Geld : Anleger sollten auf langfristige Trends setzen

Kommt der Aufschwung? Und wenn ja, wann? Statt sich mit vagen Prognosen und kurzfristigen Modethemen der Auguren zu beschäftigen, sollten Anleger mit langfristigerem Horizont die universalen Megatrends im Auge behalten.

Veronika Csizi

Die Globalisierung hat, unterstützt von ihrem Begleitmedium Internet, alte Strukturen auf den Kopf gestellt. Wie stark auch andere Megatrends unser Leben revolutionieren, wird sich erst rückblickend erkennen lassen. Doch ob Alterung der Gesellschaften, Klimawandel, zunehmende Mobilität oder Dollarkrise: Für Anleger ergeben sich vielfältige Chancen.

EMERGING MARKETS

Die Zahlen sprechen für sich: Der indische Index Bombay Stock Exchange (BSE) dümpelte bis 2003 zwischen 3000 und 5000 Punkten – heute liegt er bei gut 17 000. Der chinesische Shanghai A, Mitte der neunziger Jahre noch bei 450 Zählern, notiert nun bei knapp 3000 Punkten. Ähnlich verhält es sich in den sogenannten Bric-Ländern (Brasilien, Russland, Indien und China). Der russische RTX, der brasilianische Bovespa und der indische BSE haben sich ebenfalls mehr als verdoppelt.

HSBC rechnet für die Emerging Markets 2010 mit sechs Prozent Wachstum. Schon in 20 Jahren, prognostiziert Goldman Sachs, werde das Bruttoinlandsprodukt der Bric-Staaten über jenem der G 7 liegen. Welche Chancen in den Bric ruhen, verdeutlicht auch das Wohlstandsgefälle: Während China Deutschland 2010 wohl in absoluten Zahlen als Exportweltmeister überholen wird, bleibt unser Land in der Pro-Kopf-Rechnung um Längen vorne: Auf jeden Deutschen kommt ein Warenexport von 12 500 Dollar pro Jahr, auf jeden Chinesen nur 1000 Dollar. Wer sich die Bric ins Depot holen will, kann dies am einfachsten über mehr als 50 verschiedene Fonds und ETF tun.

ZINSEN

Die Zinswende rückt näher. Seit kurzem glaubt wieder eine Mehrheit der Volkswirte in Europa daran, dass die Leitzinsen binnen Jahresfrist steigen, zumindest um einen Viertelprozentpunkt auf 1,25 Prozent, vielleicht sogar höher. Anleger, die noch im Zinstief emittierte Staatsanleihen im Depot haben, dürfte dies wenig freuen. Denn Anleihen könnten dann unter Beschuss geraten: Zum einen, weil neue, höher verzinste Anleihen attraktiver sind als alte Bonds, deren Kurse folglich fallen könnten. Zum anderen, weil eine dann erwartete Inflation kräftig an den ohnehin niedrigen Renditen knabbert. Gleichzeitig wird die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte weiter hohe Neuemissionen erforderlich machen. Das hohe Angebot bei gleichzeitig höheren Renditen in anderen Assetklassen könnte weiteren Druck auf die Kurse ausüben. Der neue Trend könnte lauten: Raus aus Staatsanleihen. Die meisten Fondsmanager rechnen erst 2010 mit Schwächen am Rentenmarkt. Schon jetzt bieten Banken teilweise mehr als der Staat. Wer sein Geld dem Finanzminister für zehn Jahre leiht, erhält 3,1 Prozent pro Jahr. Bei fünf Jahren sind es nur 2,3 Prozent. Die besten Banken legen für diesen Zeitraum bereits 3,75 Prozent hin.

