Finanzprodukte : Volkspapiere fürs Depot

Banken sollen ihren Kunden neben ihren hausgemachten Finanzangeboten künftig auch ein standardisiertes Produkt anbieten. Das fordert der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Auch die Politik will die Anleger schützen.

Heike Jahberg

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert klare Fortschritte von dem in der nächsten Woche stattfindenden Weltfinanzgipfel. Es dürfe „kein Produkt, kein Platz und kein Institut ohne Regelungen bleiben“, sagte die Kanzlerin am Freitag in Berlin. „Das Treffen ins Pittsburgh muss konkrete Ergebnisse bringen.“

Doch selbst wenn es auf internationaler Ebene keine Einigung geben sollte, müsse die Bundesregierung handeln, verlangen Verbraucherschützer. Notfalls müsse Deutschland einen Alleingang wagen. Nur so könne verhindert werden, dass Kunden – wie in der Vergangenheit – von den Banken riskante Papiere angedreht bekommen und mit schlechten Investments zehntausende Euro verlieren. Damit die Kunden die Versprechungen der Bankberater überprüfen können, fordert Manfred Westphal, Finanzexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV), eine Art Beipackzettel für Finanzprodukte. „Auf diesem Produktinformationsblatt sollen Kosten und Risiken der Anlage klar zu erkennen sein“, sagte Westphal. Eine Vorlage für die Banken hat das Bundesverbraucherschutzministerium bereits erarbeitet. Sollten die Institute dieses Muster nicht freiwillig nutzen, sollte die Produktinformation gesetzlich vorgeschrieben werden, fordert der Verbraucherschützer.

Zudem sollten die Banken ihre Produkte vereinfachen, meint Westphal: „Die Geldhäuser sollen in jedem Segment ein standardisiertes Produkt anbieten, das faire Mindestbedingungen enthält.“ Mit ihren hausgemachten Geldanlagen würden die Institute die Risiken der Anlage verschleiern, kritisiert der Verbraucherschützer. Das wäre bei dem Standardprodukt anders. Die EU-Kommission denkt ebenfalls in diese Richtung: Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva arbeitet bereits an diesem Projekt.

Auch die Union will die Verbraucher besser schützen. Hochriskante Anlagen sollen Privatkunden nicht mehr kaufen können, sagte Otto Bernhardt, finanzpolitischer Sprecher der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, dem Tagesspiegel. Das gelte etwa für Hedgefonds. Aber auch Zertifikate könnten darunter fallen, meint der CDU-Politiker. „Wenn 40 000 Menschen mit Lehman-Zertifikaten Geld verlieren, muss man daraus Konsequenzen ziehen“, betont der Finanzexperte. Auch Hebelprodukte sieht man in der Union kritisch. Das sind Wertpapiere, bei denen Kursverluste oder -gewinne vervielfacht werden. „Die Banken sagen immer, wie weit es nach oben gehen kann, aber verschweigen, wie tief man abstürzen kann“, kritisiert Bernhardt. Die Diskussion darüber sei jedoch in seiner Fraktion noch nicht abgeschlossen.

Die SPD setzt sich für eine stärkere Regulierung und eine Kontrolle der Finanzmärkte durch die Finanzaufsicht Bafin ein. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sind für einen Finanz-Tüv. Auch eine Ampel, wie sie für Lebensmittel diskutiert wird, ist im Gespräch. Doch bereits in der Fraktion gibt es Vorbehalte. Ob eine Geldanlage gut, mäßig oder gefährlich sei, könne man nicht pauschal beurteilen, heißt es bei Finanzexperten. Was für einen 30-jährigen Arbeitnehmer passe, könne für einen Rentner eine schlechte Geldanlage sein.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) ist sowohl gegen einen Finanz-Tüv als auch gegen eine Ampellösung. Sie fürchtet, dass der Staat in die Haftung genommen werden könnte, falls ein von der Finanzaufsicht Bafin als unbedenklich eingeschätztes Produkt den Anlegern Verluste einbrockt. Aigner setzt auf eine Verbesserung der Beratung. Für die Verbraucher müsse künftig besser erkennbar sein, ob ein Berater auf Honorarbasis arbeite oder Provisionen von den Anbietern bekomme.

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