Geldanlage : Ethikbank erreicht die Gewinnzone

Geld verdienen und trotzdem moralisch sauber bleiben: Diesem Ziel hat sich die Ethikbank verschrieben. Zu ihrem fünften Geburtstag hat die Bank erstmals die Gewinnzone erreicht und will mit innovativen Produkten weiter wachsen.

Eisenberg"Nachdem wir im vergangenen Jahr knapp unter der Null lagen, haben wir in diesem Jahr einen Gewinn von etwa 140.000 Euro erwirtschaftet", sagte Prokuristin Sylke Schröder. Die Öko-Direktbank ging vor fünf Jahren (15. Dezember 2002) an den Start und hat inzwischen gut 6300 Kunden mit einem Anlagevolumen von 64 Millionen Euro. Das Potenzial sieht Schröder noch nicht erschöpft: Das Wachstum von 45 Prozent in diesem Jahr soll 2008 noch übertroffen werden. Dazu soll etwa eine Öko-Baufinanzierung neu angeboten werden.

Die Ethikbank ist eine Tochter der Volksbank Eisenberg und investiert das angelegte Geld laut Schröder nach ethischen und ökologischen Gesichtspunkten. Seit Mai 2005 wird auch ein spezielles Konto für überschuldete Haushalte angeboten, die oft Schwierigkeiten hätten, Konten bei anderen Banken zu eröffnen oder zu behalten. Inzwischen gebe es etwa 1100 solcher Konten bei der Ethikbank.

90 Prozent der Kunden aus den alten Bundesländern

Der Preiskampf im Bankensektor, der etwa über Tagesgeldanlagen und kostenlose Girokonten ausgetragen werde, schlage jedoch auch auf die Ethikbank durch, sagte Schröder. "Unsere Kunden wollen beides: Sie wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert, aber sie wollen deswegen nicht auf Rendite verzichten." Knapp 90 Prozent der Kunden komme aus den alten Bundesländern. Die Bank zähle auch gut 1000 Firmenkunden wie Ökobetriebe, Stiftungen und gemeinnützige Organisationen.

Die Ethikbank erwirbt nach Angaben von Schröder keine Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die Waffen herstellen, Atomkraftwerke betreiben und Saatgut gentechnisch verändern; auch werde nicht in Anleihen von Ländern investiert, die Menschenrechte verletzen. Das Portfolio können die Anleger im Internet einsehen.

Druck auf die Konzerne

Im Zweifel würden auch Unternehmen aussortiert, die nicht zur Negativliste gehörten. "Von allen Branchen, die keine Tabu-Branchen sind, werden die vorbildlichsten Unternehmen ausgesucht", sagte Schröder. "Daher kommen auch Unternehmen der Automobilbranche oder der Medizintechnik im Portfolio vor." Davon erhoffe sie sich einen Druck auf die Konzerne, sich verstärkt an ethischen und ökologischen Kriterien zu orientieren.

Seit Februar 2006 ist die kleine Eisenberger Nischen-Bank auch in Österreich aktiv. "Wir haben uns für Österreich entschieden, weil dort bis dahin noch keine Bank ethische Geldanlagen angeboten hat." Bisher seien knapp 200 Kunden gewonnen worden. Die Angebote für die Österreicher sollen 2008 ausgebaut werden: "Wir möchten dann auch mittel- und langfristige Geldanlagen anbieten." (mac/dpa)

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