Finanzkrise : Städte wenden sich von Banken ab

Finanznot macht erfinderisch. Deutsche Städte und Gemeinden suchen zunehmend Alternativen zu klassischen Bankkrediten. Immer mehr Kommunen legen eigene Anleihen auf.

Düsseldorf – Die Kleinstadt Quickborn sammelt in einem deutschlandweiten Pilotprojekt vom heutigen Montag an zwei Millionen Euro direkt bei seinen Bürgern ein. Ende Februar hatte sich die Stadt Essen über eine 200 Millionen Euro große Anleihe Geld am Kapitalmarkt beschafft. Weitere Städte dürften folgen. „Derzeit sind wir mit etwa 15 weiteren Kommunen im Gespräch, dabei haben wir mit dem Marketing noch gar nicht angefangen“, sagt Michael Heinks, Vorstand der BIW-Bank, die den Quickborner Bürgerkredit organisiert. Das gilt zum Beispiel für Wiesbaden und Willich.

Mit Anleihen und Bürgerkrediten wollen die Kommunen neue Investoren gewinnen. „Die Städte haben einen großen Bedarf an alternativen Finanzierungsquellen“, sagt Markus Krampe vom Kommunalfinanzierer WL-Bank. Zugleich gibt es jenseits des klassischen Kommunalkreditmarktes Investoren, die an solchen Anlagen interessiert sind. Die Kommunen haben gute Gründe für ihre Suche nach neuen Geldquellen. „Die Finanzkrise hat die Kommunen nun doppelt getroffen: Zum einen nimmt der Bedarf an Darlehen zu, zum anderen hat die Zahl der Darlehensgeber abgenommen, weil manche Banken nicht mehr in der Lage sind, die aktuellen Finanzierungskonditionen der Kommunen darstellen zu können“, heißt es bei der Ratingagentur Fitch.

Ähnlich formuliert es auch die Hauptreferentin des Finanzreferats beim Deutschen Städtetag, Birgit Frischmuth. Durch die Finanzkrise hätten sich einige Banken aus dem Kommunalkreditgeschäft zurückgezogen. Andere Institute hätten ihr Engagement im Kommunalkreditgeschäft beschränkt. Das zeigen auch Bundesbank-Daten. Danach ist zwar das Kreditvolumen insgesamt gestiegen. Doch dies liegt vor allem am stärkeren Engagement der Förderbanken, während Groß- und Hypothekenbanken die Kreditvergabe verringert haben. „Es gibt für Banken margenträchtigere Geschäfte als das Kommunalkreditgeschäft“, sagt Essens Stadtkämmerer Lars Martin Klieve.

Die Fantasien deutscher Kämmerer reichen allerdings schon längst über Bürgeranleihen oder -kredite hinaus. Ein Kämmerer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, fragt sich schon, ob man künftig nicht auch städtisches Eigentum über Bürgeraktien oder Bürgerfonds mitfinanzieren könnte. HB

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