Finanzkrise : Japans Börse bricht ein

Weltweit sind die Börsen weiterhin auf Talfahrt. Der japanische Nikkei-Index erlebte den schlimmsten Crash seit mehr als zwei Jahrzehnten. US-Präsident George W. Bush erneuerte unterdessen seinen Appell zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit.

Washington/London/Tokio US-Präsident George W. Bush hat in Gesprächen mit europäischen Führern zu einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit bei der Lösung der Finanzkrise aufgerufen. "Wir leben in einer globalisierten Welt, wir müssen sicher stellen, dass das, was wir tun, auch eine Wirkung zeigt", meinte Bush am Dienstag in Chantilly (US-Bundesstaat Virginia). Er machte den Amerikanern Mut, dass die USA die gegenwärtige Krise überwinden werden.

Am Dienstag sprach Bush nach Angaben des Weißen Hauses mit dem britischen Premier Gordon Brown, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi. Bei den Gesprächen sei es darum gegangen, mit welchen Maßnahmen die Märkte stabilisiert werden könnten und wie die Zusammenarbeit der Staaten intensiviert werden könne.

Großbritannien: 50 Milliarden Pfund zur Sanierung des Bankensystems

Der britische Finanzminister Alistair Darling kündigte unterdessen ein Rettungspaket für die Banken des Landes an. Er werde vor Börseneröffnung in London am Mittwochmorgen Einzelheiten mitteilen, sagte Darling am Dienstagabend nach einem Krisentreffen in der Downing Street mit Premierminister Gordon Brown, dem Notenbankchef Mervyn King und dem Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörde, Adair Turner. Es gehe darum, "das Bankensystem langfristig auf eine gesunde Grundlage zu stellen", sagte Darling der britischen BBC.

Nach BBC-Informationen soll zunächst eine sofortige Finanzspritze in Höhe von etwa 50 Milliarden Pfund (64,2 Milliarden Euro) zur Stabilisierung des Bankensystems beitragen. Außerdem sollen die größten Banken des Landes Zugriff auf einen Beistandsfonds haben, um den normalen Ablauf ihrer Tagesgeschäfte zu sichern.

Japan: Nikkei erstmals seit 2003 unter 9600 Punkten

Derweil erlebte die Börse in Tokio am Mittwoch den schlimmsten Crash seit mehr als zwei Jahrzehnten erlebt. Der Nikkei-Index brach zwischenzeitlich um fast zehn Prozent ein, nachdem Anleger aus Furcht vor weiteren Folgen der Finanzkrise ihre Papiere massenweise abstießen. Bis zum Handelsschluss erholte sich der Index aus 225 Unternehmenswerten wieder leicht auf ein Minus von 9,4 Prozent. Damit erlebte die Börse in Tokio ihren schlimmsten Tag seit dem "schwarzen Montag" im Jahr 1987. Damals war der Nikkei-Index bis zum Handelsschluss um 14,9 Prozent gefallen.

Es ist erst der dritte schwere Crash in der Geschichte der Tokioter Börse, nachdem der Nikkei-Index bereits 1953 einmal um 10,0 Prozent gefallen war. Zuvor hatte bereits der Dow-Jones-Index an der New Yorker Wall Street auf einem Fünf-Jahres-Tief geschlossen. Der Deutsche Aktienindex war am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen.

Finanzkrise kostet weltweit 1,4 Billionen Dollar

Die US-Börsen hatten am Dienstag trotz massiver Unterstützung durch die Notenbank den fünften Tag in Folge schwere Verluste erlitten. Der Dow-Jones-Index verlor mehr als 500 Punkte und endete 5,11 Prozent tiefer bei 9447,11 Zählern. Der S&P-500-Index brach um 5,74 Prozent auf 996,23 Punkte ein. Der Nasdaq-Index stürzte um 5,80 Prozent auf 1754,88 Punkte.

Die Federal Reserve stellte im Kampf gegen die immer bedrohlichere Kreditklemme eine Zinssenkung in Aussicht. Sie will zudem erstmals Unternehmen aller Branchen Darlehen gewähren und so ein weiteres Übergreifen der Krise auf die Gesamtwirtschaft eindämmen. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds IWF kostet die US- Immobilienkrise die Finanzbranche weltweit 1,4 Billionen Dollar - weit mehr als bisher geschätzt. (nis/dpa/AFP)

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