Finanzkrise : Milliardenspritze für Banken in Osteuropa

Die Finanzkrise hat in Osteuropa besonders heftige Auswirkungen - einige Länder stehen vor dem Staatsbankrott. Deshalb hat die internationale Gemeinschaft jetzt ein fast 25 Milliarden schweres Rettungspaket geschnürt.

ParisDie internationale Gemeinschaft reagiert mit einem knapp 25 Milliarden Euro schweren Hilfspaket auf die bedrohliche Schieflage der Banken in Osteuropa. Die Weltbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Europäische Investitionsbank (EIB) werden unter anderem Eigenkapitalhilfen und Kredite zur Verfügung stellen. Mit frischem Kapital sollen die osteuropäischen Institute in die Lage versetzt werden, der krisengeschüttelten Wirtschaft mehr Geld zu leihen. Ein Teil der bis zu 24,5 Milliarden Euro soll zudem direkt an kleine und mittlere Unternehmen fließen.

Die Banken in den einstigen Boom-Wirtschaften in Mittel- und Osteuropa sind von der Finanzkrise besonders stark betroffen. Ungarn drohte bereits der Staatsbankrott. An den Märkten wird befürchtet, dass auch westeuropäische Banken erheblich unter der negativen Entwicklung leiden könnten. "Wir handeln, weil wir eine besondere Verantwortung für die Region haben und weil es wirtschaftlich Sinn macht", sagte EBWE-Chef Thomas Mirow. "Das Zusammenwachsen Europas war jahrelang eine Quelle des Wohlstands und zum beiderseitigen Nutzen." Dieser Prozess dürfe nun nicht rückgängig gemacht werden.

Den Hauptteil des auf zwei Jahre ausgelegten Rettungspakets wird mit rund 11 Milliarden Euro die Europäische Investitionsbank tragen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die 2008 selbst einen Verlust von 602 Millionen Euro machte, gibt bis zu 6 Milliarden, die Weltbank rund 7,5 Milliarden Euro. Das Geld soll unter anderem für Eigenkapitalhilfen, aber auch für die Beschaffung von Fremdkapital verwendet werden können. 5,7 Milliarden Euro sind sofort verfügbar.

Hilfen für Osteuropa sind auch Thema beim EU-Sondergipfel zur Wirtschafts- und Finanzkrise an diesem Sonntag in Brüssel. Eine Wirtschaftskrise werde schnell zu einer menschlichen Krise, kommentierte Weltbank-Chef Robert Zoellick das Engagement. Es sei an der Zeit, dass Europa zusammenarbeite, um zu garantieren, dass die Fortschritte der vergangenen 20 Jahre nicht durch die Wirtschaftskrise zunichte gemacht werde.

"Der Aktionsplan hilft in diesen turbulenten Zeiten zu überleben", sagte EIB-Präsident Philippe Maystadt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßte die milliardenschwere Hilfe. Barroso und EU-Währungskommissar Joaquín Almunia seien zufrieden, dass Weltbank, EBWE und EIB ihre Kräfte bündelten, sagte ein Sprecher Barrosos.

In einem Interview in der französischen Tageszeitung "Le Figaro" malte Mirow ein düsteres Bild der Lage in Mittel- und Osteuropa. Es gebe das ernste Risiko, dass es dort zu einer Kreditklemme und zum Zusammenbruch von Banken komme. Im schlimmsten Fall belaufe sich der Finanzbedarf der Institute im Osten auf bis zu 350 Milliarden Dollar (277 Mrd. Euro), bestätigte der frühere deutsche Finanzstaatssekretär. Die Banken benötigten bis zu 150 Milliarden Dollar an Eigenkapital und bis zu 200 Milliarden Dollar für die Refinanzierung.

Letztendlich seien auch die Staaten der Eurozone bedroht. "Zehn oder zwölf westeuropäische Banken sind sehr stark in Mittel- und Osteuropa engagiert, besonders österreichische, schwedische, französische, griechische, italienische und deutsche. Ein Konkurs von Filialen oder Banken im Osten hätte zweifelslos Auswirkungen auf die Eurozone", sagte Mirow. In Deutschland ist unter anderen die BayernLB über die Hypo Group Alpe Adria in Mittel- und Osteuropa engagiert. (ut/dpa)

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