Geldanlage : Drohung von der Beraterbank

Auf der Suche nach dem Kick-Back: Wie Mitarbeiter der Dresdner Bank gerade jetzt zum Jahresende Kunden zum Verkauf guter Fonds drängen.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Einen ansehnlichen fünfstelligen Betrag hat die Kundin investiert. Sie zählt zu den vorsichtigen, konservativen Anlegern und will mit der Anlage vorsorgen; auch für ein Familienmitglied, das ohne Betreuung nicht auskommt. Der Grundwerte-Immobilienfonds der Allianz-Tochter Degi ist das passende Produkt: Keine übermäßige, aber auch keine schlechte Rendite bei geringem Risiko.

Seit Wochen jedoch bedrängt sie ein Kundenberater einer Dresdner-Bank-Filiale in Frankfurt, den Fonds zu verkaufen. In fast aggressiven Ton fordert er sie immer wieder am Telefon auf, andere Aktienfonds und Zertifikate zu kaufen. Produkte mit beträchtlichen Risiken, die nicht dem Profil der Kundin entsprechen.

Das Beispiel ist kein Einzelfall. Auch andere Kunden der Dresdner Bank berichten von ähnlichen Attacken. Die Berater der Bank stehen offenbar unter Druck, fürchten um ihre mit der Geschäftsleitung vereinbarten Jahresziele und wollen ihre Provisionseinnahmen in den letzten Wochen des Jahres noch einmal hochschrauben.

Einem 70-jährigen Anleger aus Bonn erging es ähnlich. Ende Oktober meldet sich gar der Filialleiter der Dresdner Bank bei ihm. Von höchster Stelle sei er angewiesen, dem Kunden den Verkauf des Grundwerte-Fonds dringend ans Herz zu legen. Es drohe aufgrund der Krise auf dem US-Immobilienmarkt ein drastischer Wertverfall. Dies sei eine „Notaktion“. Dass der Fonds nicht in den USA investiert, erwähnt der Filialleiter nicht. Der ältere Herr verkauft. Ein 80-Jähriger verkauft nach massivem Drängen ebenfalls Fondsanteile im Wert von 60 000 Euro und investiert in andere Fonds. Der Bank dürften die Transaktionen Provisionen von rund 3000 Euro gebracht haben. Ähnliche Erfahrungen macht eine 82-jährige Dresdner-Bank- Kundin aus Stuttgart.

„Das ist doch ein Fall für den Staatsanwalt“, schimpft ein Kunde der Bank aus Mannheim. Ein anderer spricht von „kriminellen Methoden“. „Es gibt massive Proteste und Beschwerdebriefe", sagt ein Kenner der Szene. Vermögensberater bestätigten generell die „sehr aggressiven Methoden“ der Bank.

Auch die Allianz-Tochter Degi fürchtet wegen der rüden Beratermethoden um ihr Renommee. Sie hat bereits an die Dresdner Bank appelliert, die Berater zur Zurückhaltung zu mahnen. Ohne Erfolg: Nachdem im Oktober Anteile im Volumen von knapp 1,9 Milliarden Euro verkauft wurden, schmolz das Fondsvermögen im November um weitere 2,8 Milliarden Euro auf 2,4 Milliarden Euro.

Dabei gibt es keinen offensichtlichen Grund, den Grundwerte-Fonds zu verkaufen. „Der Fonds ist supergut aufgestellt. Die Performance ist ansehnlich. Ein solches Produkt gehört in jedes diversifizierte Depot mit mittel- bis langfristigen Anlagezielen“, sagt ein Fondsmanager. Immerhin liegt die Rendite bei gut vier Prozent pro Jahr – bei geringem Risiko.

Auch Dresdner-Bank-Sprecher Martin Halusa lobt den Fonds: „Der Fonds ist eine rentable Basisanlage, insbesondere für konservative Anleger.“ Doch die Berater der Bank sehen das offenbar anders und machen den Fonds gegenüber ihren Kunden schlecht.

Das Kalkül geht auf: Mindestens 40 Millionen Euro an zusätzlichen Provisionseinnahmen sollen der Dresdner Bank durch die Verkäufe von Grundwerte-Anteilen und die Wiederanlage in neue Fonds oder Zertifikate in die Kasse geflossen sein. Dabei profitieren Bank und Berater vor allem dann, wenn Aktienfonds oder andere risikoreichere Produkte verkauft werden. Hier ist die Provision mit rund fünf Prozent höher als bei vermeintlich langweiligen Immobilien- oder Rentenfonds. Zusätzlich kassiert der Berater einen Obolus der Fondsgesellschaft, im Branchenjargon der Kick-Back.

Volker Pietsch, Sprecher des Deutschen Instituts für Anleger (Dias) in Berlin bestätigt ebenso wie ein Frankfurter Anlageberater, dass der Druck auf die Berater zum Jahresende massiv steigt – nicht nur bei der Dresdner Bank. „Da gibt es Rennlisten, wer bislang die höchsten Provisionen eingespielt hat. Berater, die noch hinten liegen, werden angehalten, aufzuholen“, sagt Pietsch. Prämien locken, früher gab es schon mal eine goldene Uhr. Die Tendenz hat zugenommen, so Pietsch, weil immer öfter selbstständige, nicht fest angestellte Berater in den Banken sitzen. Bei ihnen klingelt die Kasse nur bei Erfolg.

Dresdner-Bank-Sprecher Halusa spricht hingegen von „Einzelfällen“, bei denen die Berater der Dresdner Bank (Werbeslogan „Die Beraterbank“) zu forsch auf die Kunden zugegangen seien. „Von Beschwerden ist mir nichts bekannt. Es gibt auch keine systematische Aufforderung an die Berater, für den Verkauf des Grundwerte-Fonds zu werben.“

Jene Kundin, die an ihre Altersvorsorge gedacht hatte und in den Grundwert- Fonds der Degi investierte, blieb standhaft und verkaufte nicht. Berufen kann sie sich auf die Aussagen im Werbeprospekt der Dresdner Bank: „Der Grundwert-Fonds ist eine stabile Anlageform, ideal für Personen, die einen kontinuierlichen Wertzuwachs ihrer Anlage wünschen und eine hohe Solidität bei der Geldanlage anstreben.“

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