Geldanlage : Bleischwer im Depot

Kurse von Biospritherstellern sind seit Monaten im Keller. Wer Geduld hat, könnte trotzdem profitieren.

Maren Peters

Der Gedanke an die Kursrallye, die Analysten den Biospritaktien noch im Herbst vorhergesagt haben, dürfte manchen Anlegern heute nur noch ein säuerliches Lächeln entlocken. Es ist anders gekommen. Statt steil nach oben zu steigen, sind die Aktienkurse von Biokraftstoff- und Biogasherstellern ganz tief unten im Börsenkeller gelandet. Angesichts zunehmender Kritik an der Konkurrenz von Teller und Tank, an hohen Lebensmittelpreisen, schlechter Klimabilanz und Regenwaldrodung ist schwer vorstellbar, dass es wieder aufwärts gehen könnte mit den Biospritaktien. „Viel schlimmer kann es eigentlich nicht mehr kommen“, sagt ein Analyst.

Die Aktien von Biospritherstellern wie der Südzucker-Tochter Crop Science, dem größten deutschen Bioethanol-Hersteller, von Verbio (Bioethanol und Biodiesel) oder Biodieselproduzenten wie Petrotec und BDI Diesel haben im vergangenen Jahr kräftig an Wert verloren. Schnelle Erholung ist nicht in Sicht. „Es wird ein sehr schwieriges Jahr im Biokraftstoffbereich“, prophezeit Michael Schäfer, Analyst von Equity Research.

Trotzdem haben sich die Börsianer noch nicht komplett von Biokraftstoffen verabschiedet. Sie empfehlen nur, sehr genau hinzuschauen, wo sich ein Investment noch lohnt. „Es gibt Licht und Schatten in der Branche“, sagt Thomas Deser, Analyst und Fondsmanager bei Union Investment in Frankfurt. „Wer einen langen Anlagehorizont hat, kann bei einigen Unternehmen eine vernünftige Rendite erwarten“, sagt der Experte. Anleger müssen allerdings mindestens ein- bis zwei Jahre Geduld aufbringen.

Das Besondere – und auch Problematische – an der Biospritbranche ist, dass sie sehr stark von Faktoren abhängig ist, die sie nicht beeinflussen kann. Da sind vor allem die politischen Rahmenbedingungen wie die staatlich verordnete Beimischungsquote und der Steuersatz auf den Alternativsprit. Beschließt die Politik eine hohe Beimischungsquote für Biosprit, dann ist das auch ein Investitionsprogramm für die Hersteller.

Abhängig sind die Hersteller auch von den steuerlichen Rahmenbedingungen: Als die Bundesregierung 2006 Besteuerung für Biodiesel einführte, hatten die Hersteller ein Problem, weil der Preisvorteil gegenüber Normalsprit schrumpfte.

In allzu optimistischer Erwartung kräftiger staatlicher Unterstützung haben die deutschen Hersteller allerdings viel zu hohe Kapazitäten aufgebaut. 4,5 Millionen Tonnen Biodiesel könnten sie pro Jahr produzieren, los werden sie derzeit aber nur 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr.

Der Verband der Biokraftstoffindustrie warnt seit Monaten, dass die Schließung vieler deutscher Biodieselproduzenten drohe, wenn die Politik die Anfang 2008 gestiegene Steuer nicht wieder zurücknehme. Einige kleinere Firmen haben bereits Insolvenz angemeldet, in der Branche wird erwartet, dass sich die Marktbereinigung fortsetzt.

Die Zukunft der Biospritbranche – und damit auch ihre Aktienkurse – hängt aber auch davon ab, wie sich der Ölpreis entwickelt. Nur, wenn der langfristig hoch bleibt – am Mittwoch kostete das Fass Rohöl erstmals mehr als 132 Dollar – lohnt sich auch die Investition in Biosprit-Unternehmen. „Das Ölpreisniveau beeinflusst die Investoren“, sagt Union-Investment-Analyst Deser.

Auch andere Rohstoffe wie Raps, Mais oder Sojaöl spielen eine immer größere Rolle bei der Kalkulation, seit die Nahrungsmittelpreise im vergangenen Jahr weltweit drastisch gestiegen sind. So sahen sich die Biodieselproduzenten Petrotec und Verbio im vergangenen Herbst gezwungen, eine Gewinnwarnung herauszugeben, weil nicht nur der Ölpreis gesunken, sondern auch Rapsöl, ein wichtiger Grundstoff, teurer geworden war. Das zog auch die Aktien der Konkurrenz nach unten. Noch deutet sich bei den Rohstoffen kaum Entspannung an.

Auf dem Weltmarkt drohen deutschen Anbietern noch andere Gefahren. Brasilien kann Bioethanol aus Zuckerrohr viel günstiger produzieren als deutsche Konkurrenten, aus den USA schwappt zudem billiger, weil steuerlich hochsubventionierter B99-Biodiesel nach Deutschland, dem nur ein Prozent normaler Diesel beigemischt ist. Einige deutsche Hersteller sind deshalb dazu übergegangen, die eigene Produktion herunterzufahren und stattdessen mit B99-Diesel zu handeln. Der politische Druck auf die USA ist allerdings so groß, dass die B99-Konkurrenz bald beendet sein dürfte, wie die Branche erwartet. Mit Entlastung rechnen Biodieselhersteller zudem Anfang 2009, falls die Regierung die Beimischungsquote für Biodiesel von derzeit fünf Prozent erhöht.

Ob sich ein Investment deshalb lohnt? „Anleger müssen bereit sein, ein hohes Risiko einzugehen und sie müssen einen langen Atem haben“, meint Analyst Schäfer. Sein Kollege Matthias Fawer von der Schweizer Bank Sarasin rät dagegen, vorerst ganz die Finger von Biospritaktien zu lassen. „Wir setzen auf die zweite Generation von Biokraftstoffen, die aus Abfallstoffen hergestellt wird“, sagt er. Bis sie reif für den Tank ist, könnten aber noch mindestens fünf Jahre vergehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar