Finanzkrise : Druck auf Landesbanken wächst

Angeschlagene Institute sollen zusammengehen. Die Fusion von WestLB und Helaba steht vor dem Scheitern.

Stefan Kaiser
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Berlin - Angesichts der massiven Probleme durch die Finanzkrise wächst der Druck auf die deutschen Landesbanken, sich zusammenzuschließen. „Wir kommen um eine deutliche Reduktion der Landesbankenkapazitäten nicht herum“, sagte Sparkassenpräsident Heinrich Haasis am Donnerstag bei einer „Handelsblatt“-Branchentagung in Berlin. Haasis mahnte Banken und Landespolitiker zur Eile: „Wer zu spät handelt, handelt schlecht“, sagte er. Auch der badenwürttembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) dringt auf schnelles Handeln. „Ich glaube schon, dass im Laufe des Jahres über eine Fusion von weiteren Landesbanken beraten werden muss“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk.

Im Zuge der Finanzkrise waren die beiden Landesbanken SachsenLB und WestLB in existenzielle Krisen geraten. Beide mussten durch das Eingreifen der Länder gerettet werden. Die SachsenLB wurde zudem von der Landesbank Baden-Württemberg übernommen. Die WestLB wollte sich mit der Landesbank-Hessen-Thüringen (Helaba) zusammentun. Allerdings sind die Chancen offenbar stark gesunken. Es scheine sich die Tendenz abzuzeichnen, dass die regionalen Sparkassen als Mehrheitseigentümer der Helaba nicht in konkrete Fusionsgespräche mit den WestLB-Eigentümern einsteigen würden, sagte der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) am Donnerstag in Berlin.

Durch Fusionen und Übernahmen hat sich die Zahl der Landesbanken in den vergangenen Jahren bereits deutlich reduziert. Mittlerweile gibt es noch sieben unabhängige Blöcke (siehe Grafik). Experten mahnen schon seit langem weitere Fusionen an. Durch die Probleme der Finanzkrise hat sich der Druck nun noch einmal verschärft. Denn nicht nur WestLB und SachsenLB, auch andere Landesbanken wie BayernLB, LBBW und Landesbank Berlin (LBB) wurden von den Turbulenzen an den Finanzmärkten empfindlich getroffen.

Baden-WürttembergsMinisterpräsident Oettinger geht davon aus, dass es in zwei Jahren nur noch zwei bis drei Landesbanken geben wird. Die LBBW sei nach dem Kauf der SachsenLB zu weiteren Fusionen bereit, auch für Gespräche mit der BayernLB sei sie offen, sagte Oettinger. Sparkassenpräsident Haasis forderte alle Bundesländer auf, den Fusionsbestrebungen der Landesbanken keine Steine in den Weg zu legen. Politische Interessen müssten hinter betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten zurücktreten, forderte Haasis. Stattdessen solle man „gemeinsam ein großes Unternehmen für den Standort Deutschland schaffen“. In der Vergangenheit waren einige Fusionsvorhaben am Widerstand der Länder gescheitert.

Die Sparkassen sieht Haasis durch die Finanzkrise nicht bedroht. Keine der 447 deutschen Sparkassen sei in existenzielle Probleme geraten, betonte Haasis.

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