Finanzmärkte : "Bankenkrise ist noch nicht ausgestanden"

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup geht davon aus, dass es in Folge der Bankenkrise noch Probleme bei Kreditinstituten geben wird. Nationale Wirtschaftspolitik habe kaum noch Möglichkeiten, auf die Finanzmärkte einzuwirken, aber es gebe andere Lösungen.

Frankfurt/Main Die internationale Finanzmarktkrise ist nach Ansicht führender Banker und Experten längst nicht ausgestanden, wird aber nicht zu einer Bankenkrise in Deutschland führen. "Wir gehen davon aus, dass es vielleicht Probleme bei einzelnen Banken geben wird, es kommt aber nicht zu einer systemischen Krise", sagte der Wirtschaftsweise Bert Rürup bei der Eröffnung des Deutschen Eigenkapitalforums 2007 in Frankfurt. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) erwartet aber ebenso wie Bankenpräsident Klaus-Peter Müller noch einige Zeit lang negative Auswirkungen.

"Die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen haben gezeigt, dass die Folgen der Subprime-Krise uns noch einige Zeit lang begleiten werden", sagte Commerzbank-Chef Müller in Frankfurt in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Infolge der Turbulenzen am Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite (Subprime) hatten etliche Banken Millionen oder gar Milliarden abschreiben müssen.

Als Grund für das Andauern der Krise nannte Rürup unter anderen Zinstermine für Subprime-Hypotheken, deren Ausfallrisiken erst 2008 ihre Wirkung entfalten könnten. Die nationale Wirtschaftspolitik habe nur begrenzte Möglichkeiten, auf die Krise zu reagieren. Rürup sprach sich für eine Europäisierung der Bankenaufsicht aus. So könnte etwa ein europäisches Kreditregister aufgebaut werden.

Weltkonjunktur federt Bankenkrise ab

"Die nötige Transparenz und damit das Vertrauen werden vermutlich erst mit den testierten Jahresabschlüssen im kommenden Frühjahr an die Märkte zurückkehren", sagte Müller laut Redemanuskript. "Für eine Entwarnung ist es also noch zu früh." Müller warnte dennoch vor Aktionismus: "Von einer Kreditklemme - jedenfalls mit Blick auf Deutschland - kann keine Rede sein." Der Banker zeigt sich optimistisch, dass "der Markt spätestens im zweiten Quartal wieder auf Normalkurs zurückkehrt". Dann rechne der Großteil der Privatbanker 2008 mit einem guten Geschäft.

Die Folgen für die Realwirtschaft hält der Bankenverband nach wie vor für begrenzt. Zwar erwartet der Verband im nächsten Jahr ein Verlangsamung des Wachstum auf etwa zwei Prozent. Dies sei aber vor allem auf die abflauende Weltkonjunktur, die hohen Energie- und Rohstoffpreise sowie die Euro-Aufwertung zurückzuführen.

Bundesregierung solle mehr für Finanzmärkte tun

Müller bleibt bis zum Frühjahr 2009 Präsident des Bankenverbandes und damit ein Jahr länger als geplant. Der Vorstand habe ihn gebeten, weitere zwölf Monate im Amt zu bleiben, erklärte Müller. "Dieser Vorschlag fand einstimmigen Zuspruch." Ursprünglich wäre Müller im April 2008 abgelöst worden. Der Commerzbank-Chef, der seit Frühjahr 2005 Präsident des Branchenverbandes der privaten Banken ist, betonte, auch in dem zusätzlichen Jahr sei er "nicht Präsident wider Willen".

Der Bankenverband forderte von der Bundesregierung mehr Einsatz für den Finanzmarkt Deutschland. Die jüngsten Beschlüsse - sowohl zur Förderung börsennotierter Immobiliengesellschaften (REITs) als auch zugunsten von Finanzinvestoren (Private Equity) - seien "halbherzig" und blieben "hinter den Notwendigkeiten zurück", kritisierte Müller. Auch an der geplanten Abgeltungssteuer, die zum 1. Januar 2009 eingeführt werden soll, seien "unerlässliche Korrekturen" nötig. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben