Finanzkrise : Neuordnung der Landesbanken braucht Zeit

Seit die schwächelnde WestLB Interesse an einer Fusion mit der Landesbank Hessen-Thüringen bekundet hat, wird dort emsig gerechnet. Erst nach genauer Prüfung der Zahlen wollen die Verantwortlichen über Verhandlungen entscheiden.

Jörn Bender[dpa]

Frankfurt/DüsseldorfDeutschlands Landesbanken sind in Bewegung. Doch bis zu einer wirklichen Neuordnung werden die Beteiligten einen langen Atem brauchen. Seit die schwächelnde WestLB knapp zwei Wochen vor Weihnachten Interesse an einem Zusammengehen mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) bekundete, wird emsig hinter den Kulissen gerechnet. Zwar werben die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Hessen, die CDU-Parteifreunde Jürgen Rüttgers und Roland Koch, eifrig für einen Zusammenschluss. Doch Bankfachleute sind sich einig, dass am Ende die Zahlen entscheiden werden und nicht die Wünsche der Politik.

Im Lager der Sparkassen in Hessen und Thüringen, denen 85 Prozent der Helaba gehören, herrscht Zuversicht: "Die Politik will und kann uns nicht ihren Willen aufdrücken, so eine Fusion lässt sich nicht gegen einen 85-Prozent Eigentümer machen", heißt es. Und während die kleinere Helaba mit ihrem erfolgreichen Geschäft etwa im Mittelstand und in der Immobilienfinanzierung problemlos alleine bleiben kann, agieren die Eigentümer der Düsseldorfer WestLB aus der Not heraus: Die drittgrößte deutsche Landesbank machte durch Fehlspekulationen und die Folgen der Finanzmarktkrise in den ersten neun Monaten 2007 fast 150 Millionen Euro Verlust, seit Monaten wird ein Partner gesucht, seit Jahren gilt das Geschäftsmodell als nicht tragfähig.

Entscheidung über Fusionsverhandlungen nicht vor Februar

"Die WestLB sucht händeringend einen Partner, der kleiner ist - aber vom Geschäftsmodell her ist die Helaba stärker", sagt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Er wertet die Gesprächsbereitschaft der Helaba und ihrer Eigentümer als "politische Geste". "Natürlich ist das ein Politikum, Rüttgers steht unter Druck", räumt sogar einer ein, der in die Fusionsüberlegungen eingebunden ist. Dennoch sei es allen Beteiligten ernst: "Die Prüfung der Zahlen ist sehr viel Arbeit, da muss man schon ernsthaft den Erfolg wollen."

Ein erstes Sondierungsgespräch gab es noch vor Weihnachten, mit weiteren Gesprächen oder gar der Aufnahme von Fusionsverhandlungen rechnen die meisten Beobachter nicht vor Februar: Solange dürfte es mindestens dauern, bis die von den Helaba-Eigentümern geforderte Klarheit über eventuelle Risiken bei der WestLB herrscht. Zudem ist in Hessen am 27. Januar Landtagswahl - und im Wahlkampf kann die Bankenfusion nur eines von vielen Themen sein. Gleichwohl kürte die "Wirtschaftswoche" Hessens Regierungschef Koch kürzlich zum "Mann der Woche", weil der CDU-Mann, der sich "gern als starker Politiker" gebe "sich im Wahlkampf als Retter der WestLB und Vorkämpfer für den Finanzstandort Frankfurt profilieren" könnte.

Kritik an Macht der Landesfürsten

Als Retter der Helaba musste das Land zuletzt 1974 einspringen: Riskante Immobiliengeschäfte und eine fehlgeschlagene Expansion ins Industriekreditgeschäft hatten der Landesbank Milliardenverluste beschert. Das Land Hessen und der Sparkassenverband des Landes, die jeweils 50 Prozent der Helaba-Anteile hielten, stützten das Institut. Der damalige hessische Ministerpräsident Albert Osswald (SPD), der auch Verwaltungsratschef der Bank war, trat infolge der sogenannte Helaba-Affäre zurück. 1989, im Jahr des ersten erfolglosen Fusionsversuchs der Landesbanken von Nordrhein-Westfalen und Hessen, versilberte das Land Hessen seinen Anteil an der Landesbank. Erst elf Jahre später erwarb das Land wieder zehn Prozent des inzwischen (1992) zur Landesbank Hessen-Thüringen umfirmierten Instituts.

Kritiker halten die Macht der Landesfürsten bei den öffentlich- rechtlichen Banken seit langem nicht mehr für zeitgemäß und dringen auf weitere Zusammenschlüsse unter den Landesbanken. Doch im Fall der kleinsten eigenständigen deutschen Landesbank, der Sachsen LB, nötigte in diesem Sommer erst eine Existenzkrise die Verantwortlichen zum Handeln. Gleichwohl erhoffen sich Fachleute von der Übernahme der Sachsen LB durch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auch mittelfristig neuen Schwung für das starre System aus Privatbanken, Sparkassen und Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken (Drei- Säulen-System). Ob jener Schwung auch Helaba und WestLB zu einem Zusammenschluss beflügeln wird, werden die nächsten Monate zeigen.

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