Geldanlage : Deutsche entdecken Sparbuch wieder

Die Deutschen legen angesichts der Finanzkrise und aus Sorge um ihren Arbeitsplatz wieder mehr Geld auf die hohe Kante. Der Sparkassen-Verband schätzt, dass soviel Vermögen wie zuletzt vor 13 Jahren angelegt wird.

Berlin/WiesbadenPrivathaushalte setzen beim Sparen vor allem auf sichere Geldanlagen. Das geht aus dem Vermögensbarometer des Sparkassen-Verbandes sowie neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. "Der Gedanke des Sparens erlebt eine Renaissance", sagte Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis am Dienstag in Berlin. Von den verfügbaren Einkommen dürften Privathaushalte in diesem Jahr aus Sicht des Verbandes soviel beiseitelegen wie seit 1995 nicht mehr. Die Sparquote werde 2008 bei etwas über elf Prozent liegen.

Der mit Abstand wichtigste Faktor bei der Geldanlage sei Sicherheit, das Sparbuch gehöre zu den Top-Anlageformen. Haasis forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern. So könnte der Sparer-Pauschbetrag von derzeit 801 Euro wieder angehoben sowie Aktien- und Fondssparpläne besser gefördert werden.

Spar-Schnitt von 180 Euro pro Monat

Im ersten Halbjahr stieg die Sparquote nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 0,5 Punkte auf 11,3 Prozent. Im Schnitt legte jeder Einwohner 180 Euro monatlich zur Seite. Insgesamt wurden fast 89 Milliarden Euro gespart. Besonders gefragt waren Tagesgeldkonten und Festgeldanlagen. Viele Verbraucher scheuen nach Angaben der Statistiker derzeit auch große Anschaffungen.

Zuletzt lag die deutsche Sparquote 1995 bei 11 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren hatte sie sich bei mehr als zehn Prozent stabilisiert, nachdem sie im Jahr 2000 zu Zeiten des Börsenbooms auf den Tiefstand von 9,2 Prozent gesunken war. Mit einer zweistelligen Sparquote liegt Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze mit Frankreich (12,7 Prozent) und Österreich (10,1). In den den USA wird bei einer Quote von 0,4 Prozent quasi nichts gespart.

Nur vereinzelt heben Bürger ihr ganzes Geld ab

Insgesamt verfügen die Bundesbürger laut Sparkassenverband über 4,6 Billionen Euro Geldvermögen. Ein Drittel davon ist in Einlagen angelegt, ein weiteres Drittel in Wertpapieren. In den vergangenen Wochen habe es einen starken Zulauf bei Spareinlagen gegeben, sagte Haasis. Dies sei auch Folge der Turbulenzen an den Börsen. Für 91 Prozent der Befragten sei Sicherheit bei der Geldanlage "sehr wichtig" oder "wichtig". Die vier wichtigsten Sparformen seien für die Deutschen nach wie vor die Kapitals-Lebensversicherung, das Sparbuch, die private Rentenversicherung und der Bausparvertrag.

Zwar würden vereinzelt Bürger aus Sorge um ihre Einlagen ihr Geld ganz abheben. Dies sei aber kein flächendeckender Trend und kein Massenphänomen. Auch habe es vor vier Wochen "eine Phase gegeben", in der neue Schließfächer stärker nachgefragt worden seien. Aber auch dies sei nur "eine kleine Welle". Haasis erteilte erneut Plänen eine Absage, die bisher voneinander getrennten Einlagensicherungssysteme der deutschen Kreditwirtschaft zusammenzulegen. (imo/dpa)

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