzaufsicht ist hingegen nur vorgeschrieben, dass Fremdkapital mit vier Prozent Eigenkapital unterlegt werden muss. Die Anforderungen der Anleger könne die Bank mit marktwirtschaftlichen Mitteln nicht erfüllen, „weil Eigenkapital für Banken auf dem freien Markt derzeit nicht zu vertretbaren Preisen verfügbar ist“, sagte Aareal-Chef Wolf Schumacher.

Er begründete die zusätzlichen Soffin-Garantien der Aareal für Bankanleihen neben der Eigenkapitalspritze mit der Flut staatlich garantierter Bankbonds der Konkurrenz. Deshalb werde es immer schwerer, „sich zu vertretbaren Konditionen zu refinanzieren“, sagte Schumacher. Im Jahr 2008 erzielte die Bank in jedem einzelnen Quartal einen Gewinn. Sie schloss das Jahr mit einem vorläufigen Vorsteuerergebnis von 117 Millionen Euro ab. Eine Prognose für 2009 wagte der Vorstandschef nicht. Schwerpunkt des Geschäfts der Aareal Bank sind Immobilienfinanzierungen im großen Stil, beispielsweise für Logistik, Shoppingcenter oder Hotels.

Neben Aareal stehen beim Bankenrettungsfonds Soffin weitere Banken vor der Tür, um die Hilfen in Anspruch zu nehmen. Neben Volkswagen Financial Services und der VW Bank kündigte die Düsseldorfer Hypothekenbank diesen Schritt an. Außerdem sollen kleinere Wertpapierhandelshäuser einen Antrag gestellt haben, berichten Finanzkreise. Die WestLB habe noch keinen Antrag gestellt, hieß es weiter. Bei der Landesbank waren Spekulationen über einen Antrag auf Anleihegarantien aufgekommen. Auch die Autobanken von Daimler, BMW und Opel sondieren die Lage.

Insgesamt nutzen sieben Institute das Angebot des Soffin (siehe Kasten). Am meisten Geld benötigt die schwer angeschlagene Hypo Real Estate (HRE), für die der Soffin Garantien über 52 Milliarden Euro bereitgestellt hat. In diesem Fall will der Bund eine Insolvenz mit befürchteten gravierenden Folgen für die ganze Branche verhindern und selbst viel Geld in die Hand nehmen, um die Eigenkapitalausstattung zu verbessern.

Am kommenden Mittwoch berät das Bundeskabinett über Änderungen im Soffin-Gesetz. Dabei bleibe eine Enteignung als letzte Möglichkeit auf dem Tisch, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Das bezieht sich vor allem auf den HRE-Großaktionär J.C. Flowers. Mit ihm verhandelt die Regierung derzeit über das weitere Vorgehen. Beim jüngsten Treffen seien keine Ergebnisse erzielt worden, berichten Finanzkreise.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Sonntag im ZDF, bei der HRE müsse der Bund mit einer Kontrollmehrheit Gestaltungskraft erlangen. „Außergewöhnliche Krisen erfordern außergewöhnliche Lösungen“, sagte Merkel. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nannte eine mögliche Enteignung bei der Münchner HRE „das letzte, das allerletzte Mittel. Es darf in Deutschland nicht einreißen, dass der Staat als Unternehmer oder Banker tätig wird“, sagte Seehofer in der ARD.

Ohne Eigenkapitalhilfen vom Soffin will die HSH Nordbank auskommen, die allerdings bereits Bürgschaften über 30 Milliarden Euro bekommen hat. Die Landesbank setzt auf eine Garantie ihrer Mehrheitseigner, der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg, für die gesamte Bilanzsumme. Die Garantie belaufe sich auf zehn Milliarden Euro für eine Bilanzsumme von 200 Milliarden Euro und ende spätestens nach fünf Jahren, hieß es in Verhandlungskreisen. HB

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