Finanzkrise : US-Zentralbank eilt Bear-Stearns-Bank zu Hilfe

Die Investmentbank Bear Stearns steht wegen riskanter Investitionen in den Markt für minderwertige US-Immobilienhypotheken unter Druck. Die Abschreibungen gehen in die Milliarden. Mit kurzfristigen Finanzspritzen rettet die US-Notenbank Fed das angeschlagene Kreditinstitut vor dem Kollaps - vorerst.

Stearns
US-Investmentbank in Not -Foto: dpa

New York/WashingtonDie US-Notenbank Fed billigte am Freitag in Washington den Rettungseinsatz der Landesbank des Staats New York für die bedrohte Investmentbank Bear Stearns, deren Liquidität nach eigenen Angaben rapide abgenommen hatte. "Die Fed beobachtet die Märkte genau und wird je nach Bedarf Liquidität gewährleisten, um das Funktionieren des Finanzsystems zu fördern", hieß es in einer Erklärung. Präsident George W. Bush räumt ein, dass die US-Wirtschaft "eine schwierige Phase" durchlebt. Sie stehe aber "auf einem soliden Fundament".

Dem Rettungseinsatz für Bear Stearns gingen akute Liquiditätsprobleme der Wall-Street-Bank voraus. Bankchef Alan Schwartz gab zu, dass sich die Liquidität von Bear Stearns in den vorangegangenen 24 Stunden "bedeutsam verschlechtert" hat. Eine "Vielzahl von Marktgerüchten" über die Zahlungsfähigkeit der Firma hat die Lage verschärft, erklärte Schwartz. Neben New Yorks Zentralbank beteiligt sich auch die Bank JPMorgan Chase an dem Notfalleinsatz. Für die Stabilisierung von Bear Stearns werden "je nach Bedarf" Gelder zur Verfügung gestellt, erklärte JPMorgan Chase. Für die Aktionäre stellt der Schritt "kein materielles Risiko" dar, erklärte die Bank.

Bush: "Unsere Wirtschaft ist widerstandsfähig"

Präsident Bush versuchte bei einer wirtschaftspolitischen Ansprache in New York erneut, der Furcht vor einer Rezession entgegenzutreten. "Unsere Wirtschaft ist widerstandsfähig", sagte er. Der Einsatz der Fed für Bear Stearns zeigt, dass "geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung unserer Märkte ergriffen werden". Die gegenwärtigen Schwierigkeiten seien Teil eines normalen konjunkturellen Zyklus: "In der Marktwirtschaft gibt es Höhen und Tiefen, und unsere Wirtschaft erlebt derzeit ganz offensichtlich eine schwierige Periode".

Nach Bekanntgabe der Geldspritze für Bear Stearns fielen die Kurse an der New Yorker Wall Street deutlich ins Minus. Euro und Gold erreichten auch am Freitag neue Höchstpreise. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg am Nachmittag in London auf 1,5688 Dollar und kostete damit so viel wie noch nie seit ihrer Einführung im Jahr 1999. Gold kostete am Freitag in London zwischenzeitlich 1007,40 Dollar und war damit ebenfalls so teuer wie noch nie. Den Anstieg des Goldpreises und die anhaltende Stärke des Euro begründeten Händler am Freitag mit schlechten Nachrichten aus den USA.

Erst am Vortag hatte die Beteiligungsgesellschaft Carlyle 17 Milliarden Dollar abschreiben müssen. Bear Stearns steht wegen riskanter Investitionen in den Markt für minderwertige US-Immobilienhypotheken unter Druck. Nach Angaben von Schwartz verhandelt das Unternehmen derzeit mit JPMorgan Chase über eine dauerhafte finanzielle Zusammenarbeit. (smz/AFP)

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