Geldanlage : Kaffee-Kredit und Röster-Rente

Banken und Versicherungen entdecken den Einzelhandel als Vertriebskanal. Gute Beratung sucht man bei den Produkten allerdings vergeblich.

Maximilian Pisacane
Tchibo
Neue Vertriebswege: Banken und Versicherungen wollen ihre Produkte über den Einzelhandel absetzen. -Foto: ddp

„Ein halbes Pfund Kaffee und ein volles Pfund Kredit“ habe noch keiner bei ihr verlangt, erzählt die Tchibo-Mitarbeiterin. Schließlich gebe es ja hier keine Finanzberatung. Aber ganz abwegig ist der Gedanke nicht. Denn Tchibo vertreibt in seinen Filialen und auf seiner Internetseite die ganze Palette von Finanzprodukten – vom Ratenkredit bis zur Rentenversicherung. Seit der vergangenen Woche ist noch ein kostenloses Girokonto dazugekommen, das der Kaffeeröster für die Hypo-Vereinsbank (HVB) anbietet.

Damit liegt Tchibo voll im Trend. Immer mehr Banken und Versicherer vereinbaren Kooperationen mit Handelsunternehmen, um neue Absatzwege für ihre Finanzprodukte zu erschließen. Im Fall HVB und Tchibo heißt das: Das Konto selbst wird bei der Bank eröffnet, in den Tchibo-Filialen liegen nur die Prospekte aus. Die Zeitschrift „Finanztest“ bewertet das Konto grundsätzlich als gut, weil EC- und Kreditkarte nichts kosten und das Angebot nicht nur online, sondern auch in der Filiale gilt. Nachteil sei aber, dass der Kontoinhaber monatlich 25 Euro in einen Sparplan einzahlen muss, der mager verzinst sei.

Auch bei der Drogeriekette Rossmann gibt es neuerdings Finanzprodukte zu kaufen: Kredite von der Deutschen Bank. Verbraucherschützer bemängeln bei solchen Angeboten die fehlende Beratung. „Schließlich sollte man einen Kredit nicht so leichtfertig aufnehmen, wie man beispielsweise Filtertüten oder Nagellack kauft“, meint Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale NRW. Für Laag mutet es seltsam an, dass ausgerechnet die Deutsche Bank, die vor einiger Zeit ihre weniger vermögenden Kunden auslagern wollte, nun Kredite an Rossmann-Kunden verkauft. Für die Bank ist der offensichtliche Strategiewechsel einleuchtend. „Mit der Kooperation Rossmann/ Deutsche Bank gehen wir gemeinsam neue Wege. Ziel ist es dabei, den Verbrauchern den Zugang zu Bankprodukten zu erleichtern", sagt Frank Strauß, bei der Deutschen Bank zuständig für das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden.

Dahinter steckt der Gedanke, dass ein Kredit genauso einfach gekauft werden kann wie jedes andere Produkt. Doch genau das stößt den Verbraucherschützern auf: Stefanie Laag mahnt, „nicht unvorsichtig zu werden, nur weil es einfach aussieht – denn ein Kredit ist nicht irgendein Produkt“. Wie leicht Verbraucher in die Schuldenfalle geraten, zeigt die seit Jahren steigende Zahl der Verbraucherinsolvenzen: Alleine im ersten Quartal 2007 lagen die Verbraucherinsolvenzen mit 26 447 Fällen um 21,7 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum; und laut der Auskunftei Creditreform gelten jetzt schon über sieben Millionen Menschen als überschuldet.

Derzeit wird der Deutsche-Bank-Kredit bei Rossmann in zwei Varianten angeboten: Bei einer Kredithöhe von 1000 Euro, die innerhalb von zwölf Monaten mit einer Monatsrate von 85,51 Euro zurückgezahlt werden müssen, liegt der feste Zinssatz bei 4,90 Prozent. Wer zur Erfüllung „etwas größerer Träume und Wünsche“ (Prospekttext) mehr Geld benötigt, muss auch höhere Zinsen zahlen. Mindestens 5,40 Prozent bei einer Laufzeit von 13 bis 48 Monaten beziehungsweise mindestens 5,90 Prozent bei 49 bis 84 Monaten.

