Garantiefonds : Mit Sicherheit teuer

Garantiefonds sind beliebt – und kostspielig. Experten meinen jedoch, es gebe lohnendere Alternativen.

Veronika Csizi

Nichts ist den Anlegern derzeit wichtiger als die Sicherheit ihres Geldes: Eine Milliarde Euro steckten sie im ersten Quartal dieses Jahres in Garantiefonds, während gleichzeitig 3,5 Milliarden Euro aus normalen Aktien-, Renten- und Mischfonds abgezogen wurden. Damit vertrauen die Deutschen derzeit rund 28 Milliarden solchen Fonds mit Airbag an. Vor einem Jahr waren es nur knapp 19 Milliarden Euro, wie die Statistik des Fonds-Branchenverbandes BVI verrät. Die Fondsbranche kommt dem Wunsch der Anleger mit offenen Armen entgegen: Ende März waren 171 Garantiefonds auf dem Markt, 32 mehr als im Vorjahr. Im April gingen zahlreiche weitere an den Start.

Während Banken und Fondsindustrie die Publikumslieblinge feiern, schlagen unabhängige Finanzprofis kritische Töne an. Garantiefonds vereinten Sicherheit mit Renditechancen, werben die einen. Garantiefonds seien teuer, wenig transparent, renditeschwach und – zumindest langfristig – unnötig, bemängeln die anderen.

Schuld daran ist vor allem die Konstruktion: Garantiert wird meist die Sicherheit der anfangs eingezahlten Summe, allerdings ohne den Ausgabeaufschlag von drei bis fünf Prozent. Dazu investieren die Fonds meist einen Gutteil der Gelder in sichere Festzinspapiere wie Anleihen, deren Zinskupon den Kapitalerhalt sicherstellen soll. Nur ein kleiner Teil arbeitet renditestark an den Aktienmärkten, meist über Optionen oder Swaps. Doch Vorsicht: Die Geld-zurück- Garantie ist meist erst am Ende der Laufzeit oder nur zu bestimmten Stichtagen einlösbar. Wer zwischenzeitlich verkaufen will, muss ein Minus, teilweise sogar eine Strafgebühr in Kauf nehmen. Häufig ist die Beteiligung an Kursgewinnen auch mit einer Obergrenze gedeckelt.

Gerade in der aktuellen Börsensituation, kritisiert Christian Kratz vom Vermögensberater Rhein Asset Management, zeigten Garantiefonds ihre hässliche Seite: „Die Aktienquoten sind in der Baisse so stark gefallen, dass viele Garantiepapiere zu reinen Rentenfonds geworden sind.“ Der „Uni Garant Deutschland 2012“ von Union Investment etwa liegt seit Auflage knapp vier Prozent im Minus und ist zu 99,2 Prozent in Renten investiert, obwohl der Dax seit Anfang März um 33 Prozent gestiegen ist. Beim „DWS Deutschland Garant 2013“ summiert sich das Minus seit Fondsstart im Januar 2008 auf sieben Prozent, inklusive Ausgabeaufschlag sind es elf Prozent.

Sicher ist: Von der Erholung an den Aktienmärkten profitieren Aktienfonds mit Garantie nur noch wenig bis gar nicht mehr. Gleichzeitig seien die Zinsen an den Rentenmärkten im Keller, so dass die Rendite weiter gedeckelt werde, sagt Christian Kratz: „Vielfach wird sich der Anleger am Ende damit zufrieden geben müssen, dass er den Einsatz zurückerhält – mehr nicht.“ Bei der DWS werden nach gegenwärtigem Stand bei zwei Fonds am Laufzeitende keine Renditen jenseits der Garantie möglich sein, sagt Ferdinand Haas, Leiter des DWS-Geschäfts mit Garantiefonds. Für alle anderen Garantie- Papiere erwarte er zumindest Gewinne.

Für alle Garantiepapiere gilt: Der Wunsch nach Sicherheit frisst einen Großteil der möglichen Gewinne normaler Vergleichsprodukte auf. „Im Schnitt kostet die Garantie etwa die Hälfte der Performance“, sagt Uwe Wystup, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Wystup hat die Kosten der Garantie in einer Studie untersucht, verschiedene Garantiemodelle in tausenden Marktszenarien getestet und herausgefunden: „Für eine langfristige Geldanlage ab zehn Jahren sind Garantieprodukte völlig indiskutabel.“ Nach 25 Jahren, so Wystup, habe ein Anleger bis zu sechs Mal mehr Geld auf dem Konto, wenn er auf die teure Garantie verzichte, zumal langfristig die negativen Folgen von Crashs ausgeglichen würden. Berücksichtigen müsse der Anleger auch, dass die Garantie nur einen nominalen, nicht den realen Kapitalverlust verhindere. Nach 25 Jahren seien 1200 Euro bei einer durchschnittlichen Inflation von zwei Prozent nur noch 728 Euro wert.

Vermögensberater Kratz vergleicht den Boom von Garantiefonds mit dem Run auf Skihelme nach dem Unfall von Ministerpräsident Althaus: „Sicherheiten und Garantien werden immer am stärksten nachgefragt, wenn der Unfall schon passiert ist.“ Auch 2003, rund um das Tief der letzten Baisse, hätten Anleger sich verstärkt mit den damals neuen Garantiefonds eingedeckt. Nun, da der Dax in der Spitze von über 8000 bis auf 3600 Punkte gefallen und damit das Verlustrisiko deutlich geringer sei, poche der Anleger auf Vollkasko. Dies sei derzeit jedoch „besonders unsinnig“, sekundiert auch Wystup.

Vermögensverwalter Kratz glaubt, dass „Garantiefonds in sehr spekulativen Märkten Sinn machen könnten.“ Das Risiko eines Investments in Emerging Markets oder in Rohstoffen könne man durchaus mit einer Garantie abfedern.

Wer ohne Sicherheit und Garantie dem Herzinfarkt nahe ist, könne sich eine Garantie auch „selbst basteln“ (siehe Kasten), sagt Werner Hedrich, Analyst beim Fondsrating-Portal Morningstar. Eine Rechenbeispiel: Wer beispielsweise 10 000 Euro anlegen wolle, könne für 7400 Euro eine sichere Bundesanleihe mit einem Zinskupon von 3,5 Prozent kaufen, habe damit nach zehn Jahren sicher wieder 10 000 Euro auf dem Konto. Die restlichen 2600 Euro könne er in ein Indexpapier auf Dax oder Euro-Stoxx stecken, das auch auf Null fallen dürfe, ohne dass der Einsatz in Gefahr wäre.

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