Finanzmärkte : China lässt seine Heuschrecke fliegen

Chinas gefürchteter Staatsfonds geht mit 200 Milliarden Dollar an den Start. Sein Ziel: lukrative Beteiligungen in aller Welt. Regierungen und Unternehmen im Ausland sind gespannt. Staatsfonds dieser Art könnten „spielend ein Dutzend Dax-Konzerne aufkaufen“.

Till Fähnders

SchanghaiChinas gefürchteter Staatsfonds hat am Wochenende offiziell die Arbeit aufgenommen. Das Finanzunternehmen mit dem englischen Namen China Investment Corporate Ltd. (CIC) soll einen Teil des mächtigen Devisenschatzes Chinas gewinnbringend anlegen. Die mit 200 Milliarden Dollar ausgestattete Investmentgesellschaft ist eine der größten der Welt. Sie hatte bereits im Mai für Schlagzeilen gesorgt, als sie sich noch vor dem offiziellen Start mit drei Milliarden Dollar am amerikanischen Finanzinvestor Blackstone beteiligte.

Chef dieser staatlichen „Heuschrecke“ ist der ehemalige Vizefinanzminister Lou Jiwei. Der studierte Informatiker und Ökonom ist schlagartig zu einem der wichtigsten Männer der internationalen Finanzwelt avanciert. Er versprach bei der Eröffnungsfeier „Transparenz“. Der Fonds werde unabhängig von der Regierung und strikt nach wirtschaftlichen Prinzipien arbeiten. Die Investitionen sollten langfristig sein und sich auf Finanzprodukte konzentrieren.

China verfügt über Devisen in Höhe von 1,4 Billionen Dollar

Regierungen und Unternehmen im Ausland zittern jedoch bereits vor der erwarteteten chinesischen Einkaufstour. Der Ökonom Liu Xiahui von der Pekinger Akademie für Sozialwissenschaften warnte, dass der Fonds in einigen Ländern auf Protektionismus stoßen könnte: „Der politische Druck wird gewaltig.“ Auch in Deutschland wird spekuliert, China könnte sich strategisch wichtige Industrieunternehmen unter den Nagel reißen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte kürzlich vorgerechnet, Staatsfonds dieser Art könnten „spielend ein Dutzend Dax-Konzerne aufkaufen“.

Nach Angaben von Morgan Stanley kontrollieren staatlich gelenkte Fonds weltweit ein Vermögen von 2500 Milliarden Dollar. Mit Mühe privatisierte Unternehmen wie die Telekom oder die Post könnten ins Visier der Investoren kommen. Die Bundesregierung hatte im Juli deshalb angekündigt, Schutzmechanismen gegen mögliche Übernahmen prüfen zu wollen. Peking bestreitet dagegen, sich ganze Unternehmen einverleiben zu wollen. „China betont, dass der Fonds Minderheitsbeteiligungen anstreben wird, um politische Kontroversen zu verhindern“, sagte Jing Ulrich, China-Expertin bei JP Morgan Securities. Allerdings dürften die Aktivitäten des Fonds allein wegen seiner verfügbaren Mittel schon argwöhnisch beäugt werden, glaubt die Finanzexpertin. Durch den Exportüberschuss verfügt China über Devisen in Höhe von 1,4 Billionen Dollar. Bisher hatte Peking das Geld vor allem in sichere US-Schatzanleihen angelegt, die aber nur wenig Gewinn versprechen. Nun schielt die Führung in Peking auf höhere Renditen.

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