Stein des Anstoßes ist für die Verbraucherschützer die Bonität, also die Kreditwürdigkeit. Wohnt man in einer als sozial problematisch eingestuften Straße, kann der Kredit teurer werden. „Mir ist niemand bekannt, der den Mindestzins bekommen hat“, sagt Frank Weide von der Verbraucherzentrale Berlin. Das gilt nicht nur beim Rossmann-Kredit, sondern auch für andere Anbieter. „Die mangelnde Transparenz macht es Kunden unmöglich zu vergleichen“, sagte Weide.

Während die Deutsche Bank bei Rossmann mit einem Tilgungszins ab 4,9 Prozent lockt, verraten andere Geldhäuser jedoch auch die Obergrenze. Beispielsweise erfährt der potenzielle Kreditnehmer bei der Citibank, dass die Zinsspanne von 6,67 bis 15,04 Prozent reicht.

Derzeit wird der Einzelhandel von den Finanzdienstleistern geradezu umworben. Ganz oben auf der Wunschliste steht Tchibo. Dort vertreibt die Royal Bank of Scotland (RBS) schon seit Längerem ihre Kredite. „Eine Implementierung weiterer Finanzprodukte bei Tchibo ist angedacht“, sagt Carsten Höltkemeyer, Geschäftsführer Deutschland der RBS für das Retailgeschäft. Bei Tchibo gibt es den „Clever-Credit“ mit einem effektiven Jahreszins von 6,40 Prozent für alle vereinbarten Laufzeiten von 12 bis 84 Monaten und für Kreditbeträge von 2 500 bis 50 000 Euro. Der Verfügungsrahmen des zweiten Angebotes, des flexiblen Abrufkredites, liegt zwischen 250 und 8000 Euro – je nach Bonität des Kunden. Ohne Laufzeitbegrenzung liegt hier der Jahreszins bei 9,90 Prozent.

Auf den Internetseiten wird zur Unterstreichung der eigenen Qualität ein Diagramm des Online-Datenanbieters Biallo gezeigt. Und in der Tat ist der Tchibo-Kredit günstiger als der der gezeigten Vergleichshäuser Karstadt- Quelle Bank und Deutsche Bank. Aber die noch günstigeren Angebote der ING Diba (7,76 Prozent) oder American Express Bank (5,06 Prozent), die Biallo auch ausweist, fehlen bei Tchibo.

Dafür kann der Kunde in der TchiboFiliale neben Pantoffelhaltern und Kartoffelschälern auch an seine Altersvorsorge denken: Der Versicherer Asstel bietet über Tchibo Riester-Policen an. Auch hier kritisieren die Verbraucherschützer die fehlende Beratung. Ähnlich sieht es Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: „Bei Altersvorsorge oder Riester-Rente besteht schon ein gewisser Beratungsbedarf, denn die meisten Menschen kennen sich nicht aus. Doch entsprechende Beratungsangebote können Verbraucher sich im Internet oder per Telefon einholen.“ Verbraucherschützerin Laag räumt jedoch ein: „Wer gut informiert ist oder sich mit Versicherungen auskennt, also eh zu einer Direktversicherung gehen würde, für den kann so ein Angebot interessant sein.“ Immerhin hat die „Röster-Rente“ bei verschiedenen Fachblättern Preise gewonnen. Mit einer Kostenquote zwischen 5,05 und 7,30 Prozent gehört sie laut dem Versicherungsanalysten Morgen & Morgen zu den bundesweit günstigsten Policen. So wie beim Kaffee lohnt sich also auch hier ein Preisvergleich.

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