Finanzkrise : Rezessionssorgen in Japan

Die Industrieproduktion sinkt, die Arbeitslosigkeit steigt - in der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt, Japan, mehren sich die Anzeichen für ein Abgleiten in eine Rezession. Die Regierung will mit einem milliardenschweren Rettungspaket die Wirtschaft ankurbeln.

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Schwieriger Einstand: Der neue japanische Premier Taro Aso -Foto: getty

TokioDie Industrieproduktion in Japan sank im August saisonbereinigt um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat, der stärkste Rückgang seit mindestens fünf Jahren, wie die Regierung in Tokio am Dienstag bekanntgab. Im selben Monat stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, während zugleich die Ausgaben der privaten Haushalte um vier Prozent zum Vorjahr sanken. Damit haben sich Japans Konjunkturaussichten nach Ende der längsten Wachstumsphase der Nachkriegszeit deutlich verdüstert.

Während der wichtige Exportmotor angesichts der Finanzturbulenzen in den USA ins Stottern gerät, lässt auch die Binnennachfrage wegen steigender Preise und der sich verschlechternden Arbeitsmarktlage spürbar nach. Japans Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Kaoru Yosano, warnte, dass das Scheitern des Rettungspaketes für die Banken in den USA Auswirkungen für die gesamte Weltwirtschaft habe. Nach den historischen Vortagesverlusten an der Wall Street erlitt auch die Aktienbörse in Tokio am Dienstag heftige Einbußen. Der Nikkei gab um 483,75 Punkte oder 4,12 Prozent auf 11.259,86 Punkte nach.

Neuwahlen könnten verschoben werden

Japans neuer Premier Taro Aso zeigte sich entschlossen, negative Folgen für die japanische Wirtschaft und das Finanzsystem zu verhindern. "Wir müssen uns bedacht auf die Situation einstellen, um zu verhindern, dass solche Entwicklungen nicht groß (auf die japanische Wirtschaft) übergreifen", sagte Aso zu Journalisten. Die Regierung in Tokio will möglichst schnell einen Nachtragshaushalt zur Finanzierung eines eigenen milliardenschweren Pakets zur Ankurbelung der Wirtschaft durchs Parlament bringen. Vor diesem Hintergrund könnten sich die für Anfang November erwarteten Neuwahlen zum Unterhaus laut Medien weiter nach hinten verschieben.

Der an diesem Mittwoch mit Spannung erwartete "Tankan"-Bericht der japanischen Zentralbank dürfte nach Einschätzung von Ökonomen zeigen, dass die Stimmung unter den Managern der japanischen Großindustrie so schlecht ist wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Wirtschaft Japans, die wesentlich vom Exportmotor abhängt, war zwischen April und Juni nach Berechnung der Regierung um annualisiert drei Prozent geschrumpft. Das war der erste Rückgang seit vier Quartalen und zugleich der schärfste seit dem Quartal Juli bis September 2001. Inzwischen gibt es kaum noch Zweifel unter Ökonomen, dass Japan in eine Rezessionsphase eintritt.

Talfahrt der Wirtschaft könnte sich hinziehen

Auch wenn die Rezession relativ schwach ausfallen sollte, so könnte sich die Talfahrt laut der Wirtschaftszeitung "Nikkei" doch länger hinziehen. Solange sich Japans Exporte nicht erholten, sei auch eine Erholung der Wirtschaft unwahrscheinlich, sagte Minister Yosano, nachdem Japan im August ein Handelsdefizit verzeichnet hatte. Zwar haben sich die Exporteure des Landes gegen einen Abschwung in den USA dadurch gewappnet, dass sie sich verstärkt auf andere Märkte vor allem in Asien konzentrierten. Doch auch diese Wachstumsmärkte zeigen inzwischen Schwächeanzeichen. Vor diesem Hintergrund hat denn auch Japans größter Automobilkonzern Toyota seine Produktion in China laut der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" gekürzt.

Der stärker als von Analysten erwartete Rückgang der Industrieproduktion im August lag nach Einschätzung der Regierung vornehmlich an der schwachen Nachfrage im Ausland nach japanischen Autos, Maschinen und Stahlprodukten. Im Juli war die Industrieproduktion noch um 1,3 Prozent gestiegen. Die Industrie rechnet für September mit einem Zuwachs von 1,6 Prozent, bevor die Produktion im Oktober wieder um 0,1 Prozent zurückgehen dürfte. Auch die japanischen Verbraucher spüren die Abkühlung. Die Zahl der offiziell als arbeitslos registrierten Menschen erhöhte sich im August zum entsprechenden Vorjahresmonat um 230.000 auf 2,72 Millionen. Auf 100 Arbeitsuchende entfielen nur 86 freie Stellen. (mfa/dpa)

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