Geldanlage : „Das Gold der nächsten Jahre“

Die Verbraucher ärgern sich, die Anleger freut es: Lebensmittel werden teurer. Doch Rohstoff-Anlagen sind riskant.

Veronika Csizi
Käse
So ein Käse. Nicht nur Milchprodukte sind zuletzt deutlich teurer geworden. -Foto: dpa

„Profitieren Sie von der steigenden Milchnachfrage“, wirbt die Société Générale auf ihrer Homepage. Die Bank hat gerade ein Zertifikat auf den Milch-Future aufgelegt. Wer sich also an der Supermarkt- Kasse über drastisch gestiegene Preise für Milch und Butter, demnächst vielleicht auch für Quark und Käse ärgert, könnte sich im Depot über einen finanziellen Ausgleich freuen. Denn landwirtschaftliche Erzeugnisse sind nicht nur ein Handelsgut zwischen Landwirten, Industrie, Handelsketten und Verbrauchern. Vor allem in New York und Chicago, der größten Warenterminbörse der Welt, werden Lebensmittel und Agrar- Rohstoffe auch mithilfe von Futures, also börsengehandelten Termingeschäften, von Investoren gehandelt.

Doch nicht nur Milchprodukte sind teurer geworden. Weltweit sind zahlreiche Agrar-Rohstoffe angezogen. Im internationalen Agrarbusiness, dem Handel mit den sogenannten Soft Commodities, den weichen Rohstoffen, herrscht Goldgräberstimmung. Relativ unbeeindruckt von den Turbulenzen an den Kredit- und Aktienmärkten ist der Weizenpreis seit April um etwa 75 Prozent explodiert. Mais verteuerte sich auf Jahressicht um rund 50 Prozent, Soja kostet etwa 80 Prozent mehr als im letzten Herbst. Kaffee, Kakao und Baumwolle haben zwar gerade den Rückwärtsgang eingelegt, liegen im Jahresvergleich aber immer noch zwischen zehn und 30 Prozent im Plus.

Michael Lewis, Rohstoff-Analyst bei der Deutschen Bank, sieht noch lange kein Ende: Verglichen mit der Hausse bei Energie und Metallen seien Agrar-Rohstoffe „immer noch billig“. Inflationsbereinigt notieren viele – trotz der jüngsten Preissprünge – auf dem Niveau von vor 15 bis 17 Jahren. Zumindest bis 2009 werden die Preise weiter anziehen, prognostiziert der Rohstoff-Experte. Noch optimistischer ist Fonds-Profi Jim Rogers, für den Nahrungsmittel „das Gold der nächsten 15 Jahre“ sind. Die Hausse werde erst zwischen 2014 und 2022 zu Ende gehen.



Die Gründe für den anhaltenden Boom sind vielfältig: Die Erdbevölkerung wächst rasant, die Nachfrage aus Schwellenländern und Entwicklungsländern mit wachsendem Wohlstand steigt. Vor allem der Fleischkonsum nimmt zu. Gleichzeitig führt der Klimawandel mit Dürren und Kälteperioden (aktuell zum Beispiel beim Weizen) zu Ernteausfällen und damit zu Angebotsverknappung. Letztere wird verschärft durch hohe Ölpreise, die die Nachfrage nach Biokraftsstoffen aus Mais, Zucker, Raps oder Soja ankurbeln. Nach Ansicht der Raiffeisen Centrobank wird sich der Verbrauch von Biotreibstoff alleine in den USA in den nächsten zehn Jahren verfünffachen. Ackerland wird also knapp.

Die meisten Banken sind auf diesen Trend aufgesprungen. Am Preisauftrieb teilhaben kann der Anleger über Zertifikate, Optionsscheine, Fonds, Anleihen – oder auch über Aktien von Agrarfirmen wie Monsanto und Syngenta oder Europas größter Agrar-Handelskonzern Baywa. In ihrem Fonds Agrar-Business hat die Deutsche-Bank-Tochter DWS beispielsweise auch den Futter-, Mehl- und Düngerproduzenten Bunge oder den Mais-Verarbeiter Corn Products. Wer direkter in Rohstoffe investieren möchte, kann dies über Future-Fonds wie den Deka Commodities oder den Tiberius Active Commodity tun, die allerdings auch in Energie und Metall investieren.

Die Wertentwicklung einzelner landwirtschaftlicher Produkte bilden am einfachsten Zertifikate ab. Vor allem ABN Amro, Goldman Sachs und die Société Générale bieten eine riesige Auswahl an Tracker-, Bonus- oder Garantie-Zertifikaten – ob zu Baumwolle, Mais, Kaffee, Sojabohnen, mageren Schweinen, Orangensaft oder Lebendrindern. Doch Vorsicht: Da Agrarrohstoffpreise über Future-Kontrakte mit einer maximalen Laufzeit von drei Monaten gehandelt werden, müssen die Zertifikate-Anbieter alle zwei bis drei Monate in neue, oft teurere Futures „rollieren“, was dem Kurs des Papiers meist einen Knick versetzt. Mit einer neuen Strategie und der Streuung auf verschiedene Laufzeiten versucht neuerdings die Schweizer UBS, diese strukturell bedingten Einbußen zu verringern.

Stärker nachgefragt als Scheine auf einzelne Rohstoffe sind Papiere, die sich an einem Korb von Rohstoffen oder an einem Agrar-Rohstoff-Index orientieren und damit das Risiko reduzieren. Dass Rohstoffe immer in US-Dollar gehandelt werden, birgt zusätzlich ein Währungsrisiko (aber auch eine Chance), das mit dem Kauf eines gesicherten „Quanto“- Zertifikats umgangen werden kann. Dies kostet etwa drei Prozent Performance im Jahr, zudem fällt bei Zertifikaten ein „Spread“ an, das heißt, der Kaufkurs liegt ein paar Prozent über dem Verkaufskurs.

Billiger und direkter lässt sich mit den „Exchange Trade Commodities“ (ETC) in Agrarrohstoffe investieren. ETCs sind Wertpapiere, die – ähnlich wie Indexfonds – möglichst genau und günstig den Preis des jeweiligen Rohstoff-Futures nachbilden und fortlaufend wie Aktien ge- und verkauft werden können. Auch Index-ETCs sind inzwischen auf dem Markt, etwa der ETFS Agriculture Dow Jones AIGCI, in dem Sojabohnen, Mais, Weizen, Baumwolle, Zucker, Kaffee und Sojaöl enthalten sind. 6,41 Prozent hat das Papier im letzten Quartal zugelegt.

Die meisten Analysten erwarten weiter harte Renditen mit den Soft Commodities. Allerdings eignet sich dieses Segment wegen seiner kurzfristigen Schwankungen nur für Menschen mit guten Nerven und für einen kleinen Teil des Depots.

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