Finanzmarktkrise : EU und Banken wollen Reformen

Nach acht Monaten Finanzmarktkrise kommen nun konkrete Pläne für System-Reformen auf den Tisch: Ein neuer Kodex soll die Transparenz verbessern - und auch Vorgaben zu den Boni von Managern und der Rolle der Ratingagenturen umfassen.

Frankfurt/Brdo Führende internationale Banken wollen kommende Woche einen Kodex mit Vorschlägen präsentieren, wie Kreditinstitute die Unternehmensführung verbessern und transparenter werden können. Ziel ist laut Experten, die Märkte zu beruhigen und das Vertrauen in die Banken wiederherzustellen - aber auch gesetzlichen Vorgaben zuvorzukommen. Die EU-Finanzminister beschlossen unterdessen, bis zu 30 europäischen Geldkonzernen öffentliche Expertengremien an die Seite zu stellen. Diese "Stabilitätsgruppen" sollen mit Vertretern nationaler Aufsichtsbehörden besetzt werden und sich ein Bild über mögliche Risiken machen.

Der Kodex, den der Internationale Bankenverband IIF an diesem Mittwoch in Frankfurt vorstellen will, enthält nach Angaben aus Frankfurter Bankenkreisen Empfehlungen zum besseren Risikomanagement und fordert mehr Transparenz bei der Bewertung komplizierter Finanzmarktprodukte.

Auch geht es um eine wichtige Änderung der Bilanzierungsregeln: Papiere, für die mangels Nachfrage keine Kurse festgestellt werden, sollen nicht mehr täglich neu bewertet werden müssen. Da der Markt für zweitrangige US-Immobilienkredite zusammengebrochen ist und die Papiere praktisch unverkäuflich sind, gilt die bisherige Praxis als problematisch, weil die Banken höhere Abschreibungen vornehmen müssen, als es aus ihrer Sicht ökonomisch nötig wäre. Vor wenigen Tagen hatte sich auch die Deutsche Bundesbank für eine Änderung der Bilanzierungsregeln für Banken ausgesprochen.

Keine schnelle Beruhigung erwartet

Die Bewertungsregeln, die die aufsehenerregenden Milliarden-Abschreibungen der vergangenen Monate nötig gemacht haben, sind vielen Bankern ein Dorn im Auge. Der Chef der größten deutschen Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Siegfried Jaschinski, beschrieb das Problem so: "Die Märkte schwanken derzeit so sehr, dass Banken, die davon betroffen sind, im Prinzip jeden Tag neue Wasserstandsmeldungen geben können."

Es gebe ein Angebot, aber keine Nachfrage, "und dadurch kommen viele Kurse zustande, die jeden Tag sehr unterschiedlich sind", sagte Jaschinski der "WirtschaftsWoche". Die Finanzmarktkrise sei noch lange nicht ausgestanden. "Es gibt keine funktionierenden Märkte." Dies betreffe nicht nur das Geschäft mit verbrieften Krediten, sondern reiche auch bis in den Handel mit Pfandbriefen und Anleihen hinein. "Ich denke auch nicht, dass sich das bald wieder beruhigt." Jaschinskis Kollege von der BayernLB, Michael Kemmer, sprach in der "Süddeutschen Zeitung" von einem "hysterischen" Markt.

Ultimatum an Ratingagenturen

Der Kodex umfasst aber auch Vorgaben zu den Boni von Managern sowie der Rolle von Ratingagenturen. Der internationale Bankenverband IIF (Institute of International Finance) mit Sitz in Washington vertritt 370 führende Banken und Kreditinstitute der Welt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird als Verbandspräsident das Papier  gemeinsam mit anderen IIF-Mitgliedern vorstellen.

Die Deutsche Bank gehört zu den international tätigen europäischen Kreditinstituten, die von den EU-Plänen für zusätzliche Expertengremien betroffen wären. Diplomaten berichteten, in Deutschland dürften die "Stabilitätsgruppen" auch die Versicherungs- Riesen Allianz und Münchener Rück sowie - über die italienische Mutter UniCredit - die HypoVereinsbank bekommen. Der Plan soll in der kommenden Woche beim Treffen der G7-Finanzminister in Washington präsentiert werden.

Die EU-Finanzminister stellten bei ihrem Treffen im slowenischen Brdo auch den am Finanzmarkt überaus einflussreichen Ratingagenturen wie Moody's und Standard & Poor's ein Ultimatum, ihre Bewertungsmethoden offenzulegen. Besonders soll die Rolle der Ratingagenturen bei der Beurteilung komplexer Finanzprodukte erhellt werden. "Wenn die Ratingagenturen nicht bis Mai mit Vorschlägen kommen, werden regulatorische Alternativen ins Auge gefasst werden", drohte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy. (jam/dpa)

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