Finanzkrise : Steinbrück: "Die Hochnäsigkeit der Manager endete im Desaster"

Finanzminister Steinbrück hat ordentlich gegen die Vorstände deutscher Banken ausgeteilt. Deren Arroganz habe zu den Schieflagen von Banken in Deutschland geführt. Ein Verkauf der angeschlagenen IKB wird derweil immer wahrscheinlicher.

Hamburg"Es gibt Bankvorstände, die der Komplexität dessen, was sie tun, nicht gewachsen sind", sagte Bundesfinanzminister Steinbrück der "Financial Times" und der "Financial Times Deutschland". "Die Hochnäsigkeit der Manager, die wir mitunter gesehen haben - nach dem Motto: Wir sind cleverer als die anderen -, endete in einem Desaster." In Deutschland waren die Mittelstandsbank IKB und die Sachsen LB nach Fehlspekulationen mit US-Immobilien in eine schwere Schieflage geraten. Auch deren Management habe es offensichtlich an der nötigen Expertise gemangelt, sagte Steinbrück.

Neues Rettungspaket für die IKB

Nach zähen Verhandlungen hatten sich am Donnerstag die Staatsbank KfW - Hauptaktionärin der IKB -, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Institute auf ein neues Rettungspaket für die Mittelstandsbank geeinigt. Demnach soll die IKB eine zweite Kapitalzusage von 350 Millionen Euro erhalten. Anfang August hatte der Bankenpool bereits ein erstes Stützungspaket im Umfang von 3,5 Milliarden Euro vereinbart. Gegen weitere Zusagen hatte sich das Kreditgewerbe lange gewehrt. Finanzaufsicht, KfW und Bundesregierung drangen aber auf eine erneute Beteiligung der Institute.

Mit der Stützung wollen die Banken verhindern, dass eine Pleite die Rückzahlung von Krediten an die IKB in Gefahr bringt. Unter Vorsitz Steinbrücks steht ein Sondertreffen des KfW-Verwaltungsrats über die IKB-Zukunft an. "Die Arbeit am Gesamtkonzept, das in einen erfolgreichen Verkauf der IKB münden soll, wird vorangetrieben", sagte eine KfW-Sprecherin am Vortag zu einem Zeitungsbericht, wonach auch eine Schließung der IKB nicht ausgeschlossen werde.

Mehrere Interessenten für die IKB

Laut "FTD" gaben die Banken ihre Zustimmung zum neuen Hilfspaket nur unter der Voraussetzung, dass der ohnehin geplante Verkauf der IKB beschleunigt wird. Mehrere Institute, darunter die Commerzbank, die DZ Bank, die SEB und die WestLB, gelten als Kaufinteressenten. In der Diskussion sei auch gewesen, die IKB zu schließen. Dies sei aber auf den Widerstand insbesondere der Finanzaufsicht BaFin und der Bundesregierung gestoßen, die schwere Probleme für den gesamten deutschen Finanzsektor befürchteten.

Gleichzeitig wandte sich Steinbrück in dem Interview gegen seiner Meinung nach überzogene Inflationsängste. Zwar bestimme momentan die Inflationsrate von drei Prozent für den November die Diskussion, im nächsten Jahr erwarteten die Experten aber wieder einen Wert von unter zwei Prozent, sagte Steinbrück. Die deutsche Wirtschaft werde auch durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten "nicht in einen Strudel gerissen". (mac/dpa)

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