Finanzkrise : Volksbank spart sich schlank

Mit einem radikalen Umbau reagiert die Berliner Volksbank auf die schwierige Lage der Finanzbranche. Die Auslagerung in eine Servicegesellschaft soll die Kosten um 25 Millionen Euro senken.

Stefan Kaiser

Berlin - Anfang April hat die Bank mit dem Abbau von 250 der insgesamt gut 2800 Stellen begonnen. Weitere 400 Mitarbeiter werden in eine externe Servicegesellschaft mit Sitz in Berlin-Tegel ausgelagert, die im Mai an den Start gehen soll. Mit den Maßnahmen will die Volksbank langfristig jährlich 25 Millionen Euro an Sach- und Personalkosten sparen. Dies entspricht etwa zehn Prozent der derzeitigen gesamten Verwaltungskosten. Die Bank hatte die Maßnahmen bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Angesichts der Belastungen durch die Finanzkrise dürfte der Druck zur Kostensenkung jedoch weiter gestiegen sein.

Die Bank sei angesichts der Verwerfungen auf den Finanzmärkten zwar „recht gut davongekommen“, wie Vorstandschef Holger Hatje bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag berichtete. Dennoch sei man „als Teil der Bankengemeinschaft“ von der Krise betroffen.

In der Gewinn- und Verlustrechnung für 2008 spiegelt sich das nur zum Teil wider. Sie weist einen Überschuss von 12,6 Millionen Euro aus – gut zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Als Belastungen aus der Finanzkrise sind lediglich 4,9 Millionen Euro verbucht. Dabei handelt es sich größtenteils um Wertpapiere, die komplett wertlos geworden sind, etwa im Zuge von Bankpleiten. Darüber hinaus angefallene Bewertungsverluste von knapp 300 Millionen Euro muss die Volksbank jedoch – anders als etwa börsennotierte Banken – nicht abschreiben, weil sie andere Bilanzregeln anwendet. Hinter den Papieren stünden Schuldner mit guter oder sehr guter Bonität, versicherte Bankchef Hatje. Man gehe deshalb davon aus, den vollen Betrag zurückzubekommen.

Ein weiterer Grund für das schwächere Ergebnis sind die gesunkenen Zins- und Provisionserträge. Bei den Zinsen habe der harte Konkurrenzkampf die Margen geschmälert, erklärte Hatje. Weil die Bank in der Krise weniger Wertpapiere an Kunden verkaufte, gingen zudem die Provisionseinnahmen zurück.

Der niedrigere Gewinn macht sich auch in der Dividende bemerkbar, die die Volksbank an ihre Anteilseigner ausschütten will. Sie soll von 4,5 Prozent im Vorjahr auf 4,0 Prozent sinken. Hatje betonte, man sei angesichts des schwierigen Umfeldes stolz darauf, eine solche Dividende aus eigener Kraft erwirtschaftet zu haben. Die Zahl der Kunden stieg zudem um 18 000 auf nun 648 000.

Mit dem Umbau der Bank will Hatje die künftigen Kosten deutlich drücken. Bis 2011 sollen dazu 250 Stellen komplett gestrichen werden. Weitere 400 werden bereits jetzt in die neue Servicegesellschaft ausgelagert, die die Bank mit dem ITDienstleister Fiducia gegründet hat. Es gehe darum, „alles, was der Kunde nicht sieht, zu bündeln“, sagte Hatje. Dazu gehören etwa die Kredit-Sachbearbeitung, die Kontenbearbeitung oder die Wertpapierabwicklung. Langfristig sollen sich weitere Genossenschaftsbanken an der Gesellschaft beteiligen. Ziel sei es, den Anteil der Berliner Volksbank von derzeit 75,5 Prozent abzubauen, sagte Hatje.

Bisher kann die Bank mit der Gesellschaft nämlich kaum Kosten sparen. Zwar werde rund die Hälfte der Mitarbeiter, die in die Gesellschaft wechseln, in eine niedrigere Tarifgruppe eingestuft und verdiene bis zu zehn Prozent weniger. Zumindest für die nächsten vier Jahre will die Bank diese Einbußen jedoch auf eigene Rechnung ausgleichen. Dafür stehen 40 Millionen Euro bereit. Stefan Kaiser

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