Finanzkrise : US-Banken streichen Tausende Jobs

Die von der Finanzkrise gebeutelten US-Banken haben die nächste Entlassungsrunde eingeläutet. Nachdem sich die Hoffnungen auf eine Erholung des Geschäfts als trügerisch herausgestellt haben, ziehen zahlreiche Kreditinstitute die Notbremse.

London/ New YorkDer besonders von der Krise betroffene Konzern Citigroup werde noch in dieser Woche jede zehnte Stelle im Investmentbanking streichen und damit 6500 weitere Kündigungsschreiben verschicken, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Kreise. Bisher hat die Citigroup etwa 10 000 ihrer weltweit 370 000 Arbeitsplätze abgebaut und damit in erster Linie auf die Milliardenverluste im Geschäft mit Krediten reagiert. Jetzt sind angesichts des ausbleibenden Neugeschäfts andere Bereiche an der Reihe, insbesondere die Experten für Fusionen und Übernahmen (M & A).

Auch andere Banken reagieren auf die schwere Krise des Bankensektors mit der nächsten Personalabbau-Runde. So wird die Investmentbank Bear Stearns im Zuge der Notübernahme durch J.P. Morgan wohl mehr als die Hälfte ihrer 14000 Mitarbeiter verlieren.Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge hat auch Goldman Sachs in der Vorwoche sogenannte „Pink Slips“ (Entlassungen) verteilt. Das Unternehmen wolle bis Jahresende zehn Prozent seiner Stellen im Investmentbanking streichen, schreibt das Blatt. Goldman Sachs steckte die Kreditkrise bislang weit besser weg als seine Wettbewerber und legte im zweiten Quartal mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn vor. Dass auch der erfolgreichste Spieler der Branche zu weiteren Sparmaßnahmen greift, ist Branchenexperten zufolge ein verheerendes Signal: „Ich bin mir sicher, dass wir eine Fortsetzung der Entlassungswelle sehen werden“, warnt ein Londoner Personalberater. „Viele Banken haben eine rasche Erholung abgehakt und stellen sich auf eine längere Durststrecke ein.“

Bislang hat die Entlassungswelle die Wall Street härter getroffen als die europäischen Finanzplätze, obwohl die Banken auf dem alten Kontinent bisher noch stärker unter der Kreditkrise litten als die US-Konkurrenz. Nach Einschätzung von Londoner Personalberatern haben sich die Geldhäuser in Europa mit einem Personalabbau noch zurückgehalten, so- lange sie an eine Erholung ihres Geschäfts noch in diesem Jahr glaubten. Dieser Glaube gehe allerdings gerade verloren, und damit bestehe die Gefahr, dass die Entlassungswelle auch in Europa an Fahrt gewinne. ebe/mm (HB)

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