GESUNDHEIT UND DEMOGRAFIE

Jedes zweite Kind, das bis jetzt im 21. Jahrhundert geboren wurde, könnte seinen 100.Geburtstag erleben, sagt die Forschung. Um sechs bis sieben Wochen erweitert sich die Lebensspanne jedes Jahr. 2050 wird jeder zweite Deutsche über 50 sein, 38 Prozent sogar über 60, prognostiziert das Statistische Bundesamt. Da Alter oft mit Erkrankungen einhergeht, wird der Anteil kranker Menschen in der Gesellschaft steigen. Das Thema Gesundheit könnte so zu einer Schlüsselressource werden. Gleichzeitig werden die Fortschritte in der Medizin den älteren Menschen erlauben, viel länger viel aktiver zu bleiben. Auch die Anleger können sich auf diesen Megatrend einstellen. Von der Alterung profitieren einerseits Unternehmen aus den Bereichen Medizintechnik, Pharma, Biotechnologie, andererseits aber auch Reisekonzerne, Hersteller von Luxusartikeln und Anbieter von Freizeitdienstleistungen, Health-Food und Wellness. Immer mehr Fondshäuser haben entsprechende Themenfonds in ihrer Produktpalette, etwa der DWS Life Sciences, der Apo Medical Opportunities oder der Uni-Sector GenTec.

MOBILITÄT

Binnen 15 Jahren hat sich der Flugverkehr verdoppelt. Immer mehr Menschen reisen zu immer ferneren Zielen, auch in den Schwellenländern: In China sollen 20 Millionen Menschen eine Europareise planen. Gleichzeitig werden die Anforderungen an die Mobilität im Beruf in der globalisierten und flexiblen Arbeitswelt bzw. im sozialen Umfeld immer höher: Schnelle Jobwechsel, höhere Scheidungsraten, häufigere Wohnortwechsel stellen ganz neue Anforderungen an Reise- und Verkehrsunternehmen, an Anbieter von Services und Wohnraum, von Fahrzeugen für Boden, Wasser und Luft. Unternehmen aus diesen Branchen werden in den kommenden Jahrzehnten, wenn dieser Megatrend anhält, jedoch nur selten zu den Top-Picks der Geldanlage gehören, denn der Druck auf die Preise dürfte anhalten.

KLIMA

Der hohe Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem CO2, heizt die Atmosphäre auf, lässt die Pole abschmelzen, die Permafrostböden auftauen, sorgt für Überflutungen, Klimawandel, Artensterben. Die Nutzung von Sonne, Wind und Biomasse zur Energiegewinnung und CO2-Reduzierung wird deshalb boomen. Wie in der Solarbranche kommt auch beim Thema Wind harte Konkurrenz aus China, dank Milliardeninvestitionen neben den USA, Spanien und Deutschland führendes Windland. Erneuerbare Energien sollen aber bis 2020 rund 20 Prozent des Bedarfs in Europa decken. Der Markt wird sich zwar ordnen, konzentrieren, Preisdruck verkraften müssen, aber weiter vor guten Geschäften stehen. Wer die Branche nicht ausreichend kennt, sollte auf Fonds mit dem Etikett Klimaschutz und Neue Energien setzen – etwa den DWS Invest Climate Change, den BGF New Energy Fund oder den Crédit Suisse Future Energy. Aus dem Hause Lyxor gibt es auch einen passiven Indexfonds, den ETF New Energy. Der Axa Comfort Megatrends wiederum investiert über verschiedene Indexfonds nicht nur in Nachhaltigkeit, sondern auch in Rohstoffe, Demografie und Infrastruktur.

WASSER

Zwar befinden sich 1386 Milliarden Kubikkilometer Wasser auf der Erde – in gleichbleibender Menge. Davon steht jedoch nur ein Prozent als Trinkwasser zur Verfügung, das gleichzeitig von einer täglich um 216 000 Menschen wachsenden Erdbevölkerung in Anspruch genommen wird. 1,4 Milliarden Menschen haben derzeit keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2050 werden es laut Unesco sogar sieben Milliarden sein. Hersteller von neuen Techniken zur Trinkwasserreinigung, zum sparsameren Verbrauch in Landwirtschaft, Haushalt und Industrie oder zur gerechteren Verteilung der Ressource, zum Aufbau modernerer Infrastrukturen oder günstigerer Meerwasser-Entsalzung könnten vor goldenen Zeiten stehen. Die ETF-Anbieter Lyxor und Powershares haben zwei passive ETF-Investments im Programm, die Schweizer Fondshäuser Pictet und SAM zwei spezielle Wasserfonds.

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