Finanzkrise : "Es ist keine Versicherungskrise"

Der Einbruch an den Aktienmärkten hat auch in den Portfolios der Assekuranz zu Abschreibungen geführt, die sinkenden Zinsen machen es den Unternehmen schwerer, das Geld ihrer Kunden rentierlich und zugleich sicher anzulegen.

Heike Jahberg

Berlin - Er sei derzeit „alles andere als weitsichtig“, scherzte Rolf-Peter Hoenen. Damit meinte der Präsident des Versicherungsverbands GDV am Mittwoch in Berlin aber nicht die Finanzkrise, sondern seine kürzlich durchgeführte Augenoperation. Die habe aber auch ihr Gutes, meinte Hoenen. Sein Arzt habe ihm nämlich Leseverbot verordnet. In Zeiten der Krise kann das ganz entspannend sein.

Denn auch die deutschen Versicherer sind von der Finanzkrise betroffen. Der Einbruch an den Aktienmärkten hat auch in den Portfolios der Assekuranz zu Abschreibungen geführt, die sinkenden Zinsen machen es den Unternehmen schwerer, das Geld ihrer Kunden rentierlich und zugleich sicher anzulegen. Dennoch stellte Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, fest: „Die Finanzkrise ist keine Versicherungskrise.“

Die Versicherer haben zwar Kapitalanlagen von rund 1200 Milliarden Euro, das ist etwa viermal so viel wie der Bundeshaushalt. Aber nur ein geringer Teil des Geldes steckt in Aktien. Ende 2008 lag die Aktienquote im Branchenschnitt bei 4,8 Prozent. Rechnet man Absicherungsmaßnahmen heraus, waren es sogar nur 2,7 Prozent. Zum Vergleich: In den Börsencrashjahren 2001 und 2002 hatte die Aktienquote 25 Prozent betragen.

Trotz der Krise hatten die Versicherer zum Jahresende in ihren Büchern Bewertungsreserven von 1,5 Prozent, also 18 Milliarden Euro, berichtete Maximilian Zimmerer. Zimmerer, im GDV für Lebensversicherungen zuständig und im Hauptberuf Chef der Allianz Leben, räumte jedoch ein, dass es auf dem Markt „große Spreizungen“ gibt. Prognosen über die weitere Gewinnbeteiligung wollte Zimmerer nicht abgeben. Für dieses Jahr schreiben die Lebensversicherer den Versicherten im Schnitt eine Überschussbeteiligung von gut vier Prozent gut. Zimmerer räumte aber ein, dass das meist nur mit Hilfe von Puffern gelingt, die in früheren, guten Geschäftsjahren aufgebaut worden waren.

In der Krisenbewältigung hätten Regierung und Parlament bisher alles Mögliche getan, lobt GDV-Hauptgeschäftsführer Fürstenwerth die Politik. Dazu gehört etwa die Rettung der Pfandbriefbank Hypo Real Estate (HRE), die für die Versicherungsbranche von zentraler Bedeutung ist. Pfandbriefe gehören zu den wichtigsten Anlagen der Versicherer.

Nicht zufrieden ist die Branche dagegen mit dem geplanten Gesetz zur Stärkung der Finanzmarkt- und Versicherungsaufsicht, das das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedet hat. Danach kann die Finanzaufsicht Bafin von Banken verlangen, vertraglich eingeräumte Nachrangdarlehen nicht zu bedienen. Versicherer, die hier investiert haben, gingen dann leer aus.

Unzufrieden sind auch die privaten Krankenversicherer. Sie machen die Politik dafür verantwortlich, dass im vergangenen Jahr nur knapp 49 000 Menschen als Vollmitglieder neu in die private Krankenversicherung (PKV) eingetreten sind. Verglichen mit dem Jahr 2006 ist das ein Minus von 58 Prozent. Seit 2007 müssen gut verdienende Angestellte eine Wartezeit von drei Jahren erfüllen, um in die PKV wechseln zu können.

Zusätzlich zu den 49 000 Neumitgliedern haben 2008 auch 18 500 Menschen, die vorher nicht versichert waren, einen normalen PKV-Tarif abgeschlossen. Seit dem 1. Januar 2009 besteht eine Versicherungspflicht für jedermann. Weitere 2400 Personen ohne Krankenversicherung wählten den modifizierten Standardtarif, der im Wesentlichen der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht und seit Anfang dieses Jahres als Basistarif weitergeführt wird. 30 PKV-Unternehmen haben gegen den Basistarif Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ein Urteil soll demnächst kommen.

Unterm Strich haben die Versicherer im vergangenen Jahr 164,5 Milliarden Euro eingenommen (plus ein Prozent). Davon hat allein der Lebensversicherungsmarkt – nicht zuletzt wegen der letzten Riester-Stufe – 79,6 Milliarden Euro beigetragen. Für 2009 rechnet der Verband aber mit einem Beitragsrückgang von einem Prozent. Heike Jahberg

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