Fonds : Die günstige Alternative

Exchange Traded Funds sind billiger als andere Fonds. Doch die Banken bewerben sie nicht.

Veronika Czisi

1032 Milliarden Dollar stecken weltweit in einer Anlageform, die hierzulande von Privatanlegern immer noch wenig beachtet wird: Exchange Traded Funds, kurz ETF. Der für deutsche Ohren komplizierte Begriff beschreibt ein ganz schlichtes Anlage-Vehikel. ETF sind Fonds, die wie Aktien an der Börse gehandelt werden und einen bestimmten Index, etwa den Dax, abbilden. Anders als bei normalen Investmentfonds kümmert sich also kein teures Managementteam um die richtige Auswahl von Aktien, Rohstoffen oder festverzinslichen Wertpapieren. Ein ETF spiegelt nur passiv die Wertentwicklung eines Index wieder. Dies kann der Dax, der Tec-Dax oder der M-Dax sein, der europäische EuroStoxx 50, der amerikanische Dow Jones, oder auch ein exotischerer Index wie der MSCI India. ETF sind inzwischen auch nicht nur für alle gängigen Aktienindizes, sondern für nahezu jedes erdenkliche Investitionsziel erhältlich: Es gibt börsengehandelte Indexfonds auf deutsche Staatsanleihen mit ein bis drei Jahren Restlaufzeit, für Aktien mit hoher Dividende oder für US-Aktien mit guter CO2-Bilanz.

Weltweit sind mittlerweile rund 2000 verschiedene ETF von mehr als 100 Anbietern erhältlich. Auch in Deutschland wächst der Markt rasant: Ende 2009 hatte der Anleger die Wahl zwischen 550 Produkten, 150 mehr als ein Jahr zuvor. Allein im letzten Jahr sind nach Erkenntnissen der Deutschen Bank weltweit 222 Milliarden Euro in ETF geflossen. Für 2010 erwartet die Bank Wachstumsraten zwischen 30 und 35 Prozent. Dennoch: Nicht Privatanleger, sondern vor allem professionelle Investoren wie Vermögensverwalter, Versicherungen oder Banken halten ETF in ihren Portfolios.

Dass die passiven Indexfonds bei den Profis so beliebt sind, hat einen schlichten Grund: Im Vergleich zu den meisten herkömmlichen Fonds sind ETF, die kein Management benötigen, sehr billig. Das in Deutschland meistgehandelte Produkt, der Dax-ETF vom Marktführer iShares, etwa kommt mit einer Kostenquote von 0,15 Prozent des Fondsvermögens aus. Zum Vergleich: Ein aktiv gemanagtes Papier, das ebenfalls in deutsche Standardwerte investiert, kostet meist 1,4 bis 1,9 Prozent, manchmal sogar drei Prozent pro Jahr. Was nach minimalen Unterschieden klingt, addiert sich langfristig zu enormen Summen: Legt ein Anleger beispielsweise 20 000 Euro 20 Jahre lang mit einer Rendite von sechs Prozent pro Jahr an, so verfügt er mit einem ETF (0,15 Prozent Kosten, kein Ausgabeaufschlag) am Ende über 62 257 Euro. Kauft er einen Fonds, der die gleiche Rendite erwirtschaftet, aber 1,5 Prozent pro Jahr kostet, bei dem zudem anfangs ein Ausgabeaufschlag von fünf Prozent fällig wird, so sind es nach 20 Jahren nur 45 405 Euro. Nicht mitgerechnet sind hier die Ordergebühren der Depotbank und der „Spread“, mit dem ein ETF gehandelt wird. Der Spread ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, liegt jedoch bei den meisten ETF nur bei 0,1 Prozent.

Etwas höhere Spreads sind bei Produkten mit niedrigeren Börsenumsätzen fällig. „ETF sind die Preis-Leistungs-Sieger unter den Fonds“, lautet das Fazit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

„ETF eignen sich grundsätzlich für jeden Anleger als Grundbaustein der Geldanlage“, sagt Thomas Meyer zu Drewer, Deutschland-Chef von Lyxor, dem zweitgrößten Anbieter von ETF aus dem Konzern der französischen Großbank Société Générale.

