Geldanlage : Kasse machen mit fallenden Kursen

Während alle anderen gebannt auf den Bullen starren, haben sie nur Augen für den Bären, der symbolisch für das Abwärts der Börsenkurven steht: Anleger, die Geld verdienen mit sinkenden Aktienkursen.

Irja Most
Bär und Bulle
Stehen für langfristig steigende und fallende Kurse: Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse. -Foto: ddp

Die Börsen in Asien, den USA und auch in Deutschland sind kräftig abwärts gerauscht. Der Markt bleibt weiter nervös, Erholung gibt es, wenn überhaupt nur zögerlich. Anleger bangen um ihr Geld und viele verkaufen in blindem Aktionismus, auch wenn Experten raten, die Ruhe zu bewahren und abzuwarten. Aber nicht alle Investoren verzweifeln. Ihr Geheimnis: Sie verdienen an der sogenannten Baisse, also an deutlich sinkenden Börsennotierungen über einen längeren Zeitraum.

Um mit fallenden Kursen Geld zu machen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Anlage sind sogenannte Short-Zertifikate. Am einfachsten ist ein Zertifikat auf den Short-Dax, eine Anlagestrategie, die die Deutsche Börse im Februar 2007 eingeführt hat. Dabei entwickelt sich der Gewinn, aber natürlich auch der Verlust im Spiegelbild zum Deutschen Aktienindex Dax. Wenn der Dax nachgibt, zum Beispiel um fünf Prozent, dann gewinnt das Zertifkat entsprechend fünf Prozent an Wert. Umgekehrt heißt das allerdings parallel Verlust in der Höhe, in der der Dax steigt. Zusätzlich zum Gewinn durch die Negativentwicklung gibt es Zinszahlungen in Höhe des doppelten Tagesgeldsatzes.

Als erster legte die Société Générale solche sogenannten SG-Zertifikate im März 2007 auf. Für private Investoren empfiehlt sich diese Anlageform allerdings nicht langfristig. "Als Anlage eignen sich Short-Dax-Zertifikate eher mittelfristig", erklärt ein Mitarbeiter von Société Générale. In der Regel gewinnt der Dax nämlich jährlich zehn bis zwölf Prozent - mit Wetten auf kurzfristige Verluste ist somit kaum Gewinn auf lange Sicht zu erzielen. Dafür ist ein Short-Dax-Zertifikat weniger risikoreich als einzelne Aktien. Kaufen kann man das Zertifikat bereits als Einzelstück zu einem Preis von 71 Euro. Hinzu kommt eine Management-Gebühr von 0,4 Prozent.

Short-Selling mit geliehenen Aktien nur für Zocker?

Eine andere Möglichkeit, von sinkenden Aktienkursen zu profitieren, ist das so genannte shorten von Aktien. Dabei wird Gewinn mit Leerverkäufen gemacht. Die Papiere werden von einem Unternehmen ausgeliehen und an der Börse verkauft. Der Trick ist, die Papiere erst zurückzukaufen, wenn der Kurs gesunken ist. Die Differenz kann sich der Anleger als Gewinn einstreichen. Das Schreckenszenario für einen Short-Seller ist ein Aktienkurs der steigt und steigt und steigt. Schlimmstenfalls kann man nicht nur seinen Einsatz verlieren, sondern muss auch noch richtig draufzahlen, wenn der Kurs bei Rückkauf höher ist als zum Zeitpunkt des Verkaufs.

Bislang ließen sich Aktien für diese Zwecke in Deutschland nur bei Spezialanbietern leihen, wie etwa beim Broker Sino in Düsseldorf mit überschaubarer Kundenzahl von 600. Inzwischen gibt es aber auch einen echten Discountbroker mit 630.000 Kunden wie Contor Consols in Nürnberg, der auch Short-Selling anbietet. Pauschal muss man eine Gebühr von 40 Euro zahlen, zudem Provision für Kauf und Verkauf.

Contor Consols hat sein Short-Selling-Angebot seit Sommer 2007 auch für Privatanleger geöffnet und ist mit der Resonanz zufrieden. "Das Angebot kommt bei den Privatanlegern gut an, wir verdienen Geld", freut sich Dirk Althoff, zuständig für das Short-Selling bei Contor Consols. Seiner Ansicht nach ist das shorten von Aktien aber nur für eine ganz spezielle Gruppe von Anlegern. Sie müssten den Markt kontinuierlich im Auge behalten und zudem risikofreudig sein. Denn ohne ein gewisses Einsatzkapital lohnten sich solche Geschäfte nicht.

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