Finanzkrise : EZB will ihre Milliarden zurück

Die Europäische Zentralbank wird die Milliarden an Finanzhilfen bald zurückfordern, um eine Inflation zu verhindern. Derweil sparen die Europäer so viel wie nie.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Milliardenhilfen, die sie den Banken wegen der Finanzkrise gewährt hat, konsequent wieder einsammeln. So soll verhindert werden, dass Inflationstendenzen aufkommen. In ihrem Monatsbericht für Dezember stellt die EZB zudem fest, dass Privathaushalte in Europa wegen der Krise so viel Geld sparten wie noch nie.

Die EZB hatte ähnlich wie andere große Notenbanken der Welt seit Herbst vergangenen Jahres mehrfach gigantische Summen in die Geldmärkte gepumpt, um einen Zusammenbruch des Bankensystems zu verhindern. Der bisherige Höhepunkt war die Vergabe von 442 Milliarden Euro an mehr als 1000 Banken im Juni dieses Jahres mit einem Jahr Laufzeit und dem Niedrig-Zinssatz von nur einem Prozent.

Die Hilfen stützen zwar die Märkte, können aber mittelfristig Inflation erzeugen. Die Notenbanker betonten nun, mit dem Auslaufen der Maßnahmen werde sichergestellt, dass die Inflationserwartungen nicht zu hoch werden. "Diese Verankerung ist zur Stützung eines nachhaltigen Wachstums sowie der Beschäftigung unerlässlich und trägt zur Finanzstabilität bei", heißt es in dem Monatsbericht.

Konkret will die EZB den Banken letztmals Ende März 2010 für ganze sechs Monate Geld in unbegrenzter Menge zur Verfügung stellen. Im Dezember dieses Jahres soll es zudem letztmals Geld mit einem Jahr Laufzeit geben, wobei der Zinssatz nicht mehr von vornherein auf ein Prozent begrenzt ist.

Vor dem Ausbruch der Finanzkrise hatte die EZB den Banken immer nur für kürzere Zeiträume in begrenztem Umfang Geld geliehen, zudem wurde der Preis dafür von Angebot und Nachfrage bestimmt. Banken können sich bei der EZB frisches Geld besorgen, wenn sie im Gegenzug Sicherheiten wie etwa Staatsanleihen hinterlegen. Dadurch können sie zusätzliche Kredite zum Beispiel an Unternehmen geben.

Aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes legen die Europäer derweil so viele Euro auf die hohe Kante wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) für Dezember hervorgeht, stieg die Sparquote der privaten Haushalte in der Euro-Zone zur Jahresmitte im Vergleich zum Vorjahr auf 15,4 Prozent, das sind 1,3 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Und der Trend setze sich offenbar fort.

Neben der Furcht vor einem Jobverlust sei auch die Immobilienkrise in einigen Ländern der Euro-Zone und massive Vermögensverluste durch die Krise etwa bei Aktienanlegern für das gestiegene finanzielle Sicherheitsbedürfnis der Menschen verantwortlich.

Auch die Banken haben ihren Anteil an dem veränderten Verhalten. Sie schauten wegen der Krise deutlich genauer hin, wenn sie Privatleuten einen Kredit geben. "Dies könnte Verbraucher dazu veranlasst haben, verstärkt zu sparen und ihre Verschuldung zu verringern". Hinzu komme die Angst vor künftigen einkommensmindernden Steuererhöhungen, wenn die Regierungen beginnen, die wegen der Krise überstrapazierten Haushalte zu sanieren, meint die EZB.

Die regionalen Unterschiede sind bei der Sparneigung sehr hoch. So erhöhten beispielsweise Spanier und Iren, die von der Rezession sehr stark betroffen sind, ihre Sparanstrengungen überproportional. Die Deutschen sparen trotz Krise dagegen in etwa genauso viel wie vor Beginn der Turbulenzen. Das könnte laut EZB daran liegen, dass sich der deutsche Arbeitsmarkt wegen der Kurzarbeit bislang robust entwickelt und die Abwrackprämie den Konsum anheizte.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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