Dass ETF dennoch rar sind in den Depots deutscher Privatanleger – nur etwa fünf bis maximal zehn Prozent der Umsätze gehen auf das Konto privater Investoren – liegt am Vertrieb: „Viele Privatanleger benötigen eine Beratung, die honoriert werden muss. Dies ist wegen der äußerst geringen Gebühren bei einem ETF nicht möglich“, sagt Andreas Fehrenbach, Vorstand von ETFlab, dem ETF-Anbieter aus dem Sparkassen-Verbund. Die Folge: „In den Sparkassen-Filialen werden ETF bei der Beratung nicht beworben und empfohlen.“ Stattdessen empfehlen die Berater an den Schaltern von Sparkassen und Banken ihren Kunden nur gängige Investmentfonds und kassieren den Ausgabeaufschlag von meist fünf Prozent. Der Löwenanteil der ETF, weiß Meyer zu Drewer, werde von erfahreneren Anlegern über Direktbanken gekauft, bisweilen jedoch auch über Honorarberater, die bankenunabhängige Beratung gegen Bezahlung bieten und daher auf die Provisionen nicht angewiesen sind.

Bei manchen Direktbanken kann der Anleger inzwischen sogar Sparpläne mit ETF abschließen, wobei er je nach Höhe der Sparrate die Gebühren im Auge behalten muss: Die Comdirect hat 80 verschiedene ETF im Programm, für deren Kauf Ordergebühren von 2,50 Euro plus 0,4 Prozent vom Volumen fällig werden. Bei der Dab-Bank sind es 58 ETF, die mit 2,50 Euro plus 0,25 Prozent je Transaktion zu Buche schlagen. Cortal Consors, eine Tochter von BNP Paribas, verlangt pauschal zwei Prozent, ist also bei kleineren Sparraten bis 140 Euro pro Monat stets günstiger. Bei Mini-Sparraten von 25 Euro schnappt dagegen die Gebührenfalle zu, denn hier summieren sich die Kaufkosten bisweilen auf über zehn Prozent. Der Vorteil der günstigeren laufenden Kosten bleibt allerdings erhalten. Doch nicht nur die Kostenseite können ETF als Vorteil für sich beanspruchen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen zitiert eine Langfriststudie, die 1892 aktiv gemanagte Fonds und deren Wertentwicklung über einen Zeitraum von 1961 bis 1995 untersucht hat. Das Ergebnis: 94 Prozent aller Fondsmanager konnten ihren Vergleichsindex nicht toppen. Aktuell scheint sich der Spieß umzudrehen: Auf Jahressicht liegen die Dax-ETF, egal ob vom Marktführer iShares oder anderen, durchweg gut 33 Prozent im Plus – ähnlich wie der Dax. Unter dem beim Fonds-Rating Morning Star aufgeführten aktiven DeutschlandFonds hat dagegen ein Gutteil den Dax auf Jahressicht deutlich geschlagen. Im Fünfjahresvergleich sieht dies jedoch schon wieder anders aus: Hier notieren nur noch drei Fonds über dem Index.

In punkto Sicherheit liegen ETF nahe an normalen Investmentfonds. Beide stellen ein sogenanntes Sondervermögen dar, das im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft laut Gesetz an die Fondsbesitzer ausgezahlt werden muss. ETF jedoch dürfen bis zu zehn Prozent ihres Vermögens in sogenannte Swaps stecken. Das sind Finanzkonstrukte, mit deren Hilfe sich der ETF-Anbieter die Wertentwicklung des Index von einer Partnerbank zur Verfügung stellen lässt, also swapt (tauscht). Nötig ist dies, weil es wegen der häufigen Schwankungen schwierig ist, den Index bis ins Detail mit Aktien abzubilden. Der Dax-ETF von ETFlab etwa ist aktuell zu 95,22 Prozent in Dax-Werten investiert, die restlichen 4,78 Prozent stecken in einem Swap. Das Verlustrisiko im sehr unwahrscheinlichen Falle einer Pleite der Deka-Bank liegt also aktuell in dieser Höhe. Zertifikate hingegen, die ebenfalls passive Indexinvestments anbieten, sind überhaupt nicht gegen eine Insolvenz des Anbieters abgesichert.

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