Geldanlage : Höhenangst

Am Aktienmarkt wird die Stimmung schlechter. Die langfristigen Aussichten trüben sich ein. Experten rechnen aber nicht mit einem Absturz.

Stefan Kaiser
Börse
Auf zu neuen Höhen? An der Börse ist die Stimmung leicht gedämpft. -Foto: ddp

Am deutschen Aktienmarkt verdunkeln sich die Aussichten. Der Leitindex Dax sackte am Mittwoch den zweiten Tag in Folge kräftig nach unten. Er fiel um 1,8 Prozent auf 7893 Punkte und lag damit mehr als drei Prozent unter seinem historischen Höchststand, den er erst am vergangenen Freitag mit 8151 Punkten markiert hatte.

„Die Stimmung ist ziemlich trübe, der Markt ist angeschlagen“, sagte Michael Köhler, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), dem Tagesspiegel. Als Grund sieht er vor allem die andauernde Krise am amerikanischen Immobilienmarkt. Dort sind in den vergangenen Monaten vor allem die Finanzierer von zweitklassigen Hypotheken für Kunden mit geringer Bonität ins Trudeln geraten. Auch Banken und Hedgefonds sind davon betroffen. Die US-Investmentbank Bear Stearns teilt in einem am Mittwoch bekannt gewordenen Brief an Investoren mit, dass zwei ihrer Hedgefonds nahezu wertlos geworden sind. Die Fonds, die einst Einlagen von rund 1,5 Milliarden Dollar verwaltet hatten, hatten sich bei Wetten auf Immobilienkredite verspekuliert. Die Krise der Fonds hatte die weltweiten Finanzmärkte schon vor Wochen ins Trudeln gebracht. Experten gehen davon aus, dass sie noch nicht ausgestanden ist. „Wahrscheinlich gibt es mehr Nebenwirkungen der Krise im Hypothekenmarkt, als der Markt das momentan erwartet“, sagte Ralf Grönemeyer, Aktienstratege bei der Commerzbank.

Eine Folge der Krise könnten weiter steigende Zinsen in den USA sein. Schon jetzt sorgen sich die Investoren über mögliche Zinserhöhungen. Der Chef der amerikanischen Notenbank Fed, Ben Bernanke, warnte am Mittwoch vor Inflationsgefahren: Es lägen noch keine überzeugenden Belege für einen anhaltenden Inflationsrückgang vor. Deshalb bleibe ein Inflationsanstieg die Hauptsorge der Fed, sagte Bernanke bei einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Er warnte zugleich vor den negativen Folgen der Abkühlung am heimischen Immobilienmarkt. Diese könnten das für das zweite Halbjahr erwartete moderate Wirtschaftswachstum in den USA gefährden.

Weiteres Ungemach für den deutschen Aktienmarkt droht auch von der heimischen Konjunktur. Experten sehen das Wachstum künftig nicht mehr so stark wie bisher. „Nach dem guten Start ins Jahr war die Euphorie vielleicht etwas zu groß“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, dem Tagesspiegel. „Angesichts der Belastungsfaktoren, die sich aufgebaut haben, kann man nicht damit rechnen, dass das zweite Halbjahr die Dynamik des ersten haben wird.“ Als Gründe nannte er vor allem den hohen Ölpreis und den starken Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung war am Mittwochmorgen auf ein neues Rekordhoch von 1,3832 Dollar geklettert. Im späteren Handelsverlauf pendelte er um die Marke von 1,38 Dollar. Der starke Euro macht vor allem der exportlastigen deutschen Wirtschaft zu schaffen, weil deren Produkte im Ausland teurer werden. „Die deutsche Wirtschaft wird die Aufwertung des Euro nicht mehr so einfach wegstecken können“, sagte Allianz-Ökonom Heise. „Man wird das im zweiten Halbjahr bei den Gewinnmargen und beim Exportwachstum merken.“ Hinzu komme der derzeit hohe Ölpreis, der den Konsumenten Kaufkraft entziehe. Dennoch sieht Heise kein nahes Ende des derzeitigen Booms. „Der Aufschwung hört nicht auf, er verliert nur etwas an Tempo“, sagte er. Für den deutschen Aktienmarkt erwartet der Ökonom zwar kurzfristig eine Belastung durch den starken Euro, eine „nachhaltige Störung“ sei dies jedoch nicht.

Auch die meisten Aktienstrategen rechnen nicht mit einer langfristigen Abwärtsentwicklung am Aktienmarkt. „Es gibt eine Verunsicherung, aber wir sehen keine Trendwende“, sagte Sören Wiedau von der Weberbank. Er setzt vor allem auf die deutschen Unternehmen und die Berichtssaison für das zweite Quartal, die am heutigen Donnerstag mit den Geschäftszahlen des Softwarekonzerns SAP beginnt. „Man wird sehen, dass es den Unternehmen weiter gut geht“, prognostiziert Wiedau. „Die Mehrzahl wird die Erwartungen der Analysten erfüllen oder sogar übertreffen.“ Dies werde die Negativfaktoren aufwiegen. Auch Michael Köhler von der LBBW rechnet mit positiven Überraschungen bei den Unternehmensgewinnen. „Wir erwarten eine gute Berichtssaison“, sagte er. Eine Trendwende nach unten am Aktienmarkt will auch er deshalb nicht ausrufen. Der Markt werde in den kommenden Wochen jedoch stark von der Entwicklung in den USA abhängig sein. „Gegen eine fallende Wall Street werden die Kurse hier nicht steigen“, sagte Köhler. Er rechnet deshalb eher mit einer Seitwärtsbewegung.

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