Finanzen : Geld ausgeben, das man nicht hat

Einen Kredit kriegt man schnell. Für spendierfreudige Verbraucher kann das gefährlich werden

Maximilian Pisacane

Ob Urlaub, Plasmafernseher oder Kaffeeautomat – inzwischen gibt es alles auf Raten. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Citibank nehmen Bundesbürger am liebsten Konsumentenkredite für Möbel, Auto, finanziellen Spielraum, Bildung, Unterhaltungselektronik und Urlaub an, in dieser Rangfolge. Doch Konsumentenkredite geraten immer mehr in die Kritik, weil sie Verbraucher zu unkontrolliertem Konsumverhalten und dann in die Schuldenfalle führen. Der wissenschaftliche Beweis für einen solchen Zusammenhang zwischen Überschuldung und Kreditangebot existiert bislang aber nicht. „Jede Überschuldungsbiografie ist individuell“, sagt Helga Springeneer vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv).

Was Verbraucher für praktisch halten, ist für die Banken ein lohnendes Geschäft. Da mehr als 90 Prozent der Kredite zurückbezahlt werden, ist das Risiko für sie gering. Verständlich, dass neben den Privatbanken auch die Sparkassen mitmachen wollen. Neben der Deutschen Kreditbank AG, die zur Bayern LB gehört, ist seit Januar auch die West-LB-Tochter Readybank auf dem Markt tätig – mit ihrem Zinsangebot ab vier Prozent zählt sie sogar zu den günstigsten Anbietern. „Diese Vertriebsform ist ein europaweiter Trend – da sind andere Länder wie beispielsweise Großbritannien schon wesentlich weiter“, sagt Simone Stein von der Readybank. Dort, wo die Readybank jetzt schon ist, will Heinrich Haasis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, unter anderem auch mit der Landesbank Berlin noch hin: „Große Handelsketten bieten den Kunden heute beim Kauf gleich Konsumentenkreditverträge mit an“, sagte Hassis kürzlich in einem Tagesspiegel-Interview. „Da waren regionale Institute bisher nicht die bevorzugten Partner, weil den Handelsunternehmen ein zentraler Ansprechpartner fehlt. Das können wir in den nächsten Jahren nutzen.“

Bei Konsumentenkrediten gibt es zwei Strategien: Entweder bilden Handelsunternehmen nach dem Vorbild der Autohersteller eigene Banken, so wie beispielsweise C&A, das im April die Banklizenz erhielt; oder aber Finanzinstitute kooperieren mit Händlern. Bei den Metro- Töchtern Saturn und Media-Markt sind gleich vier Bankhäuser mit im Geschäft: CC Bank Santander, GE Money Bank, Deutsche Bank und Citibank. „Dabei sind alle vier Banken gleichgestellte Kooperationspartner“, heißt es aus der Saturn-Zentrale. Warum dann so viele verschiedene Anbieter? „Media-Markt und Saturn sind dezentral aufgestellt und jeder Geschäftsführer vor Ort entscheidet über sein Sortiment aus seiner Kenntnis der spezifischen Bedürfnisse seiner Kunden und legt die Preise vor Ort fest, sagt ein Saturn-Sprecher. Der Leiter entscheide auch darüber, mit welcher Bank er zusammenarbeitet und verhandelt mit dieser den effektiven Jahreszins, erklärt der Sprecher. Durchaus möglich also, dass ein Kunde am Alexanderplatz andere Ratenkonditionen erhält, als ein Kunde in einer Düsseldorfer Filiale.

Wenn ein Festzins angeboten wird, ist das ein faires und unproblematisches Geschäft. Problematischer wird es, wenn der Zins variabel ist. Ein Problem sehen Verbraucherschützer vor allem in der Praxis der standardisierten Bonitätsprüfung, also der Kreditwürdigkeit. „Nach welchen Kriterien die Banken die Bonität feststellen, bleibt im Dunkeln“, sagt vzbv-Expertin Springeneer. „Diese mangelnde Transparenz macht es Kunden unmöglich, die Angebote zu vergleichen.“ Eine schlechte Bonität schlägt sich in höheren Zinsen nieder: Mehr als zehn Prozent könne der effektive Jahreszins laut Anbieterübersicht des unabhängigen Finanzinformationsdienstes FMH-Finanzberatung (www.fmh.de) betragen, so beim Angebot der Hamburger Sparkasse.

Der niedrigste Zinssatz in der FMH-Tabelle, das Online-Angebot von Credit4me, liegt bei 3,49 Prozent. Doch meist sei ein niedriger Zinssatz nur ein Lockangebot, sagen Marktbeobachter. Frank Wilde von der Verbraucherzentrale Berlin kennt „niemanden, der den Mindestzins erhalten hat“. Denn anders als etwa in Großbritannien, dürfen Banken hierzulande mit dem Mindestzins auch dann werben, wenn ihn nur eine Minderheit bekommt. Bei den Briten dürfen nur Angebote beworben werden, die zwei Dritteln der Kunden offenstehen.

Aufpassen sollten Verbraucher auch, wenn die Banken ihnen eine Restschuldversicherung anbieten. Die Banken werben damit, dass diese das Risiko für die Erben im Todesfall oder bei Arbeitslosigkeit abfedern. „Eine solche Versicherung kann die Kosten für den aufgenommenen Kredit um bis zu 40 Prozent anheben“, erklärt ein Marktbeobachter. Dabei bietet sie gerade bei Arbeitslosigkeit nur temporären Aufschub. Und im Todesfall seien die Erben nicht verpflichtet den Nachlass inklusive Schulden anzutreten.

Wirklich gefährlich wird es nach Ansicht Springeneers bei Kreditketten: Manche Verbraucher müssen neue Kredite aufnehmen, um alte abzubezahlen. Das ist meist ein Minusgeschäft für den Verbraucher, weil er den neuen Kredit teuer bezahlen muss. Der Weg in die Schuldenfalle wird dadurch beschleunigt.

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