Frankreich : Banker der Société Générale festgenommen

Jérôme Kerviel brachte der Bank 4,9 Milliarden Euro Verlust. Nun muß er sich vor der Justiz verantworten. Unterdessen wiegelt die Bank Vorwürfe ab, man versuche eigene Versäumnisse zu vertuschen.

ParisZwei Tage nach Bekanntwerden des Milliardenbetrugs bei der französischen Großbank Société Générale hat die Polizei den mutmaßlichen Täter in Gewahrsam genommen. Der 31 Jahre alte Händler Jérôme Kerviel werde von Ermittlern verhört, berichtete heute der Sender France Info. Am Vortag hatten Beamte der Finanzbrigade seine Wohnung im Pariser Vorort Neuilly sowie den Firmensitz der Société Générale durchsucht. Die Anwältin des Händlers hatte betont, dass Kerviel nicht auf der Flucht sei, sondern der Justiz zur Verfügung stehe.

In Finanzkreisen wurden Zweifel laut, dass Kerviel allein verantwortlich für den Schaden sein könne. Der Händler hatte der Bank durch riskante Geschäfte einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingehandelt. Bankchef Daniel Bouton wies Vorwürfe zurück, die Bank habe Manipulationen des Juniorhändlers vorgeschoben, um eigene Versäumnisse zu vertuschen. "Wir sollen Verluste aus einem Loch in einem anderen Loch versteckt haben? Das ist weder technisch noch buchhalterisch möglich", sagte Bouton der Zeitung "Le Figaro". Er bekräftigte die These, Kerviel habe "die Kontrollen ausgetrickst, weil er sich mit dem System bestens auskannte".

Kerviel soll Wette auf Dax aufgebaut haben

"Es ist nicht das Ergebnis einer falschen Einschätzung unserer Risiken", fügte Bouton hinzu. "Es ist eher mit einem Akt der Brandstiftung zu vergleichen." Unterdessen wurden Details bekannt, wie der Händler den ungewöhnlich hohen Verlust verursacht haben könnte. Nach Informationen aus Händlerkreisen soll Kerviel eine gigantische Wette auf den deutschen Aktienindex Dax aufgebaut haben. Vor wenigen Wochen soll er 140.000 sogenannte Dax-Futures gekauft haben, berichtete heute "Der Spiegel". Dabei handelt es sich um Terminkontrakte, die an der deutsch-schweizerischen Börse Eurex gehandelt werden.

Bis Mitte Januar soll Kerviel etwa zwei Milliarden Euro Verlust gemacht haben. Dies sei der deutschen Niederlassung des Finanzdienstleisters Newedge aufgefallen, der für Société Générale die Eurex-Geschäfte abwickelt. Die Pariser Bankenchefs sollen die Alarmsignale aus Deutschland bekommen haben. Panikverkäufe zu Wochenbeginn hätten den Verlust noch verschlimmert, meint ein Händler.

In der französischen Regierung wird der Vorfall uneinheitlich bewertet. Präsident Nicolas Sarkozy sprach während seines Indienbesuchs von einem "internen Betrugsfall, der weder die Solidität noch die Vertrauenswürdigkeit des französischen Bankensystems infrage stellt". Premierminister François Fillon äußerte Zweifel an der These des Alleintäters. "Es ist schwer zu verstehen, dass ein einzelner in so kurzer Zeit solche großen Verluste verursachen kann", sagte er der Zeitung "Le Figaro". Er kritisierte, dass die Regierung erst am Mittwoch über den Fall informiert worden war, der der Bank bereits am Sonntag aufgefallen war. Fillon beauftrage das Wirtschaftsministerium, innerhalb von acht Tagen einen Bericht über den Fall vorzulegen. (ps/dpa)

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