Finanzkrise : US-Regierung arbeitet an Auffanggesellschaft

Nach der spektakulären Pleite des traditionsreichen Bankhauses Lehman Brothers denkt die US-Regierung über eine Auffanglösung für "faule Kredite" nach: So sollen die Finanzinstitute entlastet und frisches Kapital frei gesetzt werden. Erster Nutznießer könnte das angeschlagene US-Investmenthaus Morgan Stanley sein.

New YorkAngesichts der schweren Finanzmarktkrise erwägt die US-Regierung einem Medienbericht zufolge eine Auffanglösung für notleidende Vermögenswerte der Finanzbranche. US-Finanzminister Henry Paulson arbeite derzeit an einem solchen Rettungsplan, berichtete der US-Wirtschaftssender CNBC am Donnerstag.

In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und "faule Kredite" gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten. Paulson sei am Nachmittag mit Vertretern des US-Kongresses und der Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, zusammengekommen, um den Plan zu beraten, berichtete CNBC weiter. Die US-Regierung will sich zunächst der Unterstützung des Kongresses versichern, bevor sie die Maßnahme weiterverfolge, hieß es. An den Gesprächen war laut dem Bericht auch US-Notenbankchef Ben Bernanke beteiligt.

"Dies ist eine Vertrauenskrise"

Die Lösung wäre ähnlich wie beim Vorgehen der schweren Finanzkrise bei Sparkassen und Genossenschaften in den späten 1980er Jahren, berichtete CNBC. Der Sender berief sich auf Informationen von der Wall Street nach entsprechenden Gesprächen mit dem Finanzminister. Eine solche Lösung würde nach Ansicht ihrer Befürworter die Bilanzen der Banken von faulen Krediten befreien und ihnen ein normalen Geschäftsbetrieb ermöglichen. Auch müssten nicht mehr wie bisher Rettungsaktionen für einzelne Geldhäuser gestartet werden.

In der Folge wären Banken eher bereit, Geld zu verleihen. "Das würde echtes Vertrauen in die Märkte zurückbringen", sagte der Vorsitzende der US-Investmentgesellschaft Lightyear Capital, Donald Marron, dem Fernsehsender. "Das würde echtes Kapital freisetzen, das für die Kreditvergabe und für Transaktionen verwendet werden kann und wodurch wieder Vertrauen in das System geschaffen wird. Dies ist eine Vertrauenskrise."

Morgan Stanley sucht nach Geldgebern

Der Rettungsplan könnte auch der um ihre Zukunft ringenden US-Investmentbank Morgan Stanley helfen. Das Traditionshaus verhandelt derzeit laut Medien einerseits mit dem viertgrößten US-Finanzkonzern Wachovia über eine Fusion. Parallel versucht die Bank demnach aber weiter, ihre Unabhängigkeit zu retten - womöglich mit Kapital von Chinas Staatsfonds CIC. Dieser könnte seine Beteiligung von bereits zehn auf bis zu knapp 50 Prozent aufstocken.

Die US-Justiz geht unterdessen wegen der Börsenturbulenzen verschärft gegen Spekulanten vor. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte umfassende Ermittlungen zu böswillig gestreuten Gerüchten und illegalen Praktiken bei Börsenwetten auf fallende Kurse an. Heftige Kursstürze hatten zuletzt Investmentbanken und den US- Versicherer AIG an den Rande des Abgrunds getrieben oder wie im Fall von Lehman Brothers sogar in die Insolvenz gestürzt.

Spekulationen über eine mögliche Auffanglösung beflügelten am Donnerstagnachmittag die US-Aktienmärkte. Der Dow-Jones-Index stieg um 3,86 Prozent auf 11.019,69 Punkte. Der S&P-500-Index gewann 4,33 Prozent auf 1206,51 Punkte. Der NASDAQ-Index kletterte am stärksten, und zwar um 4,78 Prozent auf 2199,10 Punkte. (jr/dpa